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Gesine Schwans schwerste Jahre

Ungewöhnlich offen hat die SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten in der ARD Fragen nach ihrem Privatleben beantwortet.

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Wie sie es mit der Linkspartei hält – dieser Frage ist Gesine Schwan fast schon überdrüssig. Dabei kann die Sozialdemokratin bei der Wahl des Bundespräsidenten im Mai 2009 nur mithilfe der Linken Nachfolgerin von Horst Köhler im höchsten Staatsamt werden.

Am Montagabend gab sich die 65-jährige Politik-Professorin in der ARD-Sendung „Beckmann“ eher zugeknöpft, wenn es um ihre Haltung zur Partei Oskar Lafontaines und Gregor Gysis ging. Vor Jahren war das ganz anders. Schwan galt in den 70ern in der „Frontstadt“ West-Berlin innerhalb der Sozialdemokratie noch als streitbare Antikommunistin. Damals gehörte sie immerhin zu den Mitgründern des „Seeheimer Kreises“, der den rechten SPD-Parteiflügel repräsentiert.

Überhaupt nicht verschlossen zeigte sich Schwan gegenüber den Fragen von Talkmaster Reinhold Beckmann nach ihrem Privatleben. „Ich bete jeden Tag und gehe am Sonntag nach Möglichkeit in die Kirche“, sagte die Katholikin, die in einer Lehrerfamilie in Berlin-Reinickendorf groß wurde und sich erst mit 20 Jahren taufen ließ.

Ihr Glaube wurde auf eine harte Probe gestellt, als ihr erster Mann, der konservative Politikwissenschaftler Alexander Schwan, 1989 an einer Krebserkrankung starb. Immerhin waren beide 20 Jahre miteinander verheiratet, sie hatten außerdem zwei Kinder adoptiert. Der Tod stürzte sie in eine schwere Depression. „Ich war damals Dekanin am Otto-Suhr-Institut in Berlin. Meine Aufgaben konnte ich alle erledigen, aber ich habe mir damals nichts sehnlicher gewünscht, als nicht mehr zu leben“, erzählte die Frau mit der blonden Turmfrisur dem Fernsehpublikum.

Ein Pfarrer habe ihr in der verzweifelten Lage zwar nicht weiterhelfen können. Aber eine Psychoanalyse, die fünf Jahre dauerte, brachte sie weiter. Dabei habe sie in der Therapie vor allem ihre Kindheit verarbeitet. Schwans Eltern gehörten im Nationalsozialismus protestantischen und sozialistischen Widerstandskreisen an. Im letzten Kriegsjahr versteckten sie ein jüdisches Mädchen vor den Nazis.

Während der Therapie habe sie festgestellt, dass sie immer zwischen ihrem rationalen Vater und ihrer emotionalen Mutter zerrieben worden sei, sagte Gesine Schwan. Aus heutiger Sicht sei der Tod ihres ersten Ehemannes wohl nur der Auslöser für ihre Depression gewesen, die sie vollständig überwunden habe.

Seit 2004 ist Gesine Schwan im Übrigen mit Peter Eigen verheiratet, einem ehemaligen Weltbank-Manager und Gründer der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International. (SZ/ds)