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Gesundheit und Wellness

Einen alten Baum verpflanzt man nicht

Die Gesellschaft altert in ganz Deutschland, davon ist auch Sachsen in besonderem Maße betroffen.

© Bildquelle: S. Hermann & F. Richter / pixabay

Vor allem in ländlichen Regionen ist der Anteil an Senioren überdurchschnittlich hoch, da es viele junge Leute eher in die Ballungsräume zog und nach wie vor zieht. Mit zunehmendem Alter sind immer mehr davon auf Pflege und Betreuung angewiesen. Doch grade während der Corona-Pandemie zögern viele mit dem Umzug in ein Seniorenheim. Stattdessen setzen Familien zunehmend auf eine Ganztagsbetreuung ihrer Angehörigen oder selbstständigen Pflege Zuhause. Dabei leben die Betreuungskräfte, die immer häufiger auch aus den osteuropäischen Nachbarländern stammen, mit den pflegebedürftigen Person in einem Haushalt zusammen und kümmern sich 24 Std. um deren Belange. Viele Senioren schätzen diese Form der Betreuung, auch weil das vertraute Umfeld, die eigenen vier Wände, weiterhin bestehen bleibt, denn viele Menschen schaffen es neben Beruf und eigenen Kindern heute kaum noch mal so nebenbei auch die eigenen Eltern im Alter zu umsorgen und suchen oft auch nach Optionen neben der Möglichkeit, Oma und Opa beispielsweise in ein Seniorenheim umziehen zu lassen.

Corona-Virus hat den Wunsch nach Pflege Zuhause noch verstärkt

Die Mehrheit der pflegebedürftigen Menschen wird bereits heute schon Zuhause versorgt. Pflegedienste und die Angehörigen selbst übernehmen dabei oft einen Großteil der Arbeit. Reicht diese Hilfe nicht mehr aus, wird oft eine 24-Stunden-Betreuung zuhause in Betracht gezogen.

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Um dafür eine geeignete Betreuungskraft zu engagieren, wenden sich die Familien oft an spezielle Agenturen. Diese suchen dann anhand der spezifischen Wünsche und Anforderungen, die der Pflegebedürftige in der Regel auch selbst formuliert, nach dem passenden und geeigneten Personal. Ist eine Betreuungskraft gefunden, die den Ansprüchen gerecht wird, kommt diese für 2 bis 3 Monate in den Haushalt, der zu pflegenden Person und übernimmt die Versorgung der Senioren.

Betreuungskräfte sind kein medizinisches Personal

Auch wenn in diesem Kontext auch immer häufiger von Pflegekräften aus Osteuropa gesprochen wird, handelt es sich genau genommen nicht um medizinisch ausgebildetes Personal. Aufgaben, für die eine entsprechende Fachausbildung erforderlich ist, dürfen von diesen Pflegekräften daher auch nicht übernommen werden. Das Geben von Spritzen oder Setzen von Kathetern ist deshalb nicht gestattet.

Klassische Tätigkeiten sind zum Beispiel die Zubereitung von Mahlzeiten oder die Unterstützung bei der Körperpflege. Auch die soziale Teilhabe soll eine 24-Stunden-Betreuung ermöglichen indem zu Besuchen und Freizeitangeboten begleitet wird.

Zwischen 300.000 und 700.000 Betreuungskräfte aus Osteuropa in Deutschland

Konkrete Zahlen darüber, wie viele dieser 24-Stunden-Betreuungskräfte beispielsweise in Sachsen arbeiten, gibt es bislang nicht. Deutschlandweit liegen die Schätzungen zwischen 300.000 und 700.000 Pflegekräften, die vorwiegend aus Polen stammen, die unsere Senioren in Deutschland Zuhause pflegen und betreuen.

Genaue Zahlen werden bislang auch gar nicht erfasst, da die Betreuungskräfte in den meisten Fällen nach Deutschland entsendet werden. Dabei bleibt das Arbeitsverhältnis im entsprechenden Heimatland bestehen, der Arbeitnehmer wird zur Erfüllung des Betreuungsauftrags ins benachbarte EU-Land entsendet.

Konstant hohe Nachfrage nach Betreuungskräften

Der Personalmangel in der Pflege besteht nicht erst seit gestern, das Problem zeichnete sich schon vor Jahren ab, weshalb man seitdem permanent nach Entlastungen in der dauerhaft angespannten Situation sucht. „Wir spüren seit dem letzten Frühjahr einen deutlichen Nachfrageanstieg. Viele Pflegebedürftige wollen am liebsten möglichst lange Zuhause leben. Dieser Trend hat sich nun nochmals verstärkt“, konstatiert Julius Kohlhoff vom 24-Stunden-Betreuungsdienst „Pflegehilfe für Senioren“. Das Modell 24-Stunden-Betreuung wird auf absehbare Zeit ein wichtiger Teil der Pflege in Deutschland bleiben. Schließlich fehlen Plätze in der stationären Pflege und es herrscht ein Mangel an Pflegepersonal. Zusätzlich hat die Corona-Pandemie viele Senioren verunsichert sich in ein Senioren- oder Pflegeheim umzuziehen.

Auch in der 24-Stunden-Betreuung gilt deutsches Arbeitsrecht

Auch wenn der Name 24-Stunden-Betreuung die dauerhafte Verfügbarkeit des Personals vermuten lässt, gelten auch hier die deutschen Arbeitsschutzvorschriften. Konkret bedeutet das, dass die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten eingehalten werden und ausreichend Pausen- und Ruhezeiten vorhanden sind.

Vorsicht ist außerdem bei auffallend günstigen Betreuungskräften geboten. Oft wird der Mindestlohn dort nicht eingehalten oder es handelt sich von vornherein um Schwarzarbeit. Deshalb gilt auch hier genau zu prüfen und evtl. Reputationen im Vorfeld einzuholen, um einen seriösen Anbieter für eine Ganztags-Betreuung für Oma und Opa auszuwählen.

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin CH. Menzel

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