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Deutschland & Welt

Gereizte Gesellschaft

Vielen Deutschen geht es wirtschaftlich gut, doch Geld allein macht sie nicht glücklich. Viele beklagen die steigende Aggressivität im Alltag.

Nicht nur bei Demonstrationen entladen sich Wut und Gewalt. Viele Deutsche beklagen aggressives Verhalten in Bussen und Bahnen, gegenüber Polizisten und Rettungskräften.
Nicht nur bei Demonstrationen entladen sich Wut und Gewalt. Viele Deutsche beklagen aggressives Verhalten in Bussen und Bahnen, gegenüber Polizisten und Rettungskräften. © imago images

Berlin. Nach Jahren des Aufschwungs beurteilt die mittlere Generation in Deutschland ihre wirtschaftliche Lage so gut wie lange nicht mehr. 44 Prozent aus der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen meinen, dass es ihnen finanziell heute besser geht als vor fünf Jahren. Das ergab eine repräsentative Allensbach-Umfrage. Nur 16 Prozent sprechen dagegen von einer Verschlechterung.

Das sind die besten Werte, seit das Institut die „Generation Mitte“ für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft befragt. Im Osten fallen die Zahlen sogar noch etwas besser aus.

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Dennoch gibt es eine „merkwürdige Diskrepanz“, wie Allensbach-Chefin Renate Köcher sagt. Denn bundesweit stimmten gleichzeitig die meisten Befragten der Aussage zu, dass Aggressivität, Zeitdruck, Egoismus in der Gesellschaft zunähmen. Der Respekt sinke, gute Manieren verlören an Bedeutung, die Ungeduld wachse – jeweils zwei Drittel bis vier Fünftel aller Befragten sehen es so.

„Diese Aggressivitätsphänomene nehmen zu, ich vermute auch durch die Erhöhung der Schlagzahl in der Gesellschaft“, sagte Köcher. „Viele sagen, der Zeitdruck wird deutlich höher.“ Die Menschen erlebten Aggressivität vor allem im Straßenverkehr, viele aber auch auf öffentlichen Plätzen, in Bussen und Bahnen sowie im Internet.

Die Beschleunigung von Debatten durch sogenannte soziale Netzwerke wie Whatsapp und Twitter spielt demnach eine Rolle. Es werde viel stärker impulsgetrieben kommuniziert, sagte Köcher. „Bei vielen sind ungestörte Zeitreservate deutlich weniger geworden.“ Gewachsen sind demnach auch Aggressivität gegenüber Polizisten und Rettungskräften sowie die Fremdenfeindlichkeit.

Die Wirtschaftslage wird aus Sicht der Befragten in den kommenden Jahren nicht mehr so gut sein wie zuletzt. 41 Prozent glauben, dass Deutschland wirtschaftlich zurückfallen wird. Als Gründe werden das Fehlen von Fachkräften und die Politik von US-Präsident Donald Trump genannt. Hinzu kommt die Befürchtung, dass Deutschland bei wichtigen Technologien den Anschluss verpassen könnte. (dpa)