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Gericht entlastet Kater Tapsi

Ein Ebersbacher verletzt Nachbars Katze so schwer, dass sie eingeschläfert werden muss – nun hat er für sämtliche Kosten aufzukommen.

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© privat

Von Manfred Müller

Ebersbach. Ein Holzknüppel gab am Ende den Ausschlag. Mit diesem versuchte Helmut Richter*, Nachbars Kater aus seinem Vorhaus zu vertreiben. Das Tier hatte sich dort über Richters Katze hergemacht. Versuche, die kämpfenden Katzen mit dem Knüppel auseinanderzudrücken, hätten nichts gebracht, gab der Hausherr vor dem Riesaer Amtsgericht zu Protokoll (die SZ berichtete). Also griff er sich Kater Tapsi und wollte ihn hinauswerfen. Der aber reagierte aggressiv, verletzte den Ebersbacher zunächst am Ohr und krallte sich dann an seiner Hand fest. Inzwischen war Richters Ehefrau dazugekommen und reichte ihm eine Dose Pfefferspray, mit deren Hilfe er sich von dem Kater befreite. So lautete die Version des Beklagten. Tapsis Besitzerin Ines Krause* machte sich später auf die Suche nach dem Tier und fand es verletzt und völlig verängstigt vor. Eine schnell hinzugezogene Tierärztin diagnostizierte ein Schädelhirntrauma, eine schwere Augenverletzung und eine Hirnblutung. Aufgrund der schweren Verletzungen musste Tapsi eingeschläfert werden.

Richter Hans-Peter Burmeister, der die Klage und die Gegenklage der beiden Katzenbesitzer zu beurteilen hatte, entschied im Sinne der Tapsi-Fraktion. Er hatte sich im Verlauf von drei Verhandlungsterminen extra den Knüppel vorlegen lassen, und dieser schien aufgrund der vielen abgebrochenen Aststücke tatsächlich geeignet, ein Tier schwer zu verletzen. Und er war nicht zufällig zur Hand gewesen, sondern hatte im Vorhaus bereitgelegen. Helmut Richter hätte zum Trennen der Katzen ja auch einen Besen nehmen können, so Burmeister in der Urteilsbegründung. Oder vorsorglich einen Eimer Wasser für den Ungebetenen hinstellen können. Vielleicht hätte es ja auch schon gereicht, den Eindringling anzubrüllen.

Helmut Richter hatte nach dem Zwischenfall die Polizei gerufen. Es war unstrittig, dass Kater Tapsi ihn beim Versuch, die Katzen auseinanderzubringen, verletzte. Dennoch wies das Gericht seine Klage auf Schmerzensgeld zurück. Dass er mit der bloßen Hand nach dem Störenfried griff, sei auf eigenes Risiko erfolgt, so Hans-Peter Burmeister, und die Folgen müsse er selbst tragen. Auch die Behauptung, dass Nachbars Kater bereits früher Richters Katzen misshandelt habe, ließ der Richter nicht gelten. Zwar habe der Beklagte angeführt, dass einer davon nach einer Auseinandersetzung der Schwanz amputiert werden musste. Aber einen Beweis, dass Tapsi der Übeltäter war, sei er schuldig geblieben. Helmut Richter bleibt aber nicht nur das Schmerzensgeld verwehrt. Er muss auch sämtliche Kosten tragen: für die Behandlung und Einschläferung von Tapsi, für die Anschaffung einer neuen Katze und schließlich die Verfahrenskosten.

Ines Krause und ihre Familie nahmen das Urteil mit Genugtuung auf. Jetzt sei ihrem Kater endlich Gerechtigkeit widerfahren. Die Ebersbacher hatten im Anschluss an den dritten Verhandlungstermin dem Richter extra noch einen Appell zukommen lassen. Sie verwiesen darauf, dass Tapsi keineswegs – wie von der Gegenpartei behauptet – in der Nachbarschaft als aggressives Tier bekannt gewesen sei. Das untersetzten sie sogar mit einer Reihe von Unterschriften der Anwohner ihrer Straße. Am Ende war es aber wohl eher der gefährliche Holzknüppel, der Justitias Waage in ihre Richtung neigte.

* Namen geändert