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Die Deutschen essen gesünder und bewusster

Weniger Fleisch, mehr Wertschätzung: Der neue Ernährungsreport überrascht gleich mehrfach.

Die Deutschen ernähren sich gesünder.
Die Deutschen ernähren sich gesünder. © dpa/Christin Klose

Glaubt man dem am Mittwoch vorgestellten Ernährungsreport der Bundesregierung, sind die Deutschen beim Essen auf einem guten Weg. Sie kaufen bewusster ein, kochen häufiger und essen gesünder. Einmal im Jahr lässt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) vom Meinungsforschungsinstitut Forsa repräsentativ ermitteln, was und wie Deutschland isst. Demnach ist die Lust auf Obst und Gemüse gestiegen. Bei 84 Prozent der befragten Frauen und 69 Prozent der Männer kommt es täglich auf den Teller.

Weniger Zucker

Die Lebensmittelindustrie müsste sich nicht scheuen, den Zuckergehalt in Joghurt oder Frühstücksflocken zu reduzieren. Denn die Allermeisten würden sogar Abstriche beim Geschmack akzeptieren, wenn dafür Fertigprodukte weniger süß und kalorienhaltig wären. Frauen erliegen häufiger der Versuchung, zu Süßem und zu Knabbereien zu greifen. Fast jede dritte, aber nur jeder fünfte Mann tun das täglich.

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Weniger Fleisch und Wurst

Bei Fleisch und Wurst ist es genau umgekehrt. Obwohl immer noch jeder dritte Mann und fast jede fünfte Frau täglich Fleisch und Wurst konsumieren, sinkt der Verzehr langsam. Dabei ist die Liebe zum Tier überraschend hoch. 92 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen beim Kauf von unverarbeitetem Fleisch wichtig ist, wie das Tier gehalten wurde. 83 Prozent achten darauf, dass das Fleisch aus der Region stammt und 76 Prozent, wie lange das Tier transportiert wurde. Nur jeder Fünfte schaut laut Umfrage beim Fleischkauf vor allem auf den Preis. Demgegenüber wären viele bereit, für mehr Tierwohl auch mehr Geld auszugeben.

Angenommen, dass ein Kilo Fleisch aus herkömmlicher Produktion zehn Euro kostet. Dann würden 42 Prozent der Befragten bis zu 15 Euro bezahlen, wenn es von Tieren stammt, die besser gehalten wurden als gesetzlich vorgeschrieben. „Das passt zu meiner klaren Position“, sagt Ministerin Klöckner: „Lieber etwas weniger und hochwertigeres Fleisch als häufig billiges.“ Der Wunsch nach einem staatlichen Tierwohlzeichen ist laut Umfrage groß. Doch die Kaufentscheidung im Laden folgt oft noch anderen Kriterien.

Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
Quelle: Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

Mehr pflanzliche Alternativen

Zweifelsfrei allerdings wächst das Interesse an Alternativen zu tierischen Produkten – an Soja-Drinks, Tofu-Würstchen oder veganen Käseerzeugnissen. Acht Prozent der Befragten essen sie mindestens einmal täglich. Besonders beliebt sind sie bei den 14- bis 29-Jährigen. 17 Prozent von ihnen greifen mehrmals am Tag danach. Im vergangenen Jahr waren es erst sieben Prozent. Klima- und Umweltschutz ist allerdings nicht der Hauptgrund dafür, Alternativen zu Fleisch und Wurst zu probieren. 71 Prozent tun dies aus Neugier.

Mehr Wertschätzung

Die Ansprüche der Deutschen an Lebensmittel sind im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen. Die Produktionsbedingungen sollen fair, die Erzeugung umweltverträglich sein. Das Interesse wächst nicht nur an Regionalität und Saisonalität, sondern auch an verlässlichen Siegeln, die Orientierung bieten. „Bereits 177 deutsche Unternehmen mit 326 Marken ließen sich für die Verwendung des Nutriscore registrieren“, sagt Klöckner. Allerdings haben Wissenschaftler auf einem am Mittwoch zu Ende gegangenen Online-Kongress zur Ernährungsforschung klargestellt, dass der Nutriscore erst Wirkung zeigen kann, wenn er auf allen Produkten erscheint.

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„Zur Wahrheit gehört auch: Der Landwirt soll Spitzenprodukte zu Tiefstpreisen erzeugen, die dann verramscht oder als Lockmittel genutzt werden“, sagt CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann. „Er ist der Verlierer der Preiskämpfe im Lebensmitteleinzelhandel.“ Insofern dürfe sich niemand wundern, wenn Betriebe aufgeben und die Ware letztlich aus dem Ausland komme.

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