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Wo die Kita im Kreis Görlitz am günstigsten ist

Die Unterschiede sind zum Teil riesig - zeigt der Vergleich. Aber woran liegt das? Wir haben bei den günstigsten Gemeinden nach den Gründen gefragt.

Die Kita-Welt im Landkreis ist mindestens so bunt wie die Preise - die Unterschiede sind teilweise riesig.
Die Kita-Welt im Landkreis ist mindestens so bunt wie die Preise - die Unterschiede sind teilweise riesig. © SZ

Lawaldes Bürgermeisterin Nadja Kneschke ist stolz darauf, dass die Kinderbetreuung in ihrer Gemeinde für Eltern besonders günstig ausfällt. In keinem Ort im Landkreis zahlen Eltern für einen vollen Kindergartenplatz mit 82 Euro oder einen Hortplatz mit 47 Euro weniger als hier. Dass dies eine Moment-Aufnahme ist - in diesem Fall zusammengestellt durch den Kreis zum 31. August dieses Jahres - ist Frau Kneschke bewusst. "Wer weiß, ob wir das mit den Auswirkungen durch Corona so halten können", sagt sie, betont dann aber: "Wir haben immer sparsam gewirtschaftet - da muss ich die Erzieher wirklich loben." Sparsamkeit ist die Gemeinde ohnehin gewohnt, da sie finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Ein Kita-Neubau ist zwar beabsichtigt, muss aber erst einmal finanziert werden.

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Aber liegt es wirklich am Sparwillen, dass sich die Elternbeiträge im Landkreis zum Teil so drastisch unterscheiden? Warum kostet ein Krippenplatz in Markersdorf mit 225 Euro rund ein Drittel mehr als in Kreba-Neudorf, wo er mit 145 Euro zu Buche schlägt? Und weswegen zahlt man für den Hortplatz in Krauschwitz fast doppelt so viel wie in Lawalde? So ganz erklären kann das Bürgermeisterin Kneschke nicht. An der Größe der Gemeinde liege es sicherlich nicht zwingend - und auch nicht daran, dass man keinen Neubau habe, gibt sie sich überzeugt.

Sparsamkeit und politischer Wille?

Dennoch betont sie, dass die Gemeinde stets die Eltern nur in dem Maße belastet habe, wie es gesetzlich mindestens vorgeschrieben war. Bei der Krippe müssen demnach die Elternbeiträge zwischen 15 und 23 Prozent der Betriebskosten decken, bei Kita und Hort sind zwischen 15 und 30 Prozent vorgeschrieben. Welchen Wert man wählt, entscheiden die Stadt- und Gemeinderäte vor Ort.

Dass Gemeinden diese Grenzen unterschreiten, war lange Tabu. Rietschen im Norden des Kreises hat es dennoch immer wieder wissentlich getan und damit bis vor Kurzem die niedrigsten Krippengebühren im Kreis gehabt: 142 Euro für den vollen Platz. "Wir haben häufiger mal vom Jugendamt ein Schreiben bekommen, dass wir reagieren und die Preise anpassen sollen", erinnert sich Bürgermeister Ralf Brehmer (SPD). Gefolgt ist Rietschen nicht - weil sich die Gemeinde den Regelbruch leisten konnte und wollte, skizziert er. Solange eine Gemeinde ihren Haushalt ausgleichen kann, war es kein Problem, dass sie bei der Kinderbetreuung mehr Last auf die eigenen Schultern nahm, als eigentlich vorgesehen.

Erhöhung nach 21 Jahren Stabilität

Doch damit ist jetzt Schluss: "Wir haben nach 21 Jahren unsere Beiträge zum Juli erhöht", bestätigt Brehmer und muss schmunzeln, als er über den langen Zeitraum nachdenkt: Selbst für ihn als Vater galt dieser Beitragssatz schon: "Mein Sohn ist jetzt 21", rechnet er amüsiert nach. Zwar ist in Rietschen der Krippenbesuch noch immer sehr günstig mit 152 Euro im Monat. Aber zu halten war das einstige Niveau nicht mehr: "Wir liegen am Rande des Tagebaus und der jeweilige Betreiber hat uns in den vergangenen Jahren grundsätzlich bei vielen Projekten unterstützt", erklärt Brehmer. Damit hatte die Gemeinde hier und da ein wenig mehr Luft im Haushalt. Nun aber mache sich der Strukturwandel bemerkbar und Rietschen muss rechnen.

Dennoch bleibt die Frage: Woher kommen die großen Unterschiede? Einer, der es wissen muss, ist Nico Kahlert, der als Abteilungsleiter bei der Stadt Löbau unter anderem für die Kindertagesstätten zuständig ist. Für Lawaldes günstige Beiträge kann er durchaus Gründe benennen: "Beim Hort spielt zum Beispiel eine Rolle, dass hier die Gemeinde Lawalde nur rund die Hälfte der Betriebskosten trägt - die andere Hälfte übernimmt Löbau als zuständiger Schulträger", erklärt er. Durch diesen per Vertrag besiegelten Umstand werde für die Elternbeiträge demnach von einem deutlich geringeren Grundbetrag ausgegangen, skizziert er.

