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Geplante Asylbewerberunterkunft bewegt die Häslicher

Hunderte Haselbachtaler harrten bei Minusgraden auf der Info-Veranstaltung des Landratsamtes aus. Fragen wurden viele gestellt. Einige Antworten blieben offen.

© M. Schumann

Von Ina Förster

Der Ansturm war zu erwarten. Dass es gestern Abend dann doch so viele sein würden, die von ihren offenen Fragen betreffs der geplanten Asylbewerberunterkunft in Häslich getrieben auf die Dorfstraße gingen, war bemerkenswert. Mehr als 400 Menschen versammelten sich 18 Uhr am Feuerwehrgerätehaus. Eine angemeldete Demonstration rief schon Stunden vorher den Staatsschutz auf den Plan. Friedlich und ruhig liefen die Anwohner mit Fackeln und (einer) Fahne durchs Dorf. Ihr gemeinsames Ziel: Antworten von der Stabsstelle Asyl im Landratsamt bekommen. Ängste und Bedenken vortragen. Hintergrundwissen erlangen. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass der Haselbachtaler Ortsteil Häslich ab 1. März 35 Asylbewerbern neue Heimstatt werden soll. Ein Privatvermieter aus Ottendorf-Okrilla hat dem Landratsamt Bautzen dafür sein 2011 erworbenes Areal der ehemaligen Schule angeboten. Eigentlich plante er dort eine Tauchschulbasis. Den nahen Steinbruch „Luise“ hatte er für den Zweck mit erworben. Doch diese Pläne scheinen nicht aufgegangen zu sein. Denn kürzlich wollte er das Objekt veräußern. Ein Weiterverkauf kam jedoch nicht zustande. Geht es nach ihm, sollte nun auf andere Weise Leben in das sichtbar marode Gemäuer kommen. Das Landratsamt bestätigte jedenfalls vor Tagen den Vorvertrag mit dem Privatvermieter zu dem Zweck, eine Asylbewerberunterkunft auszubauen. Die Gemeinde zeigte sich darüber verwundert, erfuhr sie erst sehr spät davon. Von Beginn an gab es Kritik an der Bausubstanz, Lage und Infrastruktur vor Ort. So viel zur Vorgeschichte. Seitdem wurde auf der Straße, im Gemeindeamt und vor allem im Internet hitzig über den Fakt debattiert. Vor allem Widerstand regt sich mannigfaltig und wurde beispielsweise durch das Aufhängen von beschrieben Bettlaken am Straßenrand und die Gründung der Facebook-Gemeinschaft „Haselbachtal wehrt sich“ manifestiert. Trauriger Höhepunkt war ein Einbruch in der Nacht zum Sonntag, bei welchem unbekannte Täter Wasserhähne in der alten Schule aufdrehten und das Gebäude damit scheinbar schädigen wollten. Über die Höhe des Schadens und Hintergründe hüllte sich die ermittelnde Polizei jedoch bislang in Schweigen.

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Auch gestern Abend war die Stimmung aufgeheizt. Die Menschenmassen drängelten sich ins und rund ums Depot, harrten dort zweieinhalb Stunden bei Minusgraden aus. Im Podium hatte die Stabsstelle Asyl des Landratsamtes Platz genommen, vertreten durch deren Leiterin Grit Borrmann-Arndt sowie Dezernent Geert Runge. Auch Bürgermeisterin Margit Boden war anwesend, die zu Beginn nochmals auf die Rolle der Gemeinde hinwies, der größtenteils die Hände gebunden sind. Was sie nicht hinderte, konkrete Bedenken gegen die Standortwahl zu äußern. Auch der Vermieter selbst und Polizeirätin Susann Benad-Uslaub vom Kamenzer Revier kamen. Letzterer fiel in der emotional aufgeladenen Atmosphäre etwas die Rolle der beherzten Moderatorin zu. Vor allem direkte Anwohner stellten sachliche Fragen zum Sicherheitskonzept. Sprachen konkrete Ängste um ihre Kinder an und forderten Antworten, die kaum befriedigend ausfielen. Noch befinde man sich in einer frühen Planungsphase, ein Betreiber sei noch nicht gefunden. Der größte Wunsch der Häslicher am gestrigen Abend: Bitte keine 35 jungen Nordafrikaner in die Unterkunft! „Eine Garantie kann ich nicht geben, aber garantiere, dass wir alles unternehmen werden, dass der Fall nicht eintritt“, legte sich Geert Runge nach dreimaligem Nachhaken fest. Viele Fragen sind offen, es wird weitere Gespräche geben müssen.

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