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Geschenke-Verscherbeln in Coswig

Unpassende Weihnachtsgaben und nicht mehr gebrauchte Sachen wechselten beim Flohmarkt in der Turnhalle des Gymnasiums den Besitzer.

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Von Philipp Siebert

Mit einem Tabu-Thema wurde am Sonntag in Coswig gebrochen. Es ging um nichts Geringeres als Weihnachtsgeschenke, die so gar keine Freude aufkommen lassen. Es ging um den dritten Wasserkocher, den Film auf DVD, den man eh nie sehen wollte. Es ging um zu große Pullover, hässliche Krawatten, die unbenutzte Saftpresse. Bisher gab es dafür nur diese Möglichkeiten: Ab damit in den Schrank, in den Keller oder bei Internetaktionshäusern verhökern. Je weiter weg, desto besser.

Platz im Schrank oder im Keller haben die Moritzburger Jeanette und Thomas Jung jedoch nicht mehr. Schon gar nicht jetzt, wo der Umzug nach Dresden ansteht. Deshalb haben sie kurzentschlossen einen Stand auf dem Flohmarkt in der Turnhalle des Coswiger Gymnasiums aufgebaut. „Wir haben entrümpelt und viele Geschenke und Sachen gefunden, die wir nicht brauchen oder noch nie benutzt haben“, sagt Thomas Jung. Seinen Neoprenanzug hat er mitgebracht. Genauso wie einen Baustrahler, ein Lautsprechersystem und goldene Schaschlikspieße.

„Vieles, was wir anbieten, ist aber auch von den Kindern“, wirft seine Frau Jeanette ein. Kleider von der 10-jährigen Luisa sind ebenso dabei wie die Schuhe, die Philip nicht mehr passen – und natürlich Kinderspielzeug. Denn zu Weihnachten haben Luisa und Philip wieder viele Geschenke bekommen. Für die Familie ist der Flohmarkt die perfekte Gelegenheit, für die Sachen noch ein paar Euro zu bekommen.

Einfach im Internet wollten die Moritzburger die Dinge nicht anbieten. Bei Internetaktionshäusern wie Ebay lassen sich die Sachen zwar schnell und anonym zu Geld machen. „Aber uns fehlt da das Flair, hier kann man mit den Leuten reden und verhandeln“, sagt Jeanette Jung. Das macht den Flohmarkt für sie so interessant.

Die Idee für einen Flohmarkt so kurz nach Weihnachten hatte der Weinböhlaer Steffen Mendrok. Seit Jahren organisiert er Trödelmärkte zwischen Hoyerswerda, Radebeul, Weinböhla und Riesa. „Zwischen den Jahren war sonst aber immer eine Pause“, sagt er. Bis letztes Jahr. Im Dezember 2012 lud er zum ersten Flohmarkt kurz nach den Feiertagen ein. „Das war ein voller Erfolg“, erinnert sich Mendrok. Über 1 000 Besucher kamen zum Markt, um zwischen den Sachen zu stöbern.

So wie in diesem Jahr auch. Rund 50 Händler hatten ihre Sachen auf Tischen aufgebaut. Professionelle Trödler waren ebenso dabei wie Laien. Dazwischen drängeln sich Hunderte Neugierige. Weil der Flohmarkt so gut ankommt, will Steffen Mendrok daraus jetzt eine nachweihnachtliche Tradition machen. „2014 können wieder Geschenke verscherbelt werden“, kündig er an. Wer mit machen will, muss nur einen eigenen Stand aufbauen. Pro Meter kostet der Stand sechs Euro.