Beim Kindergarten gibt es diesen Vorteil nicht. Dennoch lässt sich die Kita in dem bestehenden Altbau günstig betreiben. Alle Neuerungen der letzten Zeit - wie der Anbau einer Brandschutztreppe - sind Investitionen und fallen somit nicht in die Betriebskosten hinein - erhöhen also auch nicht die Elternbeiträge. Auch wenn ein Kita-Neubau mit Blick auf Sicherheit oder Wärmedämmung generell Vorteile bringt - gerade auch mit Blick auf steigende Energiekosten, geht Bürgermeisterin Kneschke nicht davon aus, dass man bei den Betriebskosten mehr sparen kann: "Was da bei neuen technischen Systemen für Wartungskosten entstehen, ist enorm", sagt sie. Allerdings kostet es auch Geld, die Gebäude immer wieder so nachzurüsten, dass sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Nur fallen diese Ausgaben nicht zwingend bei den Betriebskosten an.

Modernes Gebäude nicht zwingend günstiger

Nico Kahlert bestätigt, dass die anfallenden Wartungskosten für neue Technik - beispielsweise auch für einen Lift oder für Brandschutztechnik - ein nicht zu vernachlässigender Posten sind. Es gebe aber noch ganz andere Spielräume, die jede Gemeinde für sich definiert: "In welchem Umfang lege ich Kosten um, wenn der Bauhof für eine Einrichtung Hausmeisterdienste verrichtet, wie hoch sind die Verwaltungskosten, die insgesamt angesetzt werden", benennt er Beispiele. Da könne es schnell einmal zu großen Unterschieden kommen, denn dafür gibt es keine einheitlichen Vorgaben.

Dass auch Personalkosten einen erklecklichen Batzen ausmachen, ist klar. In Lawalde ist die Kita beispielsweise erst zum Jahresbeginn vom Träger Awo zurück zur Gemeinde gewechselt. "Rechnet man die Personalkosten und die Verwaltungskosten, die die Awo in Rechnung gestellt hat, zusammen, so ergibt sich in der Summe in diesem Fall kein Unterschied", sagt Kahlert. Aber das muss nicht überall so sein. In Görlitz zum Beispiel, wo die Kosten für einen Krippenplatz zum neuen Jahr auf enorme 231,85 Euro im Monat steigen werden, machen die Personalkosten drei Viertel der Betriebskosten aus. Und ihre Bedeutung könnte generell steigen: Fachkräfte sind längst Mangelware - die Gemeinden konkurrieren inzwischen um Kita-Erzieherinnen.

Elternbeiträge Krippe, Vollplatz ohne Geschwisterrabatt, pro Monat:

(vom günstigsten zum teuersten)
Angaben Landkreis Görlitz, Stand 31. August 2021; *seit 1. Juli 2021 geltend

  • Kreba-Neudorf 145,00
  • Rietschen 152,00 Euro* (bis 1. Juli 2021: 142,70 Euro)
  • Schönbach 159,00 Euro
  • Löbau 160,00 Euro
  • Rosenbach 161,00 Euro
  • Neusalza-Spremberg 160,00 Euro
  • Lawalde 165,00 Euro
  • Mücka 165,00 Euro
  • Waldhufen 170,00 Euro
  • Leutersdorf 175,00 Euro
  • Oderwitz 177,00 Euro
  • Hohendubrau 180,00 Euro
  • Oybin 181,40 Euro
  • Quitzdorf am See 184,00
  • Beiersdorf 185,00 Euro
  • Dürrhennersdorf 185,00 Euro
  • Niesky 185,00 Euro
  • Oppach 185,00 Euro
  • Großschweidnitz 190,00 Euro
  • Königshain 190,00 Euro
  • Rothenburg 190,00 Euro
  • Schleife 190,00 Euro
  • Schöpstal 190,00 Euro
  • Trebendorf 190,00 Euro
  • Görlitz: 191,39 Euro
  • Schönau-Berzdorf 193,00 Euro
  • Groß Düben 195,00 Euro
  • Kottmar 195,00 Euro
  • Mittelherwigsdorf 195,00 Euro
  • Seifhennersdorf 195,00 Euro
  • Zittau 195,90 Euro
  • Ebersbach-Neugersdorf 197,00 Euro
  • Ostritz 198,00 Euro
  • Bertsdorf-Hörnitz 199,00 Euro
  • Kodersdorf 200,00 Euro
  • Neißeaue 200,00 Euro
  • Reichenbach 205,00 Euro
  • Herrnhut 207,00 Euro
  • Bad Muskau 208,00 Euro
  • Boxberg 208,00 Euro
  • Weißwasser 208,00 Euro
  • Gablenz 208,25 Euro
  • Großschönau 208,33 Euro
  • Bernstadt 210,00 Euro
  • Hähnichen 210,00 Euro
  • Hainewalde 210,00 Euro
  • Horka 210,00 Euro
  • Weißkeißel 215,00 Euro
  • Jonsdorf 220,00 Euro
  • Olbersdorf 220,00 Euro
  • Krauschwitz 220,20 Euro
  • Vierkirchen 221,67 Euro
  • Markersdorf 225,00 Euro

