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Weitere Lebensmittel unter Krebsverdacht

Die Probleme mit gesundheitsschädlichem Ethylenoxid häufen sich – auch in Sachsen. Neben Eis betrifft es auch Kichererbsen-Curry, Rote Grütze und Nudeln.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert in einer Petition mehr Kontrollen von Lebensmitteln auf Ethylenoxid-Rückstände. Diese sollen erbgutverändernd und krebserzeugend sein.
Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert in einer Petition mehr Kontrollen von Lebensmitteln auf Ethylenoxid-Rückstände. Diese sollen erbgutverändernd und krebserzeugend sein. © Symbolbild/dpa

Es ist gerade mal zehn Tage her, dass die Firma Mars große Mengen ihrer beliebten Eiscreme-Sorten aus den Kühltruhen nehmen musste. Denn sie könnten gesundheitsschädlich sein. Nun muss sie weitere Produkte zurückrufen, die auch in Sachsen verkauft wurden.

Das Portal Lebensmittelwarnung.de rät davon ab, vier Curry-Erzeugnisse des Herstellers zu verzehren: Kichererbsen-, Madras-, Bombay- und Thai-Curry der Marke Tasty Bite. Grund dafür sind wie beim Eis Rückstände von Ethylenoxid – einem farblosen Gas, das eine entwesende und sterilisierende Wirkung hat. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist Ethylenoxid erbgutverändernd und krebserzeugend. Einen Grenzwert ohne Gesundheitsrisiko gebe es nicht. Zwar ist Ethylenoxid EU-weit in der Lebens- und Futtermittelproduktion verboten. Doch in etlichen Drittstaaten wird es nach wie vor zum Beispiel zur Bekämpfung von Pilzen und Bakterien verwendet – und kann damit auch in unser Essen gelangen.

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Bitte nicht mehr verzehren: Auch in bestimmten Chargen des Currys von Mars wurde verbotenes Ethylenoxid nachgewiesen, das als krebserregend gilt.
Bitte nicht mehr verzehren: Auch in bestimmten Chargen des Currys von Mars wurde verbotenes Ethylenoxid nachgewiesen, das als krebserregend gilt. © PR

Das Problem ist offenbar größer als gedacht. Beim Eis war Ethylenoxid über den damit verunreinigten Zusatzstoff Johannisbrotkernmehl ins Produkt gelangt – auf der Zutatenliste oft als E 410 ausgewiesen. Johannisbrotkernmehl wird heute in vielen Lebensmitteln eingesetzt: als Verdickungsmittel oder Stabilisator beispielsweise in Milchprodukten, Suppen und Dressings, in Marmeladen oder Backwaren.

So warnt das Portal der Bundesländer jetzt auch vor Rote Grütze im Glas der Hamburger Firma Kühne. Nach Bekanntwerden, dass Johannisbrotkernmehl belastet sein kann, habe man vorbeugend umfangreiche Eigenkontrollen veranlasst, erklärt das Unternehmen. Dabei sei in einer zugelieferten Charge Johannisbrotkernmehl für Rote Grütze „eine geringe Belastung mit Ethylenoxid fesgestellt worden, die auch im Endprodukt nachgewiesen wurde“. Betroffen sei ausschließlich die Charge mit dem Code ME 26 und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 15.05.2022.

Auch in der Rote Grütze von Kühne wurde verbotenes Ethylenoxid nachgewiesen, das als krebserregend gilt.
Auch in der Rote Grütze von Kühne wurde verbotenes Ethylenoxid nachgewiesen, das als krebserregend gilt. © PR

Gesundheitsschädliches Johannisbrotkernmehl ist auch der Grund für zwei weitere Warnungen, die am gestrigen Donnerstagnachmittag auf Lebensmittelwarnung.de eingingen. Die Firma Vefo ruft zwei vegane Käseprodukte wegen Ethylenoxid-Gefahr zurück. Sie wurden bei Lidl verkauft, allerdings nicht in Sachsen.

Angesichts sich häufender Probleme mit dem verbotenen Gas hat das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart gezielt 25 Proben Instant-Nudeln untersucht. Denn auch die Gewürze darin können belastet sein. In elf Produkten sei Ethylenoxid nachweisbar gewesen, teilt das dortige Ministerium für Verbraucherschutz mit. Besonders auffällig waren demnach Nudeln aus Vietnam, gefolgt von Korea und China. Proben aus Thailand, Indonesien und der EU seien dagegen „weitestgehend unauffällig“. Die Hersteller würden nun aufgerufen, die betroffenen Chargen zurückzunehmen. Erste Unternehmen hätten dies bereits getan.

In den Instant-Nudeln von Panasia wurde ebenfalls verbotenes Ethylenoxid nachgewiesen.
In den Instant-Nudeln von Panasia wurde ebenfalls verbotenes Ethylenoxid nachgewiesen. © PR

So ruft die Firma Panasia Rabokki-Nudeln der Marke Paldo mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 27.02.2022 zurück. Im Gewürzpulver der Nudeln wurden Rückstände eines ebenso schädlichen Zwischenprodukts von Ethylenoxid nachgewiesen. „Bei einer täglichen Verzehrmenge von 9,9 Gramm Gewürzmischung ist ein erhöhtes Krebsrisiko nicht auszuschließen“, teilt Geschäftsführer Jong Wan Chung mit und entschuldigt sich bei den Kunden.

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Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert in einer Petition mehr Kontrollen auf Ethylenoxid-Rückstände. In Sachsen hat die Landesuntersuchungsanstalt in diesem Jahr bislang elf Gewürz- und vier Sesamproben abschließend auf Ethylenoxid geprüft, erklärt das Sozialministerium Sachsen auf SZ-Anfrage. Keine davon sei zu beanstanden gewesen. Unabhängig davon würden die Lebensmittelüberwachungsämter im Freistaat derzeit verstärkt kontrollieren, ob die reglementierten Lebensmittel auch tatsächlich „vom Markt genommen“ werden.

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