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Immer wieder Mängel bei sächsischem Eierlikör

Falsche Eier und fehlerhafte Zutatenlisten: Bei einigen Eierlikör-Produzenten aus Sachsen haben Kontrolleure etwas zu beanstanden.

Das Ursprungsgetränk des auch als "Advocaat" bekannten Eierlikörs stammt aus Südamerikas und war aus Avocados. Weil die in Europa aber nicht wuchsen, bediente man sich stattdessen an Eiern.
Das Ursprungsgetränk des auch als "Advocaat" bekannten Eierlikörs stammt aus Südamerikas und war aus Avocados. Weil die in Europa aber nicht wuchsen, bediente man sich stattdessen an Eiern. © dpa

Wer Eierlikör trinkt, geht davon aus, dass dafür Ei vom Huhn verwendet wurde. Doch das ist nicht immer so, wie die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen in Sachsen (LUA) herausfand. „Da es bei Spirituosen seit Jahren viele Beanstandungen vor allem bei Kleinherstellern gibt, haben wir diese Hersteller im vergangenen Jahr gezielt überprüft“, sagte Präsidentin Gerlinde Schneider. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass einige Eierliköre keine Hühner-, sondern beispielsweise Straußeneier enthielten. Ein einziges Ei vom Strauß reicht für mehrere Flaschen Likör.

Nach der damals gültigen Spirituosenverordnung hätten Liköre mit Straußenei allerdings gar nicht als Eierlikör bezeichnet werden dürfen. Erst mit der neuen EU-Spirituosenverordnung, die seit Ende Mai gilt, ist das anders. Heute können auch Milch oder Sahne in den Eierlikör, die das typisch sämige Getränk noch etwas flüssiger und damit leichter trinkbar machen. Früher war das für industriell hergestellte Eierliköre sogar gerichtlich verboten und nur Produkten aus häuslicher Herstellung vorbehalten.

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Eierlikör war ursprünglich aus Avocados

Das auf Speiseeis oder pur beliebte Getränk wurde ursprünglich in Brasilien aus dem Fruchtfleisch von Avocados, aus Rohrzucker und Rum hergestellt. Eugen Verpoorten soll es gewesen sein, der 1876 die in Europa schwer verfügbaren Avocados durch Eier ersetzt hat, die eine vergleichbar cremige Konsistenz ermöglichten.

Auch nach der neuen Spirituosenverordnung muss Eierlikör mindestens 140 Gramm Eigelb pro Liter und mindestens 14 Volumenprozent Alkohol enthalten. „Nicht alle untersuchten Proben erfüllten diese Anforderungen“, sagt Schneider. Das heißt, dass weniger oder mehr Alkohol drin war, als draufstand – oft durch Fehler bei der Berechnung. „Zudem ist bei Likören von Kleinherstellern nach wie vor die Homogenität ein Problem.“ So habe man bei einem Eierlikör einen starken Fettabsatz festgestellt, was deutlich wertmindernd sei. Der Mindestgehalt an Zucker oder Honig ist mit 150 Gramm je Liter vorgeschrieben, ausgedrückt als Invertzucker. Auch Aroma darf zugesetzt werden.

"Frische Eier höchster Güte"

Die meisten Mängel, die die Kontrolleure in Sachsen beanstandeten, betrafen die Kennzeichnung. Zwar braucht Eierlikör keine Zutatenliste. Nur allergene Stoffe müssen genannt sein. „Doch vielfach wurden Zutaten freiwillig angegeben – und dabei gesetzliche Vorschriften missachtet: unzutreffende Bezeichnungen verwendet, Zutaten nicht oder in der falschen Reihenfolge aufgezählt“, nennt Schneider Beispiele. Auch habe es unzureichende Angaben zum Produktverantwortlichen oder unzulässige Füllmengen gegeben.

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Einen qualitativ guten Eierlikör zeichnen laut Marktführer Verpoorten frische Eier höchster Güte aus. Da er mit der Zeit an Geschmack verliert, sollte er innerhalb von sechs Monaten getrunken werden. Eine verschlossene Flasche hält sich ohne Einbußen ein bis zwei Jahre – am besten, wenn sie dunkel und kühl aufbewahrt wird. Salmonellen muss man dann selbst im Sommer nicht befürchten. Dafür sorgt auch der Mindestgehalt an Alkohol.

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