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Minis für den Naschbalkon

Ob Snack-Gemüse oder -Beeren: Mit neuen Pflanzensorten lässt es sich auch auf kleinem Raum gärtnern. Frische Kräuter und die Blume des Jahres machen’s bunt.

Für Selbstversorger mit wenig Platz: Gärtner Martin Bimberg aus Freiberg bietet hängende Mini-Gurken in einer Blumenampel und Nasch-Chili an.
Für Selbstversorger mit wenig Platz: Gärtner Martin Bimberg aus Freiberg bietet hängende Mini-Gurken in einer Blumenampel und Nasch-Chili an. © Thomas Kretschel

Das Schönste am Gärtnern ist die Belohnung: Frische Gurken und Tomaten fürs Abendessen ernten, dazu ein paar Blätter Basilikum zupfen. Beim Gießen ein paar Beeren pflücken und direkt in den Mund stecken. Sich zum Feierabend vom Liegestuhl aus am Rauschen hochgewachsener Gräser und dem Anblick bunter Blütensträuße erfreuen. Herrlich! Selbst wer keinen Garten, sondern „nur“ einen Balkon hat, kann sich glücklich schätzen. Denn mit neuen Pflanzensorten lässt sich auch auf kleinem Raum ein Stück Natur genießen.

Absolut im Trend: die Selbstversorgung. „Spätestens mit den Kochshows im Fernsehen entwickelte sich bei vielen Menschen der Wunsch nach frischen, eigenen Zutaten“, sagt Tobias Muschalek, Geschäftsführer des Gartenbauverbands Mitteldeutschland. Vor allem Jüngere, ohne eigenen Garten, würden öfter mal was Neues ausprobieren wollen. Und seit Corona sei die Nachfrage nach Balkon-Naschgemüse noch einmal enorm gestiegen.

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Mittlerweile gibt es für die Mini-Sorten sogar spezielles Saatgut. Einige Gartenbetriebe bieten auch Jungpflanzen an. Etwa die Gärtnerei Bimberg in Freiberg. Schon seit 1760 pflegt die Familie die Gärtnertradition. Erst vor Kurzem haben die Söhne den Traditionsbetrieb mit 22 Mitarbeitern übernommen. Einer der Chefs: Martin Bimberg. Er ist Gärtner aus Leidenschaft und hat in den vergangenen Jahren verfolgt, was sich in Sachen Neuzüchtungen getan hat. Sein Sortiment hat er entsprechend der Kundennachfrage erweitert. „Alle Sorten haben ihre Zeit“, sagt er. „Die neuen Mini-Gemüse werden zwar nicht so groß, sind aber sehr ertragreich. Und selbst wenn die Früchte kleiner ausfallen, sie schmecken meist viel aromatischer.“

Den Wünschen der Selbstversorger sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Neben Mini-Tomaten, Snack-Gurken und Nasch-Chili gedeihen in unseren Breiten ebenso Zucchini, Paprika und Auberginen im Kleinformat. Wer Platz sparen will, kann es mal mit Stangenbohnen an einem Rankgitter versuchen oder mit hängenden Gurken- und Tomatensorten in Blumenampeln. Das ist der neueste Renner.

Die Kombination aus Eisenkraut, Zauberschnee, Schneeflocke, Goldmarie und Goldstaub bringt Farbe ins Spiel.
Die Kombination aus Eisenkraut, Zauberschnee, Schneeflocke, Goldmarie und Goldstaub bringt Farbe ins Spiel. © Thomas Kretschel

„Für Pflücksalate, Radieschen und Möhren sind eher Töpfe oder Hochbeete ideal“, sagt Bimberg. Überhaupt würden sich Hochbeete für alle Balkon-Gärtner eignen, die rasche Erfolge erzielen möchten. „In meinen Augen ist das Turboanbau, die Ernte ist dreimal ertragreicher als im Beet“, schätzt er. Wichtig sei, das Dreischichtsystem einzuhalten: unten Äste und Gehölz, oben Premiumerde, dazwischen Kompost oder Rasenschnitt. Sein Tipp für Familien: An den Rand des Hochbeets ein, zwei Erdbeeren der Hängesorte Elan pflanzen. So können Kinder jederzeit naschen.

Auch Himbeeren eignen sich für den Balkon, gehören aber in einen großen Kübel. Die Niedersächsische Gartenakademie rät zu den Sorten Autumn Bliss und Little Sweet Sister. Neu und besonders kompakt seien die Ruby Beauty und Raspberry Shortcake. Empfehlenswert seien auch die Blaubeersorten Bluecrop oder Northcountry für den Balkon. Bei Brombeeren rät die Gartenakademie zu speziellen Züchtungen wie die Baby Cakes, da sie keine langen Ruten, wie die herkömmlichen Sorten, haben.

Wer exotisches Beerenobst probieren möchte, kann sich eine Schwarze Apfelbeere oder Aronia auf den Balkon holen. Der letzte Schrei sind Physalis und Zuckermelonen. „Alle unsere Kunden, die es mal probiert haben, hatten eine gute Ernte“, sagt Gärtnermeister Andy Nietzold. Er führt in vierter Generation die gleichnamige Gärtnerei in Freital. Melonen bräuchten jedoch sehr viel Platz und sollten geschützt stehen. „Das übrige Obst und Gemüse dagegen braucht viel Sonne“, sagt Nietzold. Für einen Naschbalkon ideal sei eine Ausrichtung gen Süden. Das bedeute im Sommer: Mehrmals am Tag gießen, Staunässe aber vermeiden. Und welche Erde sollte man wählen? „Möglichst Bioqualität, humusreich und vorgedüngt“, sagt Bimberg.

