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Ein Weinleben mit Fruktose-Intoleranz ist möglich

Viele Menschen vertragen keine Fruktose. Das muss nicht Verzicht bedeuten, erklärt Sommelier Silvio Nitzsche in seiner Weinkolumne.

Silvio Nitzsche ist Sommelier und betreibt in Dresden die WeinKulturBar.
Silvio Nitzsche ist Sommelier und betreibt in Dresden die WeinKulturBar. © Thomas Kretschel

Was für ein Weinabend gestern – großartig! Doch dann der schreckliche Morgen: Übelkeit, Bauchschmerzen, Zittern, Blässe und Schwitzen. Klar, die Menge macht das Gift. Doch es kann auch einen Grund für die Beschwerden geben, der vielen nicht ganz so geläufig ist: Fruktoseintoleranz. Ein Indikator dafür ist, wenn sich zu den Beschwerden Stoffwechselstörungen hinzugesellen – von Blähungen bis Durchfall. Und doch ist das keine Allergie.

Fruktoseintoleranten Menschen fehlt ein Transporter, der die Fruktose im Dünndarm in die Blutbahn aufnehmen soll. Der Körper kann den Fruchtzucker also schlichtweg nicht richtig verdauen. Betroffene leiden zutiefst. Mittlerweile hat jeder Dritte eine leichte bis mittelschwere Fruchtzuckeraversion. Davon sind nur etwa fünf Prozent angeboren. Der große Rest ist angelernt durch falsche Ernährung. Irgendwann reicht’s dem Darm mit all dem Zucker und er wehrt sich. Und so hat derzeit ein Drittel aller Weintrinker Probleme mit Fruktose im Wein ab 25 Gramm je Liter, ein Drittel davon sogar mit einem Wert darunter.

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Oft heißt die Diagnose Histaminintoleranz. Doch das trifft nur auf ein Fünfzigstel der Betroffenen zu. Daher lohnt ein Test, wenn Sie bei bestimmten Weinen am nächsten Morgen, auch bei weniger als zwei Schoppen Konsum, Probleme verdauungstechnischer Natur haben. Hierbei wird die Ausatemluft untersucht. Ist der Test positiv, kann man viel bewusster mit seinem Leiden umgehen.

Trockene Weine kommen infrage

Denn ein Weinleben mit dieser Intoleranz ist durchaus möglich. Eine frisch gepflügte Weinbeere besteht bis zu einem Fünftel aus Zucker. Dieser wird während der Vergärung mittels der Hefen umgewandelt und damit abgebaut. Die Intensität und Länge des Gärprozesses bestimmt den Geschmack – also ob dieser als trocken, halbtrocken, lieblich oder süß deklariert wird. Weinrechtlich darf ein trockener Wein maximal neun Gramm Restzucker pro Liter enthalten.

Im Vergleich dazu hat halbtrockener Wein einen Restzuckergehalt von neun bis 18 Gramm pro Liter. Bei Restzuckergehältern von 18 bis 45 Gramm pro Liter spricht man von lieblichem Wein, Restzuckergehalt über 45 Gramm pro Liter bezeichnet man als süß. Für einen fruktoseintoleranten Menschen kommen also trockene Weine mit einem niedrigen Restzuckergehalt infrage. Idealerweise sollte der Wein komplett durchgegoren sein.

Wird die Fruktose vollständig vergoren, bleibt im Wein ein Fruktoserestwert unter einem Gramm pro Liter übrig. Der Restzucker setzt sich circa zu 50 Prozent aus Fruktose und 50 Prozent aus Glukose zusammen. Einige Winzer sind hier besonders engagiert und bieten zudem fruktosereduzierte Weine an. Diese können ein weiterer Schritt sein, um auch Menschen mit einer Kreuzallergie, Weingenuss zu ermöglichen – also Personen, welche an mehreren Unverträglichkeiten leiden. Also darf die abschließende gute Nachricht und Erkenntnis sein: Es gibt auch ein Leben nach und mit einem positiven Test.

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