merken
PLUS Leben und Stil

Darum wird die Kugel Eis immer teurer

In einigen Eisdielen ist der Preis für eine Kugel Eis bei 1,50 Euro angekommen. Das hat nicht nur mit höheren Kosten für die Zutaten zu tun.

Wer sein Eis auf die Hand nimmt, zahlt in der Regel weniger für die Kugel.
Wer sein Eis auf die Hand nimmt, zahlt in der Regel weniger für die Kugel. © dpa/Franziska Gabbert

Sommerzeit ist Eiszeit. Doch wer jetzt zur Eisdiele geht, staunt nicht schlecht. Während es die Kugel Eis früher noch für weniger als einen Euro gab, liegen die Preise heute deutlich höher. Wie viel eine Kugel im Schnitt kostet, hat eine aktuelle Umfrage ergeben.

In welchen Städten ist Eis besonders teuer?

Am tiefsten müssen Eisliebhaber in München in die Tasche greifen. Dort kostet eine Kugel im Eiscafé im Schnitt 2,10 Euro. In Stuttgart und Berlin sind es 1,87 Euro. In den zwei sächsischen Großstädten Dresden und Leipzig muss man durchschnittlich 1,83 Euro für eine Kugel ausgeben. Ermittelt hat das im Juni das Portal traum-ferienwohnungen.de. Dafür wurden die Kosten pro Eiskugel in den drei beliebtesten Cafés mit dem Schlagwort Eiscreme auf dem Portal Tripadvisor für die größten deutschen Städte bestimmt. Am günstigsten nascht es sich demnach mit 1,03 Euro in Bielefeld, gefolgt von Essen (1,10 Euro) und Bochum (1,17 Euro).

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Wo liegen die Preise in Sachsens Eisdielen?

Wer sein Eis auf die Hand nimmt, zahlt in der Regel weniger für die Kugel. In Sachsen gibt es regionale Unterschiede. Während im Eiscafé Cortina am Roten Turm in Chemnitz eine Kugel 1,50 Euro kostet, kommt sie im Eiscafé am Altmarkt in Aue für 1,20 Euro in die Waffel. Die Sächsische Eismanufaktur verkauft ihr selbst hergestelltes Eis für 1,50 Euro. In den Läden des Dresdner Traditionsbetriebs Neumanns Eis gibt’s die Kugel für 1,30 Euro.

Damit liegen die Preise im Freistaat oft schon über der Schmerzgrenze, die die Marktforscher des Instituts Splendid Research bei einer Online-Umfrage ermittelt haben. Sie liegt bei deutschen Eisliebhabern nämlich bei 1,31 Euro. Allerdings dürfte in den Sommerferien das Geld auch etwas lockerer sitzen. „Eis ist ein Impulsprodukt. Das isst man, wenn man Lust darauf hat. Und wenn man weiß, dass es richtig gut schmeckt, gibt man auch gern etwas mehr Geld dafür aus“, sagt Ernst Kammerinke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie.

Was kostet Eis in anderen Ländern?

„Der Kugelpreis in Spanien, Italien oder Frankreich liegt zwischen 2 Euro und 3,50 Euro“, sagt Annalisa Carnio vom Uniteis e.V., dem Dachverband der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland. „Und kein Deutscher dort im Urlaub beschwert sich.“ In Spanien werde angesichts der niedrigen Preise für handwerkliches Eis in Deutschland mittlerweile sogar von Verdrängungswettbewerb gesprochen.

Der Sender Sonnenklar.TV hatte 2018 einmal die Preise in den beliebtesten Eisdielen in europäischen Metropolen ermittelt: Demnach kostete in Barcelona die Kugel bereits damals 3,10 Euro, in Helsinki 4,20 Euro, in Dublin 4,50 Euro. In Kopenhagen waren es sogar 4,70 Euro, allerdings mit hausgemachter Waffel, Schlagsahne und Soße. In den beliebtesten Eisdielen in Berlin und München zahlte man damals zwischen 1,20 Euro und 1,80 Euro.

Wie groß sollte eine Kugel Eis sein?

Eine Standardgröße gibt es nicht. Wie viel von der süßen Nascherei am Ende in der Waffel oder im Becher landet, entscheidet jeder Inhaber einer Eisdiele selbst. „Durchschnittlich sind die Kugeln 80 bis 110 Gramm schwer“, sagt Annalisa Carnio.

Allerdings: Man darf nicht den Fehler machen, den Preis mit dem für eine große Packung aus dem Supermarkt zu vergleichen. Denn es gelten verschiedene Maßeinheiten. Die Industrie misst in Literangaben, die handwerklichen Eismacher dagegen in Kilogramm. Das führt zu Unterschieden: Ein Liter Speiseeis aus der Fabrik kann am Ende gerade mal 250 Gramm Eis entsprechen – und damit ungefähr drei Kugeln. Der Rest sei oftmals viel Luft, wie die Verbraucherzentrale bei einer Untersuchung abgepackter Fertigeispackungen im vergangenen Jahr herausgefunden hat.

Wie setzt sich der Preis dann zusammen?