Kommt das eigene Gemüse auf den Tisch, dürfen frische Kräuter dazu natürlich nicht fehlen. Das Gute: Egal, wie klein der Balkon ist, für ein paar Stängel Petersilie oder Thymian lässt sich immer ein Platz finden, idealerweise im Balkonkasten oder Hängetopf. „Es können hierzulande eigentlich alle Arten angebaut werden“, sagt Nietzold. Der Gärtnermeister hat neben Klassikern, wie Salbei, Zitronenmelisse oder Liebstock, auch ausgefallenere Sachen im Sortiment. Relativ neu sind Olivenkraut und Süßkraut. Letzteres kann, wie der Name schon sagt, zum Süßen von Speisen verwendet werden, beispielsweise von Obstsalat, Quarkspeisen oder Tee.

Der grüne Hängebambus, der trotz seines Namens nichts mit Bambus zu tun hat, passt zu einer Fächerblume.
Der grüne Hängebambus, der trotz seines Namens nichts mit Bambus zu tun hat, passt zu einer Fächerblume. © Thomas Kretschel

Bei den Kunden der Gärtnerei Bimberg beliebt ist das italienische Töpfchen mit Rosmarin, Majoran und Oregano. Die Kräuter halten schon mal ein paar Tage ohne Wasser aus. „Am besten stehen sie auf Pflanzgranulat“, sagt Bimberg. Zum einen sorge das für eine bessere Belüftung im Topf, zum anderen speichere der Ton Wasser, und die Pflanzen holen sich nur so viel, wie sie gerade benötigen.

Die wichtigste Regel in der Kräuterkunde: „Wer verschiedene Kräuter in einem Topf kombiniert, sollte darauf achten, dass sie einen ähnlichen Anspruch an den Standort und Wasserbedarf haben“, sagt Bimberg. Er würde außerdem Schnittlauch und Petersilie trennen, da die ätherischen Öle des Schnittlauchs den Wuchs der anderen Wurzeln blockieren. Auch Minze gehöre in einen extra Kasten. „Die Pflanze wuchert enorm und unterdrückt feinere Kräuter neben sich“, so der Gartenprofi.

Wer seinen Balkon besonders bienenfreundlich gestalten möchte, sollte immer ein paar Kräuterstängel stehen lassen, damit sie blühen können. „Wildbienen lieben blühende Kräuter“, sagt Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Sie empfiehlt Salbei, Zitronen-Thymian, Bohnenkraut, Minze und Basilikum. Wer zusätzlich mit der Wahl seiner Blumen Gutes tun möchte, sollte sich für Margeriten, Sonnenblumen oder Kapkörbchen entscheiden. „Bienen freuen sich aber ebenso über Steinkraut und Elfenspiegel“, sagt Andy Nietzold.

Apropos Blumen: Ein paar bunte Farbkleckse sollten auf keinem Balkon fehlen. Wer Lust auf etwas Neues hat, hat die Qual der Wahl. Die Züchter haben jede Menge neuer Farben und Formen hervorgebracht. Ein Hingucker ist die Petunie Night Sky. Die weißen Sternenpünktchen auf dem dunkelvioletten „Nachthimmel“ geben ihr ihren Namen. Sie blüht die ganze Saison hindurch. Ähnlich strahlt die Petunie Lightning Sky mit ihren dunkelroten Blüten und der hellgelben Zeichnung.

Wie ein Nachthimmel voller Sterne: Die Lightning Sky Petunie blüht bereits seit Mitte Mai und mag es sonnig.
Wie ein Nachthimmel voller Sterne: Die Lightning Sky Petunie blüht bereits seit Mitte Mai und mag es sonnig. © Thomas Kretschel

Für Abwechslung auf dem Balkon sorgt die Pflanze des Jahres in Sachsen: der Trommelwirbel. Sie hat einen langen Stiel, und die kleinen gelben Blüten sind zu einer Kugel angeordnet. Das erinnert an einen Trommelstock. Steht sie neben den passenden, also eher kleinen Nachbarn, kommt sie besonders zur Geltung. Geeignet ist Ziersalbei. Knallige Farbkombinationen sind auch mit Buntnesseln möglich.

Ein Klassiker ist die Hängegeranie. Vor allem ältere Blumenfreunde entscheiden sich am liebsten für sie. „Die Pflanze ist sehr pflegeleicht, da kann man nicht viel verkehrt machen“, sagt Nietzold. Als Alternative schlägt er neue Hybrid-Sorten vor, ein Mix aus hängenden und stehenden Geranien, die Sonne abkönnen und in Lachs oder Pink blühen. „Pastell- und Rosétöne sind dieses Jahr ohnehin im Trend“, sagt Bimberg. Er würde zwischen helle Geranien rot-gelbe Kapuzinerkresse pflanzen.

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Martin Bimberg empfiehlt außerdem einen Mix aus Minihängepetunien und Elfenspiegel: „Wenn die Blumen in der Sonne strahlen, sieht es aus wie ein schön gemischtes Eis.“ Rauscht dazu sanft hohes Pampasgras, werden Erinnerungen an einen Sommerabend am Strand wach.

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