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Gerüchte um Messerangriff an Meißner Schule

Das Kultusministerium soll eine Informationssperre verhängt haben. Aber stimmt das auch?

© Archiv/Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson und Dominique Bielmeier

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Meißen. Die Nachricht schlägt Wellen in Meißen. Einer Pressemitteilung der AfD-Landtagsfraktion zufolge soll ein jugendlicher Asylbewerber bereits am 28. Oktober nach dem Sportunterricht an der Pestalozzi-Oberschule in Meißen „ein Cuttermesser gezückt haben“. Anlass sei ein Streit zwischen Meißner und ausländischen Schülern der Oberschule gewesen.

Für den Dienstagabend lud die Schule alle Eltern ein, über den Vorfall zu informieren und zu sprechen. Nach eigener Aussage wurde der sicherheitspolitische Sprecher der AfD-Fraktion Carsten Hütter „gegen den ausdrücklichen Wunsch fast aller Eltern vom Schulleiter während dieser Veranstaltung des Raumes verwiesen“. Hütter behauptet außerdem „gehört zu haben, der Angriff des Jugendlichen mit dem Cuttermesser sei auf ausdrücklichen Wunsch des Kultusministeriums nicht öffentlich gemacht und auch die Polizei nicht informiert worden.“ Dem widerspricht am Mittwochnachmittag der Sprecher des Kultusministeriums Dirk Reelfs: „Die Behauptung der AfD ist falsch. Es gab keine Informationssperre durch das Kultusministerium. Nach den mir bereits vorliegenden Informationen hat die Schule darüber hinaus mit Polizeibeamten zu dem Vorfall gesprochen.“ Das Ministerium kündigt an, im Laufe des Tages weitere Details zu dem Vorfall bekanntzugeben.

Bei einem Vorort-Besuch am Mittwochnachmittag an der Schule bestätigten mehrere Schüler gegenüber der SZ, dass es den Vorfall vom 28. Oktober, einem Freitag, gegeben hat, nur die Schilderungen der genauen Vorkommnisse unterscheiden sich. So sagt ein Jugendlicher, dass gar kein Cuttermesser zum Einsatz kam, zumindest habe die Polizei bei ihren Untersuchungen später keines in der Nähe des Sportplatzes Heiliger Grund, wo es zur Auseinandersetzung gekommen war, gefunden.

Dass die Polizei da war und nach dem Messer suchte, bestätigten unabhängig voneinander zwei andere Gruppen von Schülern. Sie sind überzeugt, dass es das Messer gab, auch wenn glücklicherweise niemand verletzt wurde. Der Streit, so berichten sie, sei zwischen zwei Deutsch-als-Zweitsprache-Schülern (Daz) und drei oder vier anderen Schülern auf dem Rückweg vom Sportunterricht ausgebrochen. Alle Jungen gingen in die 7. Klasse an der Pestalozzi-Oberschule. Was den Streit ausgelöst hat, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen; mal sei es das laute Zuschlagen der Umkleidekabinen-Türen gewesen, mal Macho-Gehabe aus beiden Gruppen.

Ein Siebtklässler, der den Vorfall selbst beobachtet hat, schildert, was dann passiert ist: Als die Daz-Schüler bemerkt hätten, dass sie der Überzahl der anderen Jungen unterlegen seien, habe einer in seinem Rucksack gekramt und ein Cuttermesser hervorgeholt, mit dem er mehrere Schüler, darunter ein Mädchen, das zwischen die Streitparteien ging, bedroht haben soll. Der Vorfall sei laut Aussage der Schüler auch im Unterricht diskutiert worden. Mehrere Eltern sollen Anzeige erstattet haben. Maßnahmen wie Taschenkontrollen oder eine Begleitung auf dem Weg zum Sportunterricht gebe es aber nicht.

Einer der Daz-Schüler sei kurzzeitig suspendiert worden, nehme aber wieder am Unterricht teil. Die befragten Schüler ärgern sich, dass ihre Schulleitung den Vorfall ihrer Ansicht nach vertuschen wolle.

Wie die Bildungsagentur Dresden am späteren Mittwochnachmittag mitteilte, hat ein Schüler bei der Auseinandersetzung eine Schürfwunde am Finger davongetragen. Die groben Fakten zum Hergang werden von der Agentur bestätigt. Der Schüler mit Migrationshintergrund sei umgehend durch den Schulleiter befragt worden; ein Messer sei weder bei ihm noch im Schulgelände gefunden worden. „Der Schüler wurde bis zur Klärung aller Umstände bis auf weiteres vom Schulbesuch ausgeschlossen. Die Eltern des verletzten Kindes wurden durch die Schule informiert“, so Pressereferentin Petra Nikolov.

Verteidigt wird von der Agentur der Raumverweis für den AfD-Landtagsabgeordneten. Beim Elternabend seien auch Informationen aus Gesprächen zwischen Schulleiter und betroffenen Schülern zur Sprache gekommen. Zudem sei der Politiker nicht eingeladen gewesen. Mindestens ein anwesendes Elternteil habe seine Teilnahme abgelehnt.