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Geschliffene Stimmen bei bester Stimmung

Der Dresdner Kreuzchor begeistert im Hof des Berthelsdorfer Zinzendorfschlosses 1 250 Zuhörer. Ob es eine Zugabe gibt, liegt vor allem an einer Frage.

© Matthias Weber

Von Anja Beutler

Berthelsdorf. Mitten in die ersten, feinen Töne der Kruzianer mischt sich der scheppernde Klang der kleinen Glocke des Scheunentürmchens. Der Kreuzchor beginnt pünktlich mit seinem Konzert im Hof des Berthelsdorfer Zinzendorfschlosses. Rund 1 250 Besucher haben sich am wunderbar sonnigen Abend des Pfingstmontags eingefunden, um die einmalige Gelegenheit zu nutzen, den Kreuzchor live zu hören. Die neue Partnerschaft zwischen der Herrnhuter Sterne GmbH und dem Kreuzchor macht dieses Ereignis möglich.

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Eine große Bühne und allerlei Technik-Equipement hatte der Chor mitgebracht.
Eine große Bühne und allerlei Technik-Equipement hatte der Chor mitgebracht. © Matthias Weber
Wegen der starken Nachfrage wurden 550 Sitzplätze angeboten.
Wegen der starken Nachfrage wurden 550 Sitzplätze angeboten. © Matthias Weber

Die knapp 50 Chorsänger beginnen ganz klassisch. Rudolf Mauersberger, der frühere Kreuzkantor, erklingt mit „Geh aus, mein Herz, und suche Freud’“. Auch in den fünf Chorliedern von Antonin Dvorak, die gleich im Anschluss folgen, besingt der Chor nahezu romantisch die schöne Natur. Dass sich in die Stimmen der Kruzianer auch echtes Vogelgezwitscher mischt und die Mauersegler wie auf Melodiebögen durch den Hof gleiten, verleiht dem Open-Air-Konzert eine ganz eigene Note. Was für Klippen und Tücken die Dvorak-Stücke dabei für die Jungen bereithalten, ist für die Zuschauer nicht zu spüren.

Die unsichtbaren Fäden am Dirigentenpult hält an diesem Abend Wolfgang Behrend in der Hand. Für den gebürtigen Dresdner ist die Reise in den Landkreis Görlitz dabei eine Art Heimspiel. Als Dirigent hat er in den vergangenen Jahren hier immer wieder Zeichen gesetzt – als Leiter des Jugendsinfonieorchesters „Grenzenlos“ beispielsweise, in dem Musikschüler von Zittau bis Weißwasser spielen. Seit Oktober 2017 ist er nun beim Kreuzchor als Chordirigent verpflichtet und somit gewissermaßen die rechte Hand des Kreuzkantors Roderich Keile. Ruhig, aber präzise lenkt er die Kruzianer an dem Abend durch die rund 75 Konzertminuten – und vor allem auch durch die Wechsel in den Musikstilen.

Denn nach Brahms und Mendelssohn Bartholdy schwingt der Chor in die Moderne: Bei „Somewhere over the Rainbow“ aus dem Musicalfilm „Der Zauberer von Oz“ singen sich die hohen Kruzianer in den neuen Stil ein. Peppiger und vor allem ironischer wird es mit einem Stück des deutschen Liedermachers Reinhard Mey. Die „Diplomatenjagd“ lebt von Wortwitz und spritziger Interpretation. Und genau dies blitzt bei diesem für den Kreuzchor doch sehr ungewöhnlichen Stück wunderbar auf und bringt das Publikum zum Lachen.

Perfekt ist der Chor aber nicht nur in Stimmführung, Dynamik, Klarheit und Inszenierung. Auch technisch reisen die Kruzianer mit allerlei Ausrüstung. Neben der Bühne, die vis-a-vis dem Schloss aufgebaut wurde, ist eine Leinwand errichtet. Dort können die Konzertbesucher Nahaufnahmen, die während des Konzertes von einer Kamera eingefangen wird, sehen. Gezeigt werden aber auch kleine Image-Filmchen des Chores oder eine kleine Umfrage unter den Sängern, was sie persönlich mit dem Stern verbinden.

Ungewöhnlich für ein Kruzianer-Konzert ist, dass es eine Moderation gibt. „Das machen wir immer dann, wenn etwas zu erklären ist“, erläutert Ulrike Weber vom Kreuzchor. So muss erklärt werden, dass eine Änderung im Programm nötig ist und warum plötzlich einer der älteren Chorsänger als Dirigent auf der Bühne steht: Als Chorpräfekt haben die größeren Schüler mit mehr Verantwortung die Gelegenheit, einmal selbst den Chor zu leiten – so wie in Berthelsdorf. Gewöhnt an die Moderation, blickten einige Zuschauer am Konzertende allerdings verdutzt, weil sie auch eine Verabschiedung erwartet hatten.

Mit dem letzten Lied – Josef Rheinbergers „Abendlied“ – sind alle zufrieden: „Es war ein gelungener Abend für den Chor in sehr schöner Atmosphäre“, fasst Chor-Sprecher Christian Schmidt die Stimmung unter den Kruzianern zusammen. Auch deshalb sei durchaus vorstellbar, dass die Dresdner bald einmal wiederkommen. „Am Ende ist es eine Frage des Terminkalenders“, sagt Schmidt. Auch die Herrnhuter Sterne GmbH ist mit der großen Konzertpremiere sehr zufrieden, bestätigt Sprecherin Jacqueline Schröpel. Konkret besprochen sei noch nichts, aber gewünscht sei eine Wiederholung auf alle Fälle. Zuvor wird die Herrnhuter Sternemanufaktur aber das Adventskonzert des Kreuzchores im Dresdner DDV-Stadion ausleuchten, die ersten Absprachen laufen bereits. Für den Chor geht es jetzt hingegen in die Sommerkonzertsaison – quer durch Mittel- und Norddeutschland.