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Gesundes für Hirsche

Im Winter ziehen Hirsche zum Fressen ins Tiefland. Das kann ungeahnte Probleme geben. Jäger aus Dippoldiswalde haben jetzt eine Lösung.

© dpa

Von Franz Herz

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Dippoldiswalde. Raps ist eine Leckerei für Hirsche, aber eine, die den Tieren nicht gut bekommt. Deswegen horchten die Jäger im vergangenen Herbst auf, als sie erfuhren, dass die Agrargenossenschaft Reinholdshain auf zwei Schlägen zwischen Ulberndorf, Obercarsdorf und Oberfrauendorf Raps ansät. „Das sieht unsere Fruchtfolge so vor. Das können wir nicht einfach ändern“, sagt Klaus Köhler, Pflanzenbauchef der Agrargenossenschaft.

Um Hirschen Ruhe zu verschaffen, erklären Jäger auf Transparenten Spaziergängern das Anliegen.
Um Hirschen Ruhe zu verschaffen, erklären Jäger auf Transparenten Spaziergängern das Anliegen. © Kamprath
© Koerner, Heidemarie

Diese Rapsäcker grenzen auf zwei Seiten an den Landeswald, und dort ist es in früheren Jahren immer wieder vorgekommen, dass das Wild Rinde von den Bäumen geschält hat. Darum wurde Carsten Geißler aktiv. Er ist Obmann der Jäger, die in Dippoldiswalde ihr Revier haben, und auch im Vorstand der Hegegemeinschaft Osterzgebirge.

Er weiß, dass die Hirsche das junge Grün der Rapspflanzen mögen. Es ist eiweißhaltig und schmeckt ihnen. Aber es bringt den Tieren die Verdauung durcheinander. Dem Raps fehlen Raufasern, auf die Magen und Darm der Hirsche aber eingestellt sind. Die Tiere suchen sich dann woanders ihre Fasern, fressen dürres Gras, Knospen und auch Rinde von den Bäumen,

Dazu kommt, dass im Winter, wenn viel Schnee liegt, auch viele Hirsche aus den Kammlagen des Erzgebirges in tiefere Lagen ziehen, wo sie leichter noch etwas zu fressen finden. Da halten sich dann manchmal dutzendweise Hirsche in dem Gebiet auf, wo die Wälder weniger werden und das offene Land beginnt, wie auf der Höhe von Oberfrauendorf.

Die Jäger haben nun ein Vorbeugungsprogramm gestartet, das auf zwei Ebenen ansetzt. Erstens sollen die Hirsche die richtige Nahrung bekommen. Dazu hat sich Carsten Geißler mit Klaus Köhler verständigt. Der hat entschieden, am Rande der Rapsäcker einen Feldrand mit Gras anzulegen. Das ist die richtige Diät für die Hirsche, die ihnen genug Fasern für eine funktionierende Verdauung bringt, sodass sie sich nicht mehr an Bäumen ihr Fressen suchen müssen. Außerdem haben die Jäger zwei Futterstände aufgestellt, wo sie Bergwiesenheu anbieten. Auch das ist für die Tiere eine Alternative zur Baumrinde. Jäger sprechen dabei von einer Ablenkfütterung.

Ruhe zum Energiesparen

Der zweite Ansatz ist, den Tieren mehr Ruhe zu gönnen. Die Logik dahinter ist einfach: Wenn die Hirsche häufig beunruhigt werden, wegrennen und dabei Energie verbrauchen, müssen sie auch entsprechend mehr zu sich nehmen. Um das zu vermeiden, haben sich die Jäger mit dem Forstbezirk Bärenfels auf eine Jagdruhe rund um die Rapsäcker geeinigt. Die gilt bis Ende März. Bis dahin können die Hirsche in Ruhe auf die Äcker ziehen, sich dort ihre Nahrung suchen und müssen nicht aus Angst vor Jägern schnell wieder in den Wald zurücklaufen. Die Hoffnung ist, dass sie dann satt sind, wenn sie in ihren Unterstand zurückkehren, und nicht vom Hunger zum Fressen von Baumrinde getrieben werden. Die Jäger sind aber nicht die Einzigen, die die Wildtiere beunruhigen.

Spaziergänger oder freilaufende Hunde können die Tiere ebenfalls aufstöbern. Daher haben die Jäger auch große Transparente gestaltet, die nun am Waldrand hängen und die Menschen darauf aufmerksam machen, dass sie bitte auf den Wegen bleiben sollen und den Tieren ihre winterliche Ruhe lassen. Die Jäger sind auch im Gespräch mit dem Reiterhof in Oberfrauendorf, damit er bei den Ausritten auch die Ruhezone für die Wildtiere beachtet.

„Das Ganze ist jetzt ein Testballon“, sagt Geißler. Am Ende werden Jäger und Förster sehen, ob nach diesem Experiment die Hirsche den Wald rings um den Rapsacker verschont haben. Das Projekt soll den Konflikt lindern, den es zwischen Förstern, die sich um die Bäume im Wald sorgen, und Jägern, die ihre Wildbestände hegen wollen, gibt. Am besten ist es natürlich, wenn beide Seiten ihr Recht bekommen: die Tiere und die Bäume.