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Noch mehr Verzicht: Fasten im Lockdown

Am Mittwoch beginnt die Fastenzeit. Eine Zumutung in Corona-Zeiten? Nein, gut für Körper und Psyche, sagt ein Arzt.

Viele Deutsche würden beim Fasten am ehesten auf Alkohol verzichten.
Viele Deutsche würden beim Fasten am ehesten auf Alkohol verzichten. © Franziska Gabbert/dpa

Wer fastet, der möchte sich und seinem Körper etwas Gutes tun. Aber ist es eine prima Idee, sich jetzt im Lockdown, in dem sowieso schon auf vieles verzichtet werden muss, noch weiter einzuschränken? „Das muss jeder mit sich ausmachen. Aber grundsätzlich denke ich: Warum sollte man in Zeiten von Corona nicht noch einen draufsetzen?“, sagt Jürgen Walter, Psychologe und Motivationscoach für Führungskräfte.

Die Fastenzeit, die in diesem Jahr am Mittwoch beginnt und am 3. April endet, ist für viele nicht nur eine Möglichkeit abzunehmen. Der Verzicht ist auch eine Gelegenheit, Körper und Geist eine Art Reset zu geben. Ob man sich dabei für eine kurze Fastenkur entscheidet oder eine längere Zeit auf Genussmittel, wie Alkohol und Zucker, verzichtet: Die Möglichkeiten sind mannigfaltig.

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Gewichtsabnahme für die Psyche

Walter hat mit dem Heilfasten Erfahrung gesammelt. „Viele Menschen können sich heute gar nicht mehr vorstellen, ein paar Tage ohne feste Nahrung zu leben“, sagt er. „Unsere Vorfahren haben aber auch über längere Zeiträume nichts zu sich genommen. Sie konnten nicht jeden Tag ein Mammut erlegen. Unser Körper kennt also das Fasten.“ Nach mehreren Tagen trete das Hungergefühl in den Hintergrund und das könne ein unglaubliches Gefühl sein. Walter: „Fasten kann auch das Gefühl der Selbstwirksamkeit stärken – eine positive Erfahrung gerade in diesen Zeiten.“

Ein auch für die Psyche positiver Effekt kann die Gewichtsabnahme sein. „Dies sollte man aber nicht in den Vordergrund stellen. Denn wenn man seine Ernährung nach dem Fasten nicht umstellt, hat man das verlorene Gewicht schnell wieder drauf“, so Walter. Eine gute Erfahrung kann sein, einfach bewusst mal zu verzichten. Und wenn man dann irgendwann etwas Saft oder Brühe zu sich nimmt, hat man ein ganz anderes Geschmackserlebnis. Überhaupt riecht und schmeckt vieles nach dem Fasten intensiver. Walter: „Eine Erfahrung, die ich jedem wünsche. Wer aber unter gesundheitlichen Einschränkungen leidet, sollte vorher seinen Arzt konsultieren.“

Mentale Stabilität ratsam

Richtig ausgeführt, könne Fasten ein erster Schritt zu einer gesundheitsfördernden Ernährung sein, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Aber nicht für jeden: Senioren, Schwangere, Kinder und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sollten aufs Fasten gänzlich verzichten, so die Experten.

„Falls ich jetzt im Lockdown Zweifel habe, ob ich fasten soll, sollte ich vorher ganz tief in mich hineinhören, ob ich zur Zeit die mentale Stabilität dafür habe“, sagt Walter. „Auch wenn es mir nicht gut geht, ich mich depressiv fühle oder schlechte Stimmung habe, dann sollte ich mir überlegen, ob ich mir das antun will.“

Darin könne aber wiederum auch eine Chance liegen. Damit sei nicht gesagt, dass Fasten gegen Depression hilft, aber manchmal könne es auch gut sein, seinen inneren Schweinehund zu überwinden.

Mit diesen fünf Tipps kann eine entspannte Fastenzeit gelingen:

1. Die passende Fastenart finden

Weitverbreitet sind laut DGE hierzulande das Heil-, Basen- und Intervallfasten. Bevor man mit dem Fasten startet, sollte man kritisch die eigene körperliche Konstitution sowie etwaige Erfolgsversprechen genau prüfen, rät die Verbraucherzentrale. Eine Alternative zu einer strengeren Fastenkur könne es sein, eine gewisse Zeit auf bestimmte Lebensmittelgruppen, wie etwa tierische Produkte, Zucker oder Alkohol, zu verzichten. Schon hierbei können sich positive gesundheitliche Effekte bei Erkrankungen, wie Rheuma oder Gicht, einstellen, so die Experten.

Jürgen Walter ist ein großer Verfechter von Bewegung. „Man kann jetzt im Winter auch mal entgegen seiner Gewohnheit vor die Tür gehen. Oder sich fragen: Wie komme ich ohne Auto von A nach B? Wenn man aufs Auto verzichtet, tut man auch seinen Mitmenschen und der Umwelt etwas Gutes. Dieses Bewusstsein kann gut für die Psyche sein. Oder man kann sich in der Fastenzeit allgemein mal bewusst machen, wie man den Alltag gestaltet und wie viel Zeit man mit dem Handy verbringt.“ Walter empfiehlt dabei aber, gelassen zu bleiben und sich nicht zu viel vorzunehmen. „Gut sind neue Erfahrungen, denn davon zehre ich. Ob ich nun mehrere Tage faste oder bei der Kälte spazieren gehe.“

2. Zeitpunkt wählen und vorbereiten

Wer fastet, beschäftigt sich mit seiner Gesundheit und nimmt bewusster wahr, was er im Alltag isst und trinkt. Gerade in der ersten Zeit kann die Umstellung dazu führen, dass man sich müde und schlapp fühlt. Fastenexperten empfehlen, mit dem Heilfasten am besten am Wochenende oder an einem freien Tag zu starten. Je nach Fastenart kann es zudem sinnvoll sein, sich und seinen Körper mit zwei bis drei Umstellungstagen an das Fasten heranzuführen und sich schon vorher mit den richtigen Lebensmitteln einzudecken.

3. Ablenkung

Damit einem während der Fastenzeit nicht die Decke auf den Kopf fällt, braucht es Ablenkung. Der Rat der Experten: Bewegen und spazieren gehen an der frischen Luft. Auch Entspannungsübungen, wie Yoga, Meditation oder Pilates, passen wunderbar in eine Fastenwoche. Körperliches Aktivsein verhindert außerdem den Abbau von Muskelmasse, beugt Kreislaufproblemen vor und regt den Stoffwechsel an. Auf intensivere Sporteinheiten sollte man in dieser Zeit aber lieber verzichten.

4. Viel trinken!

Wen in der Fastenzeit die Hungergefühle plagen, dem kann es helfen, etwas zu trinken. Überhaupt sollte während dieser Zeit viel getrunken werden – mindestens 2,5 Liter pro Tag. Infrage kommen dabei neben Wasser alle möglichen Tees und leichte Obst- oder Gemüsesaftschorlen. Auch eine klare Gemüsebrühe ist eine gute und gesunde Option.

5. Richtiges Fastenbrechen

Die wichtigste Phase des Fastens ist der Wiedereinstieg in den Alltag, schreibt die Zeitschrift Öko-Test. Sie rät, anfangs nur wenig und leichte Nahrung, wie Äpfel, Reis oder Getreidebrei, zu sich zu nehmen. Die Verbraucherzentrale rät außerdem dazu, zwei bis drei Eingewöhnungstage einzuplanen, an denen man sich langsam wieder an die alltägliche Ernährung gewöhnt. (dpa)

Tipps von der Verbraucherzentrale zum Fasten.

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