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Bei Meisters in Bautzen geht's nicht mehr nur um die Wurst

Produkte aus Rind, Schwein und Geflügel gehören seit jeher zum Sortiment der Fleischwarenfirma. Nun kommen Griller und Sülze aus einem neuen Rohstoff dazu.

Petra Mesa überprüft bei Meisters Wurst- und Fleischwaren in Bautzen frisch gefüllte Rindswiener. Sie ist die Chefin der Qualitätssicherung des Unternehmens.
Petra Mesa überprüft bei Meisters Wurst- und Fleischwaren in Bautzen frisch gefüllte Rindswiener. Sie ist die Chefin der Qualitätssicherung des Unternehmens. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wir schreiben Anfang Juli, und Karlheinz Schlenkrich denkt an Weihnachten. Der Geschäftsführer der Meisters Wurst- und Fleischwaren Bautzen GmbH hat noch die Vorweihnachtszeit 2020 in Erinnerung, als das Unternehmen so viel wie nie über eine große Internet-Plattform verkaufte. Corona befeuerte das Online-Geschäft zusätzlich.

„Wir haben Tausende Pakete gepackt“, blickt Schlenkrich zurück. Und hofft, dass viele Besteller auf den Meisters-Geschmack gekommen sind. Für das Weihnachtsgeschäft 2021 will er wieder zusätzliche Mitarbeiter ordern.

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Vom Insolvenz-Stress in den Corona-Stress

2020 war für die Wurstmanufaktur im Bautzener Süden ein bewegtes Jahr. Als es begann, befand sich Meisters noch in der Insolvenz. Anfang Mai übernahmen dann die Unternehmerbrüder Karl und Uwe Dominick die Mehrheit an dem Traditionsbetrieb. Zum Firmenverbund der Dominicks gehören unter anderem das Reparatur-Unternehmen LetMeRepair in Bautzen und die Kirschauer Aquakulturen.

„Vom Insolvenz-Stress ging es fast nahtlos über in den Corona-Stress“, erinnert sich Karlheinz Schlenkrich. Zudem bestimmte Meisters für sich seinen Platz auf dem hart umkämpften Markt für Wurst- und Fleischprodukte: Die Bautzener wollten fortan mehr Rohstoffe aus der Region verarbeiten, also Klasse statt Masse. „Gewachsen in Sachsen“ wurde zur Unternehmensmaxime. Und es sollten neue Produkte ins Angebot, auch mit Fisch aus Kirschau und von anderen Fischwirtschaften in der Oberlausitz.

Rindfleisch nur noch aus der Oberlausitz

Ein gutes Jahr später sieht der 66-jährige Geschäftsführer den Betrieb „in gutem Fahrwasser“. Die Wurstmanufaktur produziert jetzt mehr Erzeugnisse aus Rindfleisch, das zu 100 Prozent aus der Oberlausitz kommt. Dazu tat sich Meisters mit der Schiebocker Fleischverarbeitungsgesellschaft in Bischofswerda zusammen. Schiebocker hatte 2019 die Landschlachterei Sohland übernommen. „Wir können dadurch die gesamte Kette von der Aufzucht der Tiere bis zur Verarbeitung des Fleisches kontrollieren und nachvollziehen“, erklärt Schlenkrich.

Bei Schweine- und Hähnchenfleisch klappt das mit der regionalen Herkunft noch nicht ganz so, aber Schlenkrich weiß auch hier, woher die Rohstoffe kommen. Die Hähnchen zum Beispiel aus dem nahen Tschechien – „wir haben da einen leistungsstarken Partner bei Pilsen“. Viel Hoffnung setzt er in die Pläne des sächsischen Landwirtschaftsministers Wolfram Günther (Grüne), der in Mittelsachsen einen neuen Schlachthof bauen lassen möchte – auch wenn bis dahin noch einige Zeit ins Land gehen dürfte.

Griller und Sülze aus heimischem Fisch

In Zukunft wollen die Bautzener auch Lammfleisch verarbeiten. Aber vorher starten sie mit Fischprodukten. Dabei kommt ihnen das Hobby ihres Produktionsleiters zugute - als passionierter Angler kennt er sich mit Schwimmtieren aus.

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Zurzeit lässt Meisters für etwa eine Viertelmillion Euro einen gesonderten Firmenbereich zu einer Verarbeitungsstrecke für Fisch umrüsten. Ab Herbst sollen Griller, Soljanka und Sülze aus Oberlausitzer Fisch auf den Markt kommen, ebenso geräuchertes Filet vom Karpfen oder Sachsenbarsch. So nennen die Kirschauer Aquakulturen den bei ihnen gezüchteten Tilapia, der ursprünglich aus den tropischen Gewässern Afrikas stammt. Von fünf Fischwirtschaften in der Region soll der Karpfen kommen, afrikanische Welse wachsen bei Elstra. Große Handelsketten wie Kaufland, Edeka und Rewe hätten bereits Interesse an Meisters-Fisch aus der Oberlausitz erklärt, freut sich Karlheinz Schlenkrich.

Exporte nach Dänemark, Vietnam und England

Neue Produkte kamen und kommen auf den Markt, andere hat Meisters aus dem Sortiment genommen - sie verkauften sich nicht mehr so gut. Römerbraten zum Beispiel, oder Bauernmettwurst. Und dann gibt es auch mal Rückschläge. So bestellt ein Großkunde aus Dänemark eine bestimmte Sorte Würstchen in diesem Jahr nicht in Bautzen, sondern in Polen. "Trotzdem bleibt uns dieser Kunde erhalten", ist Schlenkrich froh. Knapp vier Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Meisters durch den Export, außer nach Dänemark auch nach Vietnam und - ganz neu - nach England.

Zum "guten Fahrwasser", in dem der Geschäftsführer die Wurstmanufaktur sieht, gehört auch die gestiegene Zahl von Mitarbeitern: Vor einem Jahr beschäftigte Meisters 60 Frauen und Männer, jetzt sind es fast 80. So bekamen ehemalige Leiharbeiter einen festen Vertrag, und einige Kolleginnen und Kollegen kommen aus Polen.

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