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Chirurgen polieren Ruf des Emmaus-Krankenhauses auf

In den vergangenen zwei Jahren konnte das Nieskyer Haus viele Ärzte für sich gewinnen. Davon profitieren die Patienten.

Sie haben sich in Niesky beruflich gut eingelebt: Nils Walther als Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Nieskyer Krankenhaus (rechts) und Dr. Chris Heyter als Leitender Oberarzt für Traumatologie.
Sie haben sich in Niesky beruflich gut eingelebt: Nils Walther als Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Nieskyer Krankenhaus (rechts) und Dr. Chris Heyter als Leitender Oberarzt für Traumatologie. © André Schulze

Vor zwei Jahren hat das Emmaus-Krankenhaus einen gewaltigen Nachschub an Fachärzten bekommen. Aus dem Süden, genauer aus dem Görlitzer St.-Carolus-Krankenhaus, kamen Anfang April vier Chirurgen an das Nieskyer Krankenhaus. Aus dem Norden, aus Weißwasser, drei Monate später zwei Ärzte für Unfallchirurgie.

Seitdem hat Niesky eine chirurgische Abteilung, um die es von manch anderem "Landkrankenhaus" beneidet wird. Chef der Chirurgen ist Nils Walther aus Görlitz. Der Gefäßexperte hatte sich vor zwei Jahren ganz offiziell auf die ausgeschriebene Chefarztstelle der Klinik für Chirurgie in Niesky beworben. Die Chirurgie ist eine Mannschaftsleistung, kurz Teamwork genannt, und damit sind auch in diesem medizinischen Fachbereich immer mehrere Spezialisten vertreten. So verließ Nils Walther seinen früheren Arbeitgeber, das Carolus-Krankenhaus in Görlitz, nicht allein. Mit ihm wechselten Dr. med. Frank Hübschmann als Leitender Oberarzt für Allgemeinchirurgie, Dawid Hadasik als Oberarzt und Mario Unger als Facharzt nach Niesky in die Chirurgie.

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Herzlich in Niesky aufgenommen

Im eingespielten Team lässt sich ein Neuanfang leichter meistern. Davon ist Nils Walther überzeugt - und die ersten Monate haben ihm das gezeigt. Aber ganz so neu war der Anfang für alle vier Chirurgen nicht. "Wir sind in ein eingespieltes Team gekommen und von diesem herzlich aufgenommen worden", lobt Nils Walther das Emmaus-Personal. Dazu kommt noch ein zweiter Anlass: "Ein Chirurg von heute ist kein Alleskönner mehr", sagt Walther. Er hat sich auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert. Der 54-Jährige nennt die minimalinvasive Chirurgie, Gefäßchirurgie und die endovaskuläre Chirurgie als seine Spezialgebiete. Letzteres bedeutet, dass mit einem Katheter (Stent) ein Blutgefäß punktiert wird, um im Inneren der Ader therapeutisch tätig zu werden.

Spezialist auf anderem medizinischen Gebiet ist Dr. Chris Heyter. Zusammen mit Dr. Mandy Domel ist der ehemalige Leiter der Unfallchirurgie am Krankenhaus Weißwasser Anfang Juli 2019 nach Niesky gekommen. In Niesky ist Heyter Leitender Oberarzt der Traumatologie an der Klinik für Chirurgie. Dr. Domel unterstützt ihn im Bereich der Traumatologie und ist als Ärztliche Leiterin der zentralen Notaufnahme tätig. In Weißwasser spezialisierte sich Dr. Heyter unter anderem auf die Arthroskopie. Das ist die Spiegelung von Gelenken zur Diagnostik und Therapie, und kommt sehr häufig beim Knie zum Einsatz. Seine Erfahrungen nutzt der 57-Jährige, um die Traumatologie am Krankenhaus Emmaus in der Region bekannter zu machen.

Mit Nils Walther (links) kam vor zwei Jahren ein neuer Chefarzt der Chirurgie an das Krankenhaus Niesky. Zusammen mit Rainer Stengel als leitender Chefarzt für Innere Medizin nimmt der Görlitzer Chirurg 2019 den neuen Videoturm in Augenschein. Dieser ermö
Mit Nils Walther (links) kam vor zwei Jahren ein neuer Chefarzt der Chirurgie an das Krankenhaus Niesky. Zusammen mit Rainer Stengel als leitender Chefarzt für Innere Medizin nimmt der Görlitzer Chirurg 2019 den neuen Videoturm in Augenschein. Dieser ermö © Archiv/André Schulze

