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Gerücht um Flüchtlings-Erstaufnahme

Bischofswerdaer berichten davon, dass die Flüchtlinge in der Werkhalle von Hero frieren. Und daher ein Umzug ansteht.

© Steffen Unger

Bischofswerda. Offiziell wird nicht bestätigt, was sich manche Bischofswerdaer gerade fragen: Stimmt es, dass es im großen Erstaufnahmecamp in der ehemaligen Herrenmode-Halle an der Belmsdorfer Straße so kalt ist, dass die Flüchtlinge dort nicht bleiben können? Dass sie umziehen sollen und als neue Unterkünfte leer stehende Geschäftsräume an der Lessingstraße angemietet werden, zum Beispiel der ehemalige Tipp-Markt und das frühere Peppermint?

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Die Gerüchteküche liegt falsch. Die Landesdirektion als verantwortliche Behörde für das Camp teilte am Dienstag auf Anfrage mit, es stimme nicht, dass an eine Aufgabe der Einrichtung gedacht werden muss, weil die Flüchtlinge frieren. „Die Wärmeversorgung der Halle erfolgt über das bestehende Nahwärmenetz“, sagte ein Sprecher der Behörde. Mitarbeiter der Stadt Bischofswerda, die regelmäßig Kontakt zu den Verantwortlichen für das Camp beim Land und zum Betreiber DRK halten, sehen ebenfalls keinen Anlass für einen Umzug. Ein solcher wäre auch deswegen zumindest in die von manchen Bürgern diskutierten Alternativen unwahrscheinlich. Neuankommende Flüchtlinge werden nicht in kleinen Objekten wie einem ehemaligen Kosmetik-Studio untergebracht. Erstaufnahmen beherbergen in der Regel mehrere Hundert Menschen, in Bischofswerda sind es gerade rund 530.

Sachliche Debatte

Bei der Einwohnerversammlung zum Camp am Montagabend im Seniorenwohnhaus, als Vertreter von Land, DRK und Polizei Rede und Antwort standen, waren Kälte in der Einrichtung sowie ein Umzug kein Thema, auch nicht am Rande bei Gesprächen zwischen Verantwortlichen. Das sagte der „Flüchtlingsbeauftragte“ der Stadt, Joachim Clemens, auf Anfrage. Presse war beim Forum nicht erwünscht.

Die Einwohnerversammlung, die zweite in Bischofswerda seit Einrichtung der Erstaufnahme im September, war für zwei Stunden angesetzt. Die Zeit wurde mit Fragen und Antworten voll ausgeschöpft. Es blieb ruhig, die Debatte verlief überwiegend sachlich, sagten Teilnehmer. „Mir haben nur die gefehlt, die sonst am lautesten meckern“, sagte Mitinitiator und Stadtrat Frank Kern (SPD) auf Anfrage. Zu einigen Gerüchten nahmen Verantwortliche auf dem Forum Stellung. Es sei unter anderem um die Frage gegangen, ob Flüchtlingsfamilien Familien von hier die Kita-Plätze wegnehmen. Frank Kern: „Das ist Blödsinn.“ Nicht schädlich allerdings wäre es für Bischofswerda, wenn manche Flüchtlingsfamilie bleiben und gut integriert werden könnte. Trotz Bevölkerungsrückgang würden dann zum Beispiel Kitas auf Dauer besser ausgelastet, hieß es.

Der Vertreter der Polizeidirektion warnte auf dem Forum, zu behaupten, Flüchtlinge stehlen. Wenn dem aber so sei, müsse der Diebstahl angezeigt werden, die Polizei ginge der Anzeige nach. Geschäfte hätten Anweisung, jeden Diebstahl zu melden. – Fragen zu Flüchtlingen können im dafür eingerichteten Büro im Rathaus gestellt werden. Man meldet sich dafür zu den Dienstzeiten im Bürgerbüro. Eine Außenstelle gibt es in der Schiebock-Passage, dort ist montags 16 bis 18 Uhr und donnerstags 9 bis 12 Uhr Sprechzeit. Nur wenige nutzten die Möglichkeiten bisher für Fragen oder Vorschläge. So hieß es am Dienstag im Rathaus auf Anfrage. (SZ/ass)