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Kinder-Lebensmittel sind alles andere als kindgerecht

Die Verbraucherzentrale hat acht Produkte untersucht. Sie sind überteuert, manche sogar schädlich.

Dieser rosa Senf enthält den Farbstoff E 122. Er steht im Verdacht, die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern zu beeinträchtigen.
Dieser rosa Senf enthält den Farbstoff E 122. Er steht im Verdacht, die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern zu beeinträchtigen. © Verbraucherzentrale Brandenburg

Ein quietschvergnügtes Einhorn mit regenbogenfarbenem Schwanz hüpft über ein Glas mit rosa Senf. Der Hersteller hat es mit seinem Produkt ganz eindeutig auf kleine Mädchen abgesehen, um die Eltern zum Kauf anzuregen. Aber der Einhornsenf enthält laut Zutatenliste den Farbstoff E 122, Azorubin. „Er steht im Verdacht, Allergien auszulösen und die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern zu beeinträchtigen“, sagt Carola Clausnitzer, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Das ist das Absurde: Der Hersteller kreiert ein Produkt, das sich offensichtlich an Kinder richtet, dessen Inhaltsstoff aber gerade für Kinder schädlich sein kann.“

Zusammen mit ihren Kollegen hat sie acht Lebensmittel untersucht, die speziell für Kinder konzipiert wurden. Neben dem rosa Senf von Altenburger finden sich darunter etwa Kindermilch von Hipp, Schmelzkäse von Zott, das Zuckerspray Fire Killer im Minifeuerlöscher oder das stille Babywasser von Baby’s World.

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Babywasser, zu 100 Prozent aus Wasser

„Spezielle Lebensmittel sind für Kinder ab dem ersten Lebensjahr aus ernährungsphysiologischer Sicht unnötig. Sie sind Produkterweiterungen der Hersteller, um den Absatz zu steigern“, sagt Clausnitzer. Zur ausgewogenen Ernährung trügen sie meist nicht bei. Häufig seien sie zu süß, zu teuer oder produzierten zu viel unnötigen Verpackungsmüll. In jedem Fall seien sie „schlicht überflüssig“. So wie das Babywasser, das zu 100 Prozent aus Wasser besteht. Laut Hersteller eignet es sich als Durstlöscher für Säuglinge und die Zubereitung von Babynahrung – genau wie jedes andere Wasser auch. Nur kostet es mit 50 Cent pro Liter genau 250 Mal so viel wie herkömmliches Trinkwasser aus der Leitung. Das kostet pro Liter nur 0,2 Cent. „Eltern können ihren Kindern ruhigen Gewissens abgekochtes Leitungswasser anbieten“, empfiehlt die Ernährungswissenschaftlerin.

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Sie rät, vor allem bei neuen Produkten, einen Blick auf Zutatenliste und Nährwerttabelle zu werfen. „Das hilft, Zuckerbomben oder kritische Inhaltsstoffe zu erkennen“, so Clausnitzer. Zudem solle man Werbeversprechen nicht für bare Münze, Warnhinweise hingegen ernst nehmen. So weist nicht nur die Firma Altenburger auf der Rückseite des Senfglases deutlich auf die Gefahr durch den Farbstoff Azorubin hin. Auch die Hersteller des Zuckersprays warnen wegen des enthaltenen Zuckers und der Citronensäure vor regelmäßiger Anwendung. Diese Inhaltsstoffe tragen zur Entstehung von Karies bei und greifen den Zahnschmelz an. 

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