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Das Energieversprechen – ohne Detox ist alles nichts

Personal-Trainer Tell Wollert aus Dresden schwört auf Entgiften und erklärt, was unterstützend wirkt. Letzter Teil unserer Diätserie.

Mit dieser an Yoga angelehnten Übung dehnt Ultraläufer Tell Wollert seine Körpervorderseite.
Mit dieser an Yoga angelehnten Übung dehnt Ultraläufer Tell Wollert seine Körpervorderseite. © Ronald Bonß

Den Frühjahrsputz in der Wohnung kann man getrost noch hinausschieben. Aber warum mit der Grundreinigung des Körpers warten? Reichhaltige Mahlzeiten, zu denen gern auch eine gute Flasche Wein geleert oder ein Verdauungsschnäpschen getrunken wurde, Lebkuchen und Schokolade, Eis und Pralinen – all das leckere Festtagsessen macht glücklich und zufrieden, aber auch sauer, wenn man es übertreibt.

Und sauer macht in diesem Fall nicht lustig, sondern auf lange Sicht im schlimmsten Fall krank. „Man fühlt sich unausgeglichen, müde, abgeschlagen, ist infektanfälliger. Ein schlechtes Hautbild und stumpfe Haare deuten darauf hin, dass der Körper übersäuert“, sagt Tell Wollert. Der Dresdner Ultraläufer arbeitet als Personal Coach, betreut Menschen, die ihre Essgewohnheiten ändern wollen, begleitet Laufanfänger und motiviert Fortgeschrittene auf dem Weg zu ihrem ersten Marathon.

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Der Trainer und Ernährungsberater empfiehlt, zuerst den Körper zu reinigen, bevor man mit der Gewichtsreduktion beginnt. Schulmediziner halten das oft nicht für nötig. Doch Wollert praktiziert das Entgiften selbst drei- bis viermal im Jahr. Nicht, weil er abnehmen muss, sondern weil auch ein Sportler übersäuern könne. „Ich mache das vor allem nach besonders anstrengenden Wettkämpfen.“ Das ist bei ihm der Trans Alpin Run, der in diesem Jahr in sieben Tagen über 264 Kilometer und 16.129 Höhenmeter vom österreichischen Kleinwalsertal ins italienische Sulden führt. „Durch die hohe Belastung und die stark zuckerhaltige Ernährung im Wettkampf übersäuert der Körper. Auch nach einer Skilanglaufwoche mit Freunden im tschechischen Riesengebirge mit Knödeln, Schweinefleisch, Palatschinken, Bier und dem einen oder anderen Becherovka lege ich eine Detoxrunde ein.“

Überfluss ist das Problem

Für viele bedeutet Entgiften Heilfasten. „Das ist nur eine Möglichkeit“, sagt Wollert. Er plädiert dafür, nur unter Anleitung zu fasten. Das solle mit einer vollständigen Darmentleerung begonnen und nicht abrupt beendet werden. Aloe Vera zum Beispiel sei eine jahrhundertealte Heilpflanze, die den Darm reinige.„Effektiv ist das Heilfasten nur, wenn man sich dafür aus dem Alltag zurückzieht und sich genug Zeit für das Fastenbrechen lässt. Die meisten essen unmittelbar nach dem Verzicht gleich wieder zu viel“, meint er.

Nach der Erfahrung von Rainer Matejka, Fastenarzt und Facharzt für Allgemeinmedizin, bestätige die moderne Grundlagenforschung, dass das Fasten auf Stoffwechsel, Durchblutung, Immunsystem und die Psyche wirkt. „ Deshalb hilft es zum Beispiel auch bei Rheuma, Arthrose, Diabetes Typ 2, entzündlichen Darmerkrankungen oder Bluthochdruck. Es unterstützt die Therapie bei Autoimmun- und Hauterkrankungen oder neurologischen Krankheiten wie Parkinson, MS und leichten Depressionen.“

Gerade im Zusammenhang mit Ernährung sei heute nicht der Mangel, sondern der Überfluss das Problem: das ständige Zuviel an Süßigkeiten, schlechten Fetten, Eiweißen und Fertignahrungsmitteln. Abhilfe schaffe die Rückbesinnung auf ein Grundprinzip der hippokratischen Medizin: die Elimination, also das Weglassen des nicht unbedingt Erforderlichen. In seinem gerade erschienen Buch „Fasten heilt!“ vermittelt Matejka Grundlagen und verschiedene Möglichkeiten des Fastens. Rezepte ermöglichen den direkten Einstieg.