Wie teuer eine Kugel ist, darüber entscheiden insbesondere die Lage und die Miete der Eisdiele. „Der Kugelpreis ist keine willkürliche Entscheidung, die jeder Inhaber einer Eisdiele plötzlich trifft“, sagt Annalisa Carnio. Ein wichtiger Faktor seien die Betriebskosten – Miete, Personal, Versicherungen, Strom, Wasser. „Eine Kugel in einer Eisdiele mit großer Terrasse und viel Personal im Zentrum von München kostet sicherlich mehr als eine Kugel in einer Eisdiele auf dem Land.“

Hinzu kommen die Ausgaben für die Zutaten: Je höher die Qualität, desto besser schmeckt das Eis, es ist aber auch zwangsläufig teurer. „Allein bei Früchten haben wir in den vergangenen Jahren eine Preissteigerung von 10 bis 50 Prozent beobachtet“, sagt Andreas Nierade, Geschäftsführer der Sächsischen Eismanufaktur. Höhere Preise als in den Vorjahren zahlen die Eishersteller aber auch für Milch, Sahne, Zucker oder Bindemittel. „Wir verwenden zum Beispiel für unsere Erdbeerbecher vorzugsweise Früchte aus der Region. Die sind natürlich teurer“, sagt Susann Steinmacher vom Eiscafé am Altmarkt Aue. Sie hat vor zweieinhalb Jahren das letzte Mal den Kugelpreis erhöht, von 95 Cent auf 1,20. Weiter steigen soll er aber erstmal nicht.

Wie experimentierfreudig sind die Sachsen bei Eis?

Das ist wohl eher eine Generationenfrage. Ältere Kunden stehen auf Klassiker wie Schoko, Vanille und Erdbeer. „Im Sommer beliebt sind auch die leichten Joghurt-Sorten mit Heidelbeer oder Himbeer“ sagt Katrin Muschert vom Eiscafé Cortina in Chemnitz. Sie hat täglich 36 frisch hergestellte Sorten im Angebot. „Immer beliebter bei den Jüngeren wird veganes und lactosefreies Eis“, sagt Sebastian Beissert von Neumanns Eis. Der Familienbetrieb bietet neben seinen veganen Fruchtsorten ebenso Schoko-, Vanille- und Haselnusseis auf Basis von Hafermilch an.

Hat sich Corona auf den Eis-Konsum ausgewirkt?

Kaum. Im Schnitt hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr acht Liter Speiseeis verspeist. Das entspreche rund 114 Kugeln Eis pro Kopf, so der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 hatte der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei 8,4 Litern gelegen. Allerdings ging der Konsum vor allem außer Haus zurück, also in Eisdielen oder Restaurants. Viele hatten wegen der Lockdown-Maßnahmen wochenlang geschlossen.

In den eigenen vier Wänden, auf dem Balkon oder im Garten naschten die Deutschen dagegen mehr Eis. Die industriellen Hersteller von Speiseeis wie Langnese oder Mars Wrigley steigerten ihren Absatz um 2,5 Prozent auf 575,5 Millionen Liter. Da jedoch häufiger preisgünstigere Haushaltspackungen gekauft wurden, ging der Umsatz der Branche insgesamt zurück. Die beliebtesten Sorten waren mit großem Abstand Vanille und Schokolade, gefolgt von Stracciatella, Walnuss, Schwarzwälder Kirsch und Fürst Pückler.

Welches ist das Eis des Jahres?

Der Verband Uniteis kürte das fruchtig-scharfe „Mango-Chili“-Eis zum neuesten Trend für Deutschland. Hergestellt wird es in zwei Varianten: Das Eis für Erwachsene enthält Chilisauce, das für Kinder wird lediglich mit einem Spritzer roter Farbe einer weniger intensiven Chili-Sorte verziert.

Neu in den Kühlregalen der Supermärkte ist Mochi-Eis. Hier trifft Japan auf Italien: Weich-zäher Reisteig umhüllt Eiscreme.

Und was macht nun ein gutes Eis aus?

Weiterführende Artikel

Inhaltsstoffe von Eis am Stiel im Check

Inhaltsstoffe von Eis am Stiel im Check

Das Problem beim Eis am Stiel ist nicht nur zu viel Zucker, haben Verbraucherschützer herausgefunden.

Was in Speiseeis enthalten sein darf, ist in der Deutschen Speiseeisverordnung definiert. Nach Aussage von Annalisa Carnio sind wir das einzige Land, in dem es solch ein Regelwerk gibt. Demnach muss Milcheis zu mindestens 70 Prozent aus Milch bestehen – der Rest sind Zucker, Frucht und Aromen. Sahneeis enthält mindestens 18 Prozent Milchfett, und in Eiscreme stecken neben mindestens 50 Prozent Milch auch Ei oder Eigelb. Wer ein Fruchteis bestellt, kann davon ausgehen, dass wenigstens ein Fünftel davon aus Frucht besteht. Sorbets haben sogar einen Fruchtanteil von 25 Prozent.

Ein gutes Eis, sagt Sebastian Beissert, sollte zudem keine Farbstoffe und Geschmacksverstärker enthalten. Dafür gehören frische Zutaten hinein: „Mango-Geschmack sollte von echten Mangos kommen und Vanille von Vanilleschoten“, so Beissert.

Mehr zum Thema Leben und Stil