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Gespaltene Meinungen zur Mautsäule

Das Kontrollgerät an der B 182 kommt. Mancher verbindet damit Hoffnungen. Andere hingegen sehen ein wichtiges Verkehrsprojekt gefährdet.

© Foto/Montage Sebastian Schultz

Von Eric Weser

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Strehla. Die Mautkontrollsäule bei Strehla kommt. Das schlanke Gerät, das äußerlich an einen Blitzer erinnert, wird an der B 182 bei Oppitzsch gebaut (SZ berichtete). Und zwar vorm Ortseingang, wenn man von Strehla aus Richtung Riesa durch Neuoppitzsch fährt, präzisiert Toll Collect auf Nachfrage. Die Firma ist für den Bau und Betrieb des Lkw-Mautsystems auf deutschen Fernstraßen verantwortlich.

Bei der Stadt Strehla hat man sich über den Apparat laut Bürgermeister Jörg Jeromin noch keine abschließende Meinung gebildet. Es fehle an den notwendigen Erfahrungen, Informationen und Fakten, so der Stadtchef. Inwieweit die Mautkontrollsäule zu positiven oder negativen Effekten, etwa durch den Mautvermeidungsverkehr über Großrügeln oder durch die Disziplinierung des Durchgangsverkehrs führt, könne noch nicht eingeschätzt werden.

Beim Verein für ein lebenswertes Strehla (VFLS), der sich unter anderem für die Verringerung des Lkw-Verkehrs in der Kleinstadt stark macht, sorgt die geplante Mautsäule für Optimismus. Vereinschef Hans-Jürgen Grübler sieht bisherige Verkehrszählungen mit einer gewissen Skepsis – und verbindet mit der Säule die Hoffnung auf aussagekräftige Daten zur Lkw-Belastung der Strehlaer Innenstadt.

Wie eine Nachfrage bei Toll Collect zeigt, bestehen da gewisse Aussichten. Eine Änderung des Bundesfernstraßengesetzes vom März 2017 besagt, dass Mautdaten in anonymisierter Form in regelmäßigen Abständen ans Bundesverkehrsministerium gemeldet werden. Das wiederum soll die Angaben in ein Datenportal namens mCloud im Internet einstellen. Über das offene Portal stehen die Daten wiederum allen Interessierten gebührenfrei und in standardisierter Form zur Verfügung, heißt es im Gesetz.

Online ist die Rechercheplattform mCloud seit Mai 2016. Erste anonymisierte Mautdaten gibt es laut Bundesverkehrsministerium dort bereits, es handle sich um Daten zur Fahrleistung oder Emissionsklasse. Weitere Datensätze würden sukzessive Folgen, so das Berliner Ministerium weiter. Ob auch Verkehrszahlen an bestimmten Maukontrollsäulen ablesbar sind, war bis Redaktionsschluss offen.

Vor Ort sorgt die geplante Strehlaer Mautsäule indes auch für Unkenrufe. „Da wird (es) wohl nix mit der Umgehungsstraße für Strehla, wenn (sie) das Ding da hinsetzen“, kommentiert Nutzerin Vero Nika auf der Facebook-Seite SZ Riesa. Der Pessimismus ist aber unbegründet. Das für die Planung der Ortsumgehung zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr teilte mit: „Unabhängig von der derzeitigen Lage der Mautsäule besteht die Möglichkeit des Versetzens, wenn das aus Gründen der Ortsumgehung erforderlich werden sollte.“ Eine Verzögerung der Ortsumgehungs-Planungen hätten die Pläne für den Mautsäulen-Bau auch „keinesfalls zur Folge“, beruhigt eine Sprecherin.

Dass – neben anderen Stellen in der Gegend – ausgerechnet die B182 bei Strehla eine Mautsäule bekommt, dafür ist das Bundesamt für Güterverkehr verantwortlich. Für die Bestimmung sei jedoch „nicht die Anzahl der mautpflichtigen Fahrten auf einem Streckenabschnitt ausschlaggebend“ gewesen, so die Kölner Behörde. „Sondern vielmehr die optimale Abdeckung relevanter Verkehre im bundesweiten Zusammenhang.“ Dafür habe man mathematische Optimierungsverfahren und Verkehrsprognosedaten genutzt.