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Wie man als Erwachsener neue Freunde findet

Im Alter verlagert sich das Leben in Richtung Partner und Beruf. Mit Mut und Strategie gelingt es aber, neue Leute kennenzulernen.

Damit aus einer losen Bekanntschaft eine feste Freundschaft wird, sollte man Interesse zeigen am anderen. Gerade in der Anfangsphase gibt es unendlich viele Fragen um einen anderen kennenzulernen.
Damit aus einer losen Bekanntschaft eine feste Freundschaft wird, sollte man Interesse zeigen am anderen. Gerade in der Anfangsphase gibt es unendlich viele Fragen um einen anderen kennenzulernen. © dpa

Nicht jede Freundschaft hat die Pandemie-Zeit überstanden. Auch ein Umzug kann ein Grund sein, sich neue Leute in den Freundeskreis zu holen. In jungen Jahren ist das unkompliziert: Einfach die Person anquatschen, die zufällig neben einem sitzt und zack, rutscht man mitunter ohne Mühen in eine Freundschaft.

Wenn man erwachsen ist, läuft das anders: Zeit und mentale Kapazitäten, sich auf neue Menschen einzulassen, sind bei vielen knapp bemessen. „In dieser Lebensphase verlagert sich das Leben in Richtung Partnerschaft, Familie und Beruf“, sagt Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Autor. Andererseits hat man im Alter gute Voraussetzungen für neue Bindungen wie mehr Menschenkenntnis und Humor.

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Diplom-Psychologin Natalie Wintermantel rät: „Es ist vorab sinnvoll, sich die Frage zu stellen, was Freundschaft für einen selbst eigentlich bedeutet.“ Geht es darum, der Einsamkeit zu entkommen? Oder darum, ein Hobby teilen zu können?

Keine Erfolgsgarantie

Auch im Erwachsenenalter gilt: Gemeinsame Interessen verbinden. Kurse an der Volkshochschule, geführte Wanderungen, Lesekreise, Sportvereine, ehrenamtliche Tätigkeiten, Facebook-Gruppen zu bestimmten Themen – es gibt viele Orte und Aktivitäten bei denen man mit Leuten ins Gespräch kommen kann, die ähnlich ticken.

Doch eine Garantie, so neue Freunde zu rekrutieren, gibt es nicht. Das hat auch die Redakteurin Eva Mell erlebt, als sie im Zuge eines Selbstversuchs nach neuen Freundschaften gesucht hat: „Der Spanischkurs und der Nähkurs an der VHS haben zum Beispiel für mich nicht funktioniert, es gab einfach zu wenig Interaktion vor und nach den Kursterminen.“

Erfolgreicher waren die Sprachtandems mit zwei spanischen Muttersprachlerinnen, wo erst gute Gespräche und dann Freundschaften entstanden. „Allerdings war die wirkungsvollste Sache, um neue Freunde zu finden, ein Kind zu bekommen“, berichtet Mell mit einem Augenzwinkern. Sie erinnert sich, wie sie all ihren Mut gesammelt hat, um die Zimmergenossin im Krankenhaus nach ihrer Telefonnummer zu fragen.

Ohne Mut geht’s nicht. Klar, gibt es das Risiko, dass das Gegenüber bei der Frage „Wollen wir uns demnächst auf einen Kaffee treffen?“ auf den vollen Terminkalender verweist und keine Verabredung zustande kommt. „Generell hilft ein gutes Selbstbewusstsein, die Grundüberzeugung, dass man selbst für andere ein Geschenk ist“, sagt Krüger.

Jeden Tag sehen - bringt das etwas?

Bleibt die Frage, was es braucht, damit sich eine lose Bekanntschaft in eine feste Freundschaft wandelt. „Es geht darum, Interesse an anderen zu zeigen. Dafür sind wir alle empfänglich“, sagt Wintermantel. Gerade in der Anfangsphase gibt es unendlich viele Fragen, um einen Menschen besser kennenzulernen: von seinen Wünschen bis hin zu den Lieblingsfilmen aus der Kindheit. Nicht zuletzt braucht es auch Geduld: „Freundschaft ist im positiven Sinne etwas Altmodisches. Wir wollen heutzutage immer alles schnell haben, Freundschaften müssen sich jedoch über die Zeit aufbauen und bewähren.“

Eine weitere Strategie, um neue Leute kennenzulernen, verbreitete sich kürzlich über die Video-Plattform TikTok. In einem kurzen Video schlug der Nutzer „connorthemiller“ vor, regelmäßig dieselben Orte, wie zum Beispiel ein bestimmtes Café, aufzusuchen. Sein Argument: In Schulzeiten habe man sich mit anderen angefreundet, weil man sie jeden Tag gesehen habe, dann könne es auch im Erwachsenenalter klappen. Das Video wurde bislang über sechs Millionen Mal angeschaut. (dpa)

Wolfgang Krüger: „Freundschaft: beginnen – verbessern – gestalten“, Books On Demand, 184 Seiten, 13,90 Euro, ISBN: 978-3-738656077.

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