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680.000 weniger geimpfte Kinder als vor der Pandemie

Auch die Zahl der Arztbesuche ging in der Corona-Zeit zurück, wie eine Sonderanalyse der DAK-Gesundheit zeigt.

Von Kornelia Noack
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Die Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen sind schon länger rückläufig. Die Pandemie hat den Trend verstärkt.
Die Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen sind schon länger rückläufig. Die Pandemie hat den Trend verstärkt. © Karl-Josef Hildenbrand dpa

Während der Corona-Pandemie haben deutlich weniger Kinder und Jugendliche in Deutschland ihre Basisschutzimpfungen erhalten. Im Vergleich zu 2019 gab es 2021 einen Rückgang von elf Prozent. Hochgerechnet auf die Bevölkerung wurden somit rund 680.000 weniger Mädchen und Jungen geimpft.

Besonders stark sank die Quote der Erstimpfungen bei Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung - und zwar um 31 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit. Untersucht wurden dafür Abrechnungsdaten von rund 782.000 Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren, die bei der DAK versichert sind.

1,3 Millionen weniger Kinder beim Arzt

Auch Daten aus 3,3 Millionen Arztbesuchen und 750.000 Impfungen in den Jahren 2019 bis 2021 flossen in die Analyse ein. Das Ergebnis: Bundesweit gingen hochgerechnet rund 1,3 Millionen weniger Mädchen und Jungen in die Praxen als vor der Pandemie.

„Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kann die Analyse-Ergebnisse bestätigen“, sagt Präsident Dr. Thomas Fischbach. „Die anhaltend hohen Infektionszahlen haben sicherlich auch negative Auswirkungen auf die Impfraten, die teilweise zweistellig gesunken sind. Wir müssen die Impflücken jetzt schließen.“

Deutlicher Rückgang bei Erstimpfungen

Laut der Sonderanalyse ist die Abnahme bei der Gesamtimpfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung mit einem Minus von 23 Prozent besonders deutlich zu sehen (die sogenannte Tdap-IPV-Impfung). Hier wurden 2021 rund 166.000 weniger Kinder und Jugendliche geimpft. Im Bereich Meningokokken C erhielten sogar 200.000 weniger Kinder und Jugendliche eine Impfung (minus 19 Prozent).

Unter Gesamtimpfungen werden sowohl die erste und letzte Dosis eines Impfzyklus sowie Auffrischimpfungen zusammengefasst. Bei den Erstimpfungen sind teilweise stärkere Rückgänge zu erkennen: So sank die Erstimpfungsquote gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung beispielsweise um 31 Prozent.

HPV-Impfung wird empfohlen

Auch bei HPV-Impfungen zur Krebsvorsorge gingen die Zahlen 2021 zurück: So sanken Gesamtimpfungen um 13 Prozent und Erstimpfungen um gut ein Viertel (24 Prozent). Dabei fiel der Rückgang bei Jungen (minus 26 Prozent) deutlicher aus als bei Mädchen (minus 22 Prozent).

Darüber hinaus zeigt die DAK-Analyse Unterschiede bezüglich des sozialen Status: So sind die HPV-Erstimpfungsquoten für Jungen aus Familien mit hohem sozio-ökonomischen Status vor und während der Pandemie signifikant geringer als bei Jungen aus Familien mit mittlerem sozio-ökonomischen Status. Für Mädchen zeigen sich vom sozio-ökonomischen Familienstatus weitestgehend unabhängige Erstimpfungsquoten.

Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine HPV-Impfung für Mädchen und seit 2018 auch für Jungen. Humane Papillomviren (HPV) werden sexuell übertragen und können Gebärmutterhalskrebs, Anal- und Peniskrebs sowie Krebs im Mund-Rachen-Raum verursachen. Eine Impfung sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen.

Masernimpfungen bleiben stabil

Ein Sonderfall ist die Masern-Mumps-Röteln-Impfung: Während die Dreifach-Impfung im Jahr 2021 um 18 Prozent zurückging, stieg die Vierfach-Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken um 18 Prozent an, sodass der Rückgang ausgeglichen wurde.

„Die ausgeglichene Quote bei den Mehrfachimpfungen mit Masern ist sicherlich die Folge der Masernimpfpflicht“, so Dr. Fischbach. Eine Ausnahme ist die Pneumokokken-Erstimpfung, für die ein fester altersbezogener Impfzeitpunkt besteht. Hier sind während der Pandemie weitestgehend konstante Impfquoten zu beobachten.

Pandemie verstärkt rückläufige Impfquoten

„Wir beobachten schon länger einen Rückgang der Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen. In der Corona-Pandemie hat sich dieser negative Trend verstärkt“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Vorsorge ist wichtig und Impfen eine Investition in die Zukunft. Es gibt jetzt akuten Handlungsbedarf. Sonst wird die Gesundheit von vielen jungen Menschen plötzlich wieder durch Krankheiten bedroht, die als fast ausgerottet galten. Wir brauchen eine breite Aufklärungskampagne, um Eltern verstärkt über den Nutzen von Impfungen und das Risiko einzelner Krankheiten aufzuklären.“