Sauerstoff fürs Säure-Basen-Gleichgewicht

Problem vieler Entschlackungskuren ist nach Auffassung von Tell Wollert, dass sie vier bis fünf Wochen dauern und sehr aufwendig sind. „Man steht jeden Tag ein paar Stunden in der Küche. Für Berufstätige ist das kaum zu schaffen. Aber auch im Homeoffice erfordert das sehr viel Selbstdisziplin über einen langen Zeitraum.“

Wollert empfiehlt, mit Bewegung die Entgiftung voranzubringen. Damit sind keine Hochleistungskrafteinheiten gemeint, sondern langsame Übungen, wie man sie vom Yoga kennt. „Dreimal am Morgen die Sonne gegrüßt, und schon fühlt man sich gut durchbewegt, gedehnt und mobiler.“

Intensive Rückschlagsportarten wie Badminton oder Tennis sind während der Kur kontraproduktiv. Damit verbrennt man zwar garantiert mehr Kalorien, als man zu sich nimmt. „Doch es besteht die Gefahr, dass man gleich wieder übersäuert. Für das Säure-Basen-Gleichgewicht braucht der Körper Sauerstoff. Je mehr, umso besser.“ Und wo tankt man den am besten? „Draußen, auf ausgeruhten Spaziergängen bei jedem Wetter mit oder ohne Hund und auf nicht zu extremen Wanderungen. Schon die Mittagspause draußen zu verbringen, trägt zum Wohlfühlen bei. Auch Radeln und langsames Joggen, bei dem der Körper so richtig mit Sauerstoff durchflutet wird, tun gut.“ Das richtige Tempo muss freilich jeder selbst finden. Eine Pulsuhr kann helfen, Überlastungen zu vermeiden.

Auf Sauna eher verzichten

„Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte ab und zu ein Meeting an der frischen Luft organisieren. Draußen kommt man gedanklich schneller ans Ziel, denn drinnen sinkt mit dem Sauerstoffgehalt recht schnell auch die Konzentration. Lüften hilft, rausgehen ist noch effektiver.“

Überhaupt tut es jedem auch im Homeoffice gut, wenn er regelmäßige Denkpausen einlegt, den Stress ausblendet und so auch den Kopf wieder frei bekommt. „Das Entgiften reduzieren viele auf die Ernährung, aber es umfasst Körper, Geist und Seele – und die Körperpflege“, sagt der Trainer. Denn nicht alle Schadstoffe würden in der Leber abgebaut und über die Nieren ausgeleitet. „Auch die Haut, unser größtes Organ, kann dabei wirksam werden, zum Beispiel, indem man basische Pflegeprodukte verwendet“, erklärt der 40-Jährige.

„Basisches Badesalz kommt im Voll- aber auch für ein Fußbad zur Anwendung. Wer nach dem Bad einen dunklen Rand an der Wanne hat, obwohl er vorher nicht im Matsch unterwegs war, der kann sicher sein, dass die Ausleitung funktioniert.“ Keine Sorge, die Haut weicht nicht auf und trocknet nicht so aus wie bei normalen Badezusätzen, die den Säureschutzmantel angreifen.

Unterstützend wirkt Schwitzen in einer Infrarotkabine. „Beim Entgiften würde ich auf die krassen Temperaturwechsel in der Sauna verzichten“, so Wollert. „In der Wärmekabine entspannt die Muskulatur, das Blut zirkuliert gut und die Abfallprodukte werden moderat ausgeschwitzt.“

Wollert: „Letztlich sind wir das Ergebnis dessen, was wir essen und was wir aktiv tun. Bewusste Ernährung und moderate Bewegung sind eine gute Basis.“


Säurebildende Lebensmittel

Jede Art von Fleisch, alle Wurst- und Schinkenarten, alle Fische und Schalentiere, alle Milchprodukte, alle Süßigkeiten, egal, ob mit Fabrik- oder Vollrohrzucker oder Honig, alle Weißmehlprodukte, auch graue Brötchen, Kaffee sowie schwarzer, weißer und grüner Tee, Fruchtgetränke und Softdrinks, alle alkoholischen Getränke sowie alle Vollkornprodukte.

Basische Lebensmittel

Äpfel und Birnen, Mandarinen und Orangen, Mangos und Maracujas, Chinakohl und Chicorée, Kartoffeln und Karotten, Rotkohl, Kopf- und Eisbergsalat, Rucola, Lollo rosso, Lollo bianco, Tomaten, Zucchini, Zuckerschoten, frische Walnüsse und Mandeln, reines Quellwasser, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Gewürze wie Pfeffer, Kurkuma.


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