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Gespannt wie ein Flitzebogen

Wie viele andere Vereine haben auch die Schützen Nachwuchssorgen. Eine neue Abteilung soll das ändern.

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© Robert Steinig

Von Eric Weser

Strehla. Autsch! Nur einen Sekundenbruchteil hat die Sehne den Arm berührt. Aber das Ergebnis, ein kleiner Bluterguss, ist von Dauer: Vier Tage wird er noch zu sehen sein. Gar nicht so einfach, dieses Bogenschießen. „Die Hand etwas mehr nach links“, erklärt Karl-Heinz Fiedler. Fiedler ist Bogenexperte und trotz seiner 61 Jahre einer der jüngsten bei der Strehlaer Schützengilde. Zumindest leitet er deren jüngst hinzugekommene Abteilung, den Bogensport.

Mit der olympischen Disziplin, die während der Spiele in Rio erst kürzlich im TV zu sehen war, hat diese Art Bogenschießen allerdings nur teilweise zu tun. Geschossen wird in Strehla nämlich nicht (nur) auf runde Zielscheiben, sondern auf Tiere. Aber keine echten, sondern Tierattrappen aus Schaumstoff mit integrierter Zielscheibe. 3D-Schießen nennt sich diese ans Jagen angelehnte Sportart. Schützen müssen dabei mit ihrer Waffe durch die Gegend laufen und von bestimmten Punkten aus die naturnah nachgebildeten Eulen, Wildschweine oder Rehe treffen. Je besser der Schuss, desto mehr Punkte gibt es. In ganz Deutschland gibt es solche Parcours-Wettbewerbe – bald vielleicht auch in Strehla.

Den Vorläufer so eines Parcours hat Karl-Heinz Fiedler jedenfalls schon mal auf dem örtlichen Schießplatz hergerichtet, als Trainingsgelände. Ein benachbartes Waldstück und der Hundesportplatz sollen auch noch integriert werden. Dazu braucht die neue Bogensport-Abteilung aber noch Sponsoren – und natürlich Mitglieder.

Manche der bisher momentan knapp 40 Strehlaer Schützen hat Karl-Heinz Fiedler schon überreden können, Gewehr, Flinte oder Kanone gegen den Bogen zu tauschen. Mit dem Effekt, dass sich einige selbst eine Startausrüstung gekauft haben. Etwa 120 Euro kosten die ersten modernen Exemplare. Traditionelle Bögen, wie sie Karl-Heinz Fiedler sie macht, sind teurer. Wichtig sei vor allem, das passende Zuggewicht und zum Bogen passende Pfeile zu finden, erklärt der Bogenfachmann.

Dass der Sport einen Nerv trifft, davon ist Karl-Heinz Fiedler überzeugt. Bogenschießen liege im Trend. Er selbst sei vor etwa fünf, sechs Jahren dazugekommen. Bei einer Hochzeit im Mittelalter-Stil habe er erstmals zum Bogen gegriffen. Und beide ließen einander nicht mehr los. Kurze Zeit später begann der Strehlaer, selbst traditionelle Holzbögen zu bauen. Heute nimmt er regelmäßig an 3D-Schießwettbewerben teil oder gastiert auf Mittelaltermärkten.

Um dem Bogensport auch daheim frönen zu können, hat Fiedler in Strehla nach geeigneten Plätzen gesucht – und ist bei der Schützengilde in seinem Wohnort fündig geworden, die ihn gern aufgenommen hat. Schützen-Chef Andreas von Hoff gehört auch zu jenen, die mittlerweile mit dem Bogen-Virus infiziert worden sind. Er setzt große Hoffnungen in die neue Bogensport-Abteilung seines Vereins. Sie soll nämlich helfen, das Nachwuchsproblem bei den Schießfreunden zu entschärfen. Denn zu Pfeil und Bogen können schon Sechsjährige greifen. Bisher konnte der Verein frühestens bei den Zwölfjährigen um neue Mitglieder werben. Ein Alter, in dem die jungen Leute meistens schon Fußball spielen, Brände löschen oder ein Instrument lernen.

Ob das Schießen mit Pfeil und Bogen wirklich so eine Anziehungskraft ausübt, wie sich das Strehlas Schützen wünschen, muss sich jetzt zeigen. Aber wenn der Name ein (gutes) Omen sein sollte, dann könnte es besser nicht passen. Denn im Altsorbischen steht das Wort strela für Pfeil.

Das Bogenschießen findet sonnabends ab 13 Uhr statt. Weitere Infos: www.strehlaer-schuetzengilde.de