Patienten kommen oft zu spät

Der Chefarzt und der Oberarzt sprechen von einer guten Entwicklung ihrer Fachbereiche in den zwei Jahren. An Patienten mangelt es den beiden Chirurgen und ihren Kollegen nicht. Schwierig ist aber die coronabedingte Angst vor einem Krankenhausaufenthalt bei nicht wenigen, vor allem älteren Patienten. "Unsere Arbeit hat sich mit Corona schon verändert", sagt Dr. Heyter. "Unsere Erfahrung ist, die Menschen kommen erst zum Arzt, wenn so gut wie nichts mehr geht", berichtet Nils Walther. Das führt häufig dazu, dass zum Beispiel bei Gefäßverengungen die Operationen aufwendiger sind, als wenn man in einem frühen Stadium das behandelt.

Das Einhalten der strengen Hygienebestimmungen - wie die Testung aller Patienten bei der Aufnahme - ist das eine, mit dem vorhandenen Personal auszukommen, das andere. Obwohl das Nieskyer Krankenhaus mit Pflegepersonal überdurchschnittlich gut ausgestattet ist, ist die Einrichtung in der ersten Covid-Welle an ihre Grenzen gestoßen. "Wir mussten zwei Abteilungen schließen, um das Personal für die Covid-19-Station zu haben", nennt Nils Walther ein Beispiel. Denn ein Corona-Patient bindet mehr Personal an sich und muss länger behandelt werden als einer mit einem Knochenbruch. Umso aufmerksamer beobachten die Ärzte im Emmaus den Verlauf der dritten Corona-Welle. Steigen die Infektionszahlen weiter so rasant, dann wird es knapp.

Mit Mandy Domel und Chris Heyter sind seit Juli 2019 zwei neue Unfallchirurgen im Emmaus-Krankenhaus tätig. Dr. Domel besetzt die Stelle als leitende Ärztin der Notaufnahme wieder. Dr. Heyter ist als Leitender Oberarzt Traumatologie in Niesky tätig.
Mit Mandy Domel und Chris Heyter sind seit Juli 2019 zwei neue Unfallchirurgen im Emmaus-Krankenhaus tätig. Dr. Domel besetzt die Stelle als leitende Ärztin der Notaufnahme wieder. Dr. Heyter ist als Leitender Oberarzt Traumatologie in Niesky tätig. ©  Archiv/André Schulze

Neue OP-Tische sind bestellt

So wie die Chirurgie im Emmaus wächst, muss auch die medizinische Ausstattung mithalten. Die Diakonissenanstalt Dresden (Diako) als Träger des Niesyker Krankenhauses investierte 2019 mehr als eine halbe Million Euro in Medizintechnik in Niesky. Angeschafft wurden unter anderem ein Videoturm, der eine Bilddarstellung bei Operationen in Ultra-HD (4K) ermöglicht, und ein mobiler Röntgen-C-Bogen für die Darstellung von Gefäßen.

In diesem Jahr werden weitere Investitionen in Niesky folgen. Im Frühsommer sollen die OP-Säle mit neuen Tischen und Lampen ausgestattet werden. Unter anderem mit Carbon-Platten bestückt. Sie ermöglichen ein besseres Durchleuchten des Patienten als die Edelstahlplatten auf den bisherigen OP-Tischen.

Strategie für die nächsten Jahre

Das Emmaus-Krankenhaus bietet über die medizinische Grund- und Notfallversorgung die Kliniken für Chirurgie, Innere Medizin und Anästhesie sowie eine 24-Stunden-Notfallambulanz. Die Einrichtung hat sich seit eineinhalb Jahren auch als Wundzentrum etabliert und ist Anlaufpunkt für Patienten mit chronischen Wunden. Etwa 160 Mitarbeiter sind inzwischen im Krankenhaus beschäftigt. Lars Markewitz ist seit 1. Oktober der neue Kaufmännische Direktor des Krankenhauses Emmaus Niesky und des Diakonissenkrankenhauses Dresden. Der Diako-Vorstand hat diese Position neu geschaffen.

Es hat sich also viel getan in den vergangenen beiden Jahren in dem Krankenhaus. Die medizinische Versorgung ist vor allem vielfältiger für die hiesige Landbevölkerung geworden. Dazu tragen auch die Sprechstunden zu unterschiedlichen Krankheitsbildern im Haus bei. Von Mehrwert ist die Rede, wenn vom Nieskyer Krankenhaus gesprochen wird. Darauf wollen sich die Verwaltung und die Ärzte aber nicht ausruhen. "Wo wollen wir 2030 stehen?", fragt Nils Walther. Die medizinische Strategie der Diakonie für die nächsten Jahre soll thematisiert werden.

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