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Gesammeltes Wissen zu Wind und Wetter

Die Stadt verdichtet das Messnetz für Umwelt-Daten. Die gesammelten Werte stehen auf einer neuer Webseite - abrufbereit für jeden. 

Geoinformatikstudent Arne Rümmler installiert die  Regenmess-Station vor der Sternwarte Gönnsdorf. Weitere 49 Geräte werden dieses Jahr aufgestellt.
Geoinformatikstudent Arne Rümmler installiert die Regenmess-Station vor der Sternwarte Gönnsdorf. Weitere 49 Geräte werden dieses Jahr aufgestellt. © Landeshauptstadt Dresden /André Wirsig

Scheint in Loschwitz die Sonne, kann es in Gorbitz stark regnen. Denn besonders Starkregen fällt in einer Großstadt wie Dresden oft sehr punktuell. Diese Erfahrung hat die Stadtentwässerung gemacht, die den Niederschlag seit 1994 erfasst. So kann sie schlussfolgern, wie Schäden am Kanalsystem verhindert und die Anlagen noch besser ausgebaut werden können. Der Regen wird bisher nur an 19 Messstationen in Dresden erfasst.

Dieses Netz der Niederschlagsmessung soll jetzt ausgebaut und dabei stark verdichtet werden. Deshalb haben die TU Dresden und das Dresdner IT-Unternehmen Pikobytes, das dieses Jahr gegründet wurde, das gemeinsame Projekt Smart Rain gestartet. „Wir erfassen nicht nur die Niederschlagsverteilung, sondern auch andere Geo- und Umweltdaten und bereiten sie so auf, dass sie gut genutzt und an jedem Ort abgerufen werden können“, sagt der Umweltwissenschaftler Pierre Karrasch vom Bereich Geoinformatik der TU. Dazu gehören nicht nur Regendaten, sondern auch Pegelstände, Temperaturen, Windstärke und Luftfeuchtigkeit, erklärt der 40-jährige Fachmann. Einbezogen werden dabei die amtlichen Daten des Deutschen Wetterdienstes und des Freistaates.

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Dieses Jahr sollen 50 neue Regen-Messstationen auf Grundstücken von Bürgern, Vereinen, Firmen oder Behörden aufgestellt werden. Das erste dieser einfachen Geräte wurde kürzlich vor der Sternwarte in Gönnsdorf installiert. In diesem Monat soll eine weitere Station an der Forsthütte Bühlau folgen, kündigt Karrasch an.

Das Gerät ist recht einfach konzipiert. Der Regen wird oben in einem Trichter gesammelt. Auf einer Kippwaage wird die Regenmenge erfasst, erläutert der Wissenschaftler. Sensoren erfassen auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Installiert wird ein elektronisches Erfassungsgerät, das die Firma Elco Automation aus dem baden-württembergischen Oberstenfeld herstellt. Den Strom liefert eine Solarzelle. Karrasch baut mit seinen Studenten das Gerät zusammen, sodass die Kosten mit bis zu 300 Euro im Rahmen bleiben.

Übertragen werden die Daten letztlich per Funk auf die Plattform von Pikobytes, erläutert der 38-jährige Gründer Matthias Müller. Dort werden sie nach der Auswertung mit den anderen Wetter- und Klimadaten auf der Internetseite der jungen Firma veröffentlicht. „Durch die Zusammenführung vieler Daten können wir ein digitales Abbild unserer Umwelt entstehen lassen, in dem aktuelle Phänomene wie der Klimawandel deutlich sichtbar werden“, erklärt der promovierte Geoinformatiker.

Das einfache Messgerät sei zwar nicht ganz so genau wie die Stationen der Stadtentwässerung. Aber durch das viel dichtere Messnetz könnte das Ergebnis noch verbessert werden. So wird an einigen Stellen wie am Klärwerk Kaditz und in Hosterwitz künftig mit zwei Geräten der Regen erfasst.

Der Deutsche Wetterdienst, der Sachsenforst und andere Institutionen hätten schon Interesse angemeldet. Denn mit langen Reihen von Wetterdaten seien auch bessere Prognosen möglich. Allerdings sind die Daten durchaus auch für den normalen Dresdner Bürger interessant, fügt Karrasch hinzu. Denn so kann er beispielsweise ganz schnell sehen, wie viel Regen in seinem Kleingarten gefallen ist. Die Wirtschaftsförderung der Stadt unterstützt das zweijährige Projekt mit 70 000 Euro.