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Geplatztes Wasserrohr im Bröckel-Hochhaus

Im zweiten Stock riss eine Wasseruhr ab. Die Feuerwehr rückte an. Weil der Strom weg war, musste der Lidl schließen.

© Christian Juppe

Von Nora Domschke

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Wir sind Meister. Wir können das. 

33 Frauen und 242 Männer sind unter den frisch gebackenen Meisterabsolventen der Handwerkskammer Dresden und damit Aushängeschild der „Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Das Wasser plätschert auf den Gehweg. Es fließt aus der Decke über dem markanten Durchgang am Pirnaischen Platz. Aus einer Wohnung in der zweiten Etage des maroden Hochhauses bahnt es sich seinen Weg bis hinunter in den Keller. Kurz nach acht Uhr morgens geht am Sonnabend der Notruf bei der Feuerwehr Dresden ein.

Grund für die Überschwemmung: eine abgerissene Wasseruhr in einem Installationsschacht. Das teilt Lagedienstführer René Pelzer auf Nachfrage mit. Gemeinsam mit Monteuren der Drewag gelingt es, den Rohrbruch zu reparieren. Um Schäden an der Elektrikanlage zu verhindern, wird der Strom abgeschaltet. Weil dann weder die Kassen noch die Kühlschränke funktionieren, schließt die Lidl-Filiale in dem flachen Anbau, Lkw fahren vor, das Lager wird offenbar geräumt. An den beiden Eingangstüren weisen Schilder auf eine Störung hin.

Auch der Betreiber des Bistros „Damaskus“ versucht, seine Kühlwaren zu retten und belädt sein Auto. Wie der Gastronom am Sonntag mitteilt, konnte er nach drei Stunden seinen Imbiss wieder öffnen. Elektriker hatten die Anlage geprüft und den Strom daraufhin wieder angestellt. Der Supermarkt blieb allerdings geschlossen. Ob das Geschäft an diesem Montag wieder öffnet, ist unklar. Zumindest waren am Sonntag die Schilder von den Türen verschwunden. Beim Unternehmen war bis Redaktionsschluss niemand erreichbar.

Dass die letzten Tage in ihrer Wohnung noch einmal so aufregend werden, hätte Henrietta Naudszus nicht gedacht. Sie lebt seit 20 Jahren im sechsten Stock des Hochhauses und muss – wie alle anderen Mieter auch – bis Ende Februar ausziehen. Die Kisten sind bereits gepackt, der Umzug war für die kommenden Tage geplant. Nun flüchtete die Seniorin schon am Sonnabend aus ihrer Wohnung, zu Bekannten nach Radeberg, berichtet ihre Tochter Julia. Ohne Strom und Wasser – so wollte ihre Mutter das Wochenende nicht verbringen.

Ob der Rohrbruch mit dem maroden Zustand des Gebäudes in Zusammenhang steht, konnte René Pelzer von der Feuerwehr Dresden nicht genau beantworten. „Das passiert auch bei neueren Gebäuden“, sagt er. Allerdings würden solche Schäden häufiger auftreten, wenn Anlagen nicht regelmäßig genutzt werden. Zuletzt lebten in dem Hochhaus noch 40 Mieter. Viele von ihnen sind inzwischen bereits ausgezogen.