Elternbeiträge Kindergartenplatz, Vollplatz ohne Geschwisterrabatt, pro Monat

(vom günstigsten zum teuersten)
Angaben Landkreis Görlitz, Stand 31. August 2021; *seit 1. Juli 2021 geltend

  • Lawalde 82,00 Euro
  • Schleife 85,00 Euro
  • Groß Düben 90,00 Euro
  • Kreba-Neudorf 90,00 Euro
  • Leutersdorf 90,00 Euro
  • Rosenbach 90,00 Euro
  • Schönbach 90,00 Euro
  • Waldhufen 90,00 Euro
  • Löbau 91,00 Euro
  • Mücka 92,00 Euro
  • Großschweidnitz 94,00 Euro
  • Schönau-Berzdorf 94,00 Euro
  • Neusalza-Spremberg 95,00 Euro
  • Oderwitz 95,00 Euro
  • Trebendorf 95,00 Euro
  • Niesky 96,00 Euro
  • Rietschen 96,00 Euro*
  • Oppach 98,00 Euro
  • Beiersdorf 99,00 Euro
  • Hainewalde 100,00 Euro
  • Hohendubrau 100,00 Euro
  • Rothenburg 100,00 Euro
  • Schöpstal 100,00 Euro
  • Seifhennersdorf 100,00 Euro
  • Oybin 102,00 Euro
  • Großschönau 102,08 Euro
  • Ebersbach-Neugersdorf 103,00 Euro
  • Dürrhennersdorf 105,00 Euro
  • Kottmar 105,00 Euro
  • Bad Muskau 108,00 Euro
  • Bernstadt 110,00 Euro
  • Boxberg 110,00 Euro
  • Königshain 110,00 Euro
  • Mittelherwigsdorf 110,00 Euro
  • Quitzdorf am See 110,00 Euro
  • Gablenz 110,50 Euro
  • Ostritz 117,00 Euro
  • Bertsdorf-Hörnitz 119,00 Euro
  • Reichenbach 119,00 Euro
  • Görlitz 119,25 Euro
  • Hähnichen 120,00 Euro
  • Herrnhut 120,00 Euro
  • Markersdorf 120,00 Euro
  • Weißkeißel 120,00 Euro
  • Weißwasser 120,00 Euro
  • Zittau 123,50 Euro
  • Kodersdorf 125,00 Euro
  • Neißeaue 125,00 Euro
  • Jonsdorf 127,50 Euro
  • Olbersdorf 130,00 Euro
  • Horka 132,00 Euro
  • Vierkirchen 133,33 Euro
  • Krauschwitz 141,00 Euro

Elternbeiträge Hort, Vollplatz ohne Geschwisterrabatt, pro Monat

(vom günstigsten zum teuersten)
Angaben Landkreis Görlitz, Stand 31. August 2021; *seit 1. Juli 2021 geltend

  • Lawalde 47,00 Euro
  • Kreba-Neudorf 50,00 Euro
  • Leutersdorf 50,00 Euro
  • Oderwitz 50,00 Euro
  • Löbau 52,00 Euro
  • Niesky 53,00 Euro
  • Groß Düben 54,00 Euro
  • Rietschen 54,00 Euro*
  • Großschönau 55,00 Euro
  • Neusalza-Spremberg 55,00 Euro
  • Rosenbach 55,00 Euro
  • Schleife 55,00 Euro
  • Waldhufen 55,00 Euro
  • Hainewalde 56,00 Euro
  • Hohendubrau 58,00 Euro
  • Mücka 58,00 Euro
  • Trebendorf 59,00 Euro
  • Beiersdorf 60,00 Euro
  • Boxberg 60,00 Euro
  • Dürrhennersdorf 60,00 Euro
  • Großschweidnitz 60,00 Euro
  • Kottmar 60,00 Euro
  • Oppach 60,00 Euro
  • Oybin 60,00 Euro
  • Seifhennersdorf 60,00 Euro
  • Rothenburg 61,50 Euro
  • Bad Muskau 63,00 Euro
  • Königshain 63,00 Euro
  • Quitzdorf am See 63,00 Euro
  • Ebersbach-Neugersdorf 64,00 Euro
  • Herrnhut 64,80 Euro
  • Bernstadt 65,00 Euro
  • Weißwasser 65,00 Euro
  • Bertsdorf-Hörnitz 66,00 Euro
  • Ostritz 66,00 Euro
  • Markersdorf 67,00 Euro
  • Zittau 67,61 Euro
  • Schönau-Berzdorf 67,38 Euro
  • Reichenbach 68,00 Euro
  • Weißkeißel 68,00 Euro
  • Görlitz 69,76 Euro
  • Schöpstal 70,00 Euro
  • Jonsdorf 75,00 Euro
  • Mittelherwigsdorf 75,00 Euro
  • Neißeaue 75,00 Euro
  • Horka 76,00 Euro
  • Olbersdorf 78,00 Euro
  • Krauschwitz 85,30 Euro

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