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Eine Krankheit, die vielen peinlich ist

Kaum ein Betroffener spricht offen über Inkontinenz. Doch das Klinikum Pirna ermutigt dazu, sich Rat zu holen - weil es viele geeignete Therapien gibt.

Dr. Jakob
Dobroschke in seiner proktologischen Sprechstunde: Es gibt viele individuelle Therapien, um Inkontinenz zu behandeln.
Dr. Jakob Dobroschke in seiner proktologischen Sprechstunde: Es gibt viele individuelle Therapien, um Inkontinenz zu behandeln. © Helios Klinikum Pirna

Die Krankheit tritt oft auf, wird aber genauso oft verschwiegen: Nach Aussage des Pirnaer Klinikums auf dem Sonnenstein ist Inkontinenz ein weit verbreitetes Problem, das sowohl Frauen als auch Männer betrifft.

Offiziell leiden laut der Klinik neun Millionen Menschen - über zehn Prozent der Gesamtbevölkerung - in Deutschland darunter. Da es den meisten unangenehm ist, darüber zu sprechen und sich zu offenbaren, dürfte die Dunkelziffer aber weitaus höher liegen.

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Das Pirnaer Klinikum möchte nun während der Welt-Kontinenz-Wochen insbesondere auf das Tabu-Thema Stuhlinkontinenz aufmerksam machen und Betroffene ermutigen, sich einem erfahrenen Mediziner anzuvertrauen und sich helfen zu lassen.

Eine Krankheit, viele Ursachen

Als Stuhlinkontinenz bezeichnet man laut der Klinik die Unfähigkeit, den Stuhlabgang in jeder Situation zu kontrollieren. "Da es bei unserem Schließmuskelapparat auf das komplexe Zusammenspiel von anatomischen Gegebenheiten und physiologischen Mechanismen ankommt, gibt es viele verschiedene Ursachen, die die Entstehung einer Inkontinenz begünstigen können", sagt Dr. Jakob Dobroschke, Leiter des Darmzentrums und Chefarzt der Klinik für Chirurgie I am Pirnaer Krankenhaus.

Jedoch führe beispielsweise nicht jede Schließmuskelschwäche zwangsläufig zu täglicher Inkontinenz. Kämen jedoch Stuhlunregelmäßigkeiten wie zum Beispiel starker Durchfall hinzu, so könne ein ansonsten funktionierender Schließmuskelapparat schnell an seine Grenzen kommen.

Leichte und schwere Verläufe

Darüber hinaus gebe es nach Aussage von Dobroschke weitere Anzeichen für eine beginnende Inkontinenz. Dazu zähle unter anderem, wenn Betroffene unter körperlicher Belastung, beim Husten oder Niesen Darmgase durch den erhöhten Druck im Bauchraum nicht zurückhalten können.

Eine andere Form sei die sogenannte Dranginkontinenz. Hier spüre der Betroffene erst zu spät, dass gleich Stuhl abgeht, sodass er es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schafft. Dies könne beispielsweise nach Operationen oder Bestrahlungen im Beckenbereich auftreten.

Die extremste Form der Inkontinenz stelle laut Dobroschke der komplette Kontrollverlust des Schließmuskelapparates dar. Dabei trete der Stuhlabgang ganz unvermutet und unbemerkt auf und könne somit auch nicht verhindert werden.

Beckenbodentraining und gezielte Ernährung

"Inkontinenz kann vielschichtige Ursachen haben, die vor einer Behandlung zunächst abgeklärt werden müssen", sagt der Mediziner. In einem persönlichen Beratungsgespräch werde zunächst Art und Schwere der Inkontinenz beurteilt.

Anschließend folgen verschiedene Untersuchungen, beispielsweise Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen oder eine Spiegelung, um die individuellen Ursachen der Beschwerden herauszufinden.

Je nach Art und Schwere sowie abhängig von der Ursache gebe es laut des Chefarztes eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten. Dazu zähle etwa regelmäßiges Beckenbodentraining und eine Ernährungsberatung, da sich die Stuhlkonsistenz durch verschiedene Nahrungsmittel beeinflussen lasse.

Sollte all das keinen Erfolg zeigen, könne die Behandlung gegebenenfalls um eine medikamentöse Therapie ergänzt werden. In besonders schweren Fällen könne es notwendig sein, die Inkontinenz operativ zu lindern. "Auch wenn die Funktion nicht immer komplett wiederhergestellt werden kann, so erreicht man doch meist eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität", sagt Dobroschke.

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