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Löbauer Tagesmütter: Petition erfolgreich

Bei der Online-Sammlung haben die beiden Frauen genügend Stimmen für ihr Anliegen erhalten. Ihre Zukunft ist aber noch nicht sicher. Wie es jetzt weitergeht.

Katja Meyer aus Kittlitz (links) und Annett Gnieser aus Löbau hatten eine Petition gestartet.
Katja Meyer aus Kittlitz (links) und Annett Gnieser aus Löbau hatten eine Petition gestartet. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Löbauer Tagesmütter Annett Gnieser und Katja Meyer können sich freuen: Ihre am 15. März gestartete Online-Petition zum Erhalt der Kindertagespflege in Löbau hat die nötigen Stimmen erreicht. Dabei kommt es vor allem auf Unterschriften von Menschen an, die in der Verwaltungsgemeinschaft Löbau leben. Von ihnen mussten mindestens 470 ihr Votum geben - 508 sind es geworden. Doch auch Menschen aus anderen Regionen Sachsens - aus Leipzig und Dresden beispielsweise - stimmten der Petition zu, so dass am Ende 1.225 Unterschriften zustande kamen.

Aber, wie geht es weiter? Die Petition ist an den Löbauer Oberbürgermeister adressiert und somit werden die beiden Frauen sie nun auch an das Rathaus übergeben, bestätigt Annett Gnieser auf Nachfrage. Nach SZ-Recherchen hatte Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) im vorigen Jahr ohne vorherige Diskussion mit den Stadträten die acht Betreuungsplätze der beiden Tagesmütter aus dem sogenannten Bedarfsplan für die Stadt gestrichen und dies so dem Landkreis weitergeleitet, der diese Angaben nun in die Planungen übernommen hat. Zwar sind der OB und die Verwaltung generell befugt, diese Entscheidung ohne Stadtratsbeschluss zu fällen. Allerdings zeigten sich Stadträte aller Fraktionen enttäuscht, dass man sie in die Entscheidung nicht eingebunden hatte. Schließlich ist das Thema der Tagespflege in Löbau seit Jahren nicht unumstritten und war immer wieder Grund für Diskussionen - gerade auch im Stadtrat.

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Quorum erreicht - Sammlung abgeschlossen: Die Online-Petition der Löbauer Tagesmütter hatte Erfolg.
Quorum erreicht - Sammlung abgeschlossen: Die Online-Petition der Löbauer Tagesmütter hatte Erfolg. © Screenshot: Anja Beutler

Ob und wie die Angelegenheit in einer Ratssitzung doch noch thematisiert wird, ist noch nicht ganz klar: Die AfD-Fraktion hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Allerdings laufen derzeit - das bestätigen sowohl die beiden Tagesmütter als auch die Stadt - Gespräche, wie man zu einer einvernehmlichen Lösung kommen könnte. "Die Gespräche mit der Stadt sind positiv", schildert Katja Meyer. Immerhin geht es dabei um die Existenz der beiden Frauen.

Die Stadt hatte bislang ihren Entschluss mit den stetig und absehbar weiter sinkenden Geburtenzahlen begründet. Hält Löbau weiterhin so viele Krippenplätze vor wie bisher, finanziert die Stadt dabei einen immer größer werdenden Überhang als eigentlich nötig wäre. 13 Plätze in eigenen Einrichtungen habe man bereits abgebaut, als nächstes sollten die acht Plätze der Tagesmütter folgen. Allerdings, so argumentieren deren Anhänger, sei die Nachfrage nach Betreuung bei ihnen ja ungebrochen. Die Stadt wolle also im Grunde nur freie Plätze in eigenen Einrichtungen über diesen Umweg kompensieren.

Rückläufige Zahlen bei Tageseltern

Prinzipiell sind Tageseltern, die bis zu fünf fremde Kinder betreuen dürfen, keine neue Idee, es gab dieses Modell bereits zu DDR-Zeiten und auch in Westdeutschland war es bekannt. In Sachsen wurde die Kindertagespflege 2001 als Alternative zu Kitas gesetzlich verankert. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen für diese Betreuungsform in den vergangenen Jahren immer mehr verändert, sind komplexer geworden, bestätigt auch Susann Meerheim vom Sächsischen Kultusministerium.

Ein weiterer kritischer Punkt liegt bei der Finanzierung: Zwar können Tageseltern auch ohne eine Aufnahme in den sogenannten Kita-Bedarfsplan Kinder betreuen. Aber dann fällt der Zuschuss des Freistaates und auch der Gemeinde weg und die Eltern müssten entsprechend hohe Beiträge zahlen. "Es gibt in einigen Städten Sachsens private Tagespflegestellen", bestätigt Frau Meerheim. Aber das müssen sich die Eltern leisten können. Im Landkreis Görlitz gibt es diesen Trend nicht. Im Gegenteil: Hier gehen die Angebote in der Tagespflege seit Jahren zurück, bestätigt Kreissprecherin Julia Bjar. Grund sei vor allem ein "altersbedingtes Ausscheiden der Tagespflegepersonen". Doch auch der Entzug von Genehmigungen spielt immer wieder eine Rolle.

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