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Ärzte verschreiben immer öfter Apps auf Rezept

33 digitale Anwendungen werden von der Kasse erstattet. In Sachsen werden sie vor allem für ein Erkrankungsbild genutzt.

Von Kornelia Noack
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Das Gesundheitstraining „HelloBetter“ ist eine der Anwendungen, die von der Kasse übernommen werden.
Das Gesundheitstraining „HelloBetter“ ist eine der Anwendungen, die von der Kasse übernommen werden. © Annette Riedel/dpa

Ob Depressionen, Panikstörungen oder Tabaksucht – immer mehr Deutsche nutzen für ihre Genesung sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs), also ärztlich verschriebene Apps. Die Verwendung habe deutlich angezogen, heißt es in der am Dienstag publizierten Studie „E-Health Monitor“ des Beratungsunternehmens McKinsey.

Vorsichtig geschätzt werden es in diesem Jahr 125.000 DiGA-Verordnungen sein und damit knapp dreimal so viele wie im Vorjahr (44.000). Damit kommt die Digitalisierung in Deutschlands Gesundheitswesen zumindest in einigen Bereichen etwas voran.

Diese Apps werden bezahlt

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listet derzeit 33 DiGAs auf, die von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden. Darunter sind die App „NichtraucherHelden“ gegen Abhängigkeit vom Rauchen, „Mindable“ gegen Panikstörungen, „Meine Tinnitus App“, die Angsttherapie-Anwendung „Invirto“ und das Gesundheitstraining „HelloBetter“.

„Bei DiGAs handelt es sich um Medizinprodukte geringer Risikoklasse, die Unterstützung bei verschiedenen Erkrankungen leisten sollen“, sagt Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus.

Digitale Hilfe für die Psyche

Von den Versicherten der größten Krankenkasse in Sachsen besonders häufig genutzt werden DiGAs für Erkrankungen der Psyche, insbesondere Depressionen sowie Ein- und Durchschlafstörungen.

Am häufigsten verschreiben Ärzte demnach die App „Somnio“ gegen Ein- und Durchschlafstörungen, die Depressionsanwendung „Deprexis“, die Tinnitus-App „Kalmeda“, „Zanadio“ gegen Adipositas und „Vivira“ bei Rückenschmerzen, wie die AOK Plus auf Nachfrage von saechsische.de mitteilte.

Kassen tragen auch weitere Kosten

Die DiGA-Verordnungen kosten durchschnittlich 458 Euro. Branchenfachleute berechnen ein Marktvolumen von circa 57 Millionen Euro für dieses Jahr. Für 2023 rechnen sie mit einem weiteren Anstieg.

In der Regel übernehmen gesetzliche Krankenkassen zusätzlich Kosten für ausgewählte Gesundheits-Apps, die nicht ärztlich verschrieben sind. Die AOK Plus zum Beispiel erstattet ihren Versicherten bis zu 300 Euro pro Jahr, wenn sie die Gesundheits-App „Neolexon“ gegen Aussprachestörungen bei Kindern, die Neurodermitis-App „Nia“ oder die Kinderwunsch-Anwendung „OvulaRing“ nutzen. Voraussetzung dafür ist ein ärztliches Empfehlungsschreiben.

Studien belegen gesundheitlichen Nutzen

„Die Anzahl der DiGAs steigt, das Angebot vergrößert sich Jahr für Jahr“, sagt McKinsey-Fachmann Tobias Silberzahn. Vorbehalte unter Ärzten würden schwächer, die Bekanntheit unter Patienten steige und das Feedback der Nutzer sei bisher überwiegend positiv - daher seien die Aussichten dieses Marktsegments sehr gut.

Eine Vielzahl an Studien belege zudem den gesundheitlichen Nutzen. „DiGAs können bei chronischen Patienten eine sinnvolle Ergänzung sein, um eine Verhaltensänderung einzuleiten oder zu unterstützen.“

Der „E-Health Monitor“ gibt einen Zwischenstand über die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Es gibt Lichtblicke wie die DiGAS oder auch die Tatsache, dass mittlerweile fast alle Arztpraxen und Apotheken an die Telematik-Infrastruktur - also das Kommunikationsnetz der Gesundheitsbranche - angeschlossen sind. Die elektronische Verschreibung (E-Rezept) und die elektronische Patientenakte (ePA) werden aber nur wenig genutzt. (dpa/kno)