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Klinik wählt holländischen Essenanbieter ab

Patienten und Mitarbeiter kritisierten die Verpflegung in den Asklepios-Kliniken Sebnitz und Hohwald. Es folgte eine Blindverkostung - und eine Entscheidung.

Mitarbeiter der Klinik bei der Blindverkostung.
Mitarbeiter der Klinik bei der Blindverkostung. © Daniel Schäfer

Das Essen ist eine Katastrophe. Es stinkt zum Himmel. Ungenießbar. So urteilten vor allem Patienten vor fast zwei Jahren über das Mittagessen in den den beiden Asklepios-Kliniken in Sebnitz und im Hohwald nach der Umstellung  auf das Cook & Freeze-Prinzip. Im November 2018 wurden die Küchen für die Mittagessenzubereitung in der Asklepios Orthopädische Klinik Hohwald und der Sächsische Schweiz Klinik in Sebnitz geschlossen. Sechs Küchenmitarbeiter wurden entlassen. Die Asklepios-Geschäftsführung begründete das damals mit nicht mehr vertretbaren Kosten. 

Fortan kam das Essen aus Holland. Dort wurde es in der Forma Marfo zubereitet, verpackt, schockgefrostet und in gefrorenem Zustand einmal wöchentlich per Laster in die Klinik gebracht. Dort wurden die verschiedenen Speisen in Kühlzellen gelagert und später in speziellen Servierwagen für die Patienten erwärmt. Eine Vorgehensweise, die auch in anderen Kliniken durchaus üblich ist.

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Allerdings gab es Beschwerden über die Qualität des Mittagessens, sowohl bei Patienten als auch bei Klinikmitarbeitern. Ende letzten Jahres gab es zum Beispiel in der Sebnitzer Klinik insgesamt 22 Beschwerden und in der Hohwaldklinik wurden 15 gezählt. Bei etwa 225 Portionen täglich allein nur in der Hohwald-Klinik relativiert sich die Anzahl der Kritiker. 

Allerdings war dann schon in der Öffentlichkeit die Qualität des Mittagessens längst ein Thema, wohl mehr als die medizinische Versorgung. Deshalb hatte sich die Asklepios-Geschäftsführung auch entschlossen, ein Testessen - also eine Blindverkostung - zu organisieren.

So wurde der neue Anbieter ausgewählt

Frisch gekocht wird in beiden Kliniken auch künftig nicht mehr. Das kündigte Asklepios-Regionalgeschäftsführer Patrick Hilbrenner bereits vor der Blindverkostung an. Man habe sich in beiden Kliniken für das Cook & Freeze-Prinzip entschieden und möchte dafür nun den besten Anbieter finden, hieß es.

Etwa 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben in zwei Durchgängen in Sebnitz und im Hohwald das Essen begutachtet, gekostet und entschieden. 

Drei Anbieter hatten sich an der Blindverkostung beteiligt. Jeder brachte dieselben Gerichte mit, die einem Vergleich standhalten sollten.
Drei Anbieter hatten sich an der Blindverkostung beteiligt. Jeder brachte dieselben Gerichte mit, die einem Vergleich standhalten sollten. © Daniel Schäfer

"Die Blindverkostung war eine ideale Möglichkeit, um verschiedene Anbieter für Speisen nach dem Cook & Freeze-Prinzip auf den Prüfstand zu stellen“, so Diana Richter, Geschäftsführerin der Asklepios Orthopädischen Klinik im Hohwald.  Die eigenen Mitarbeiter wurden deshalb von Notarin Nadine Crenze aus Neustadt per Zufallsprinzip ausgewählt und schriftlich eingeladen. 

Als Testesser probierten sie sich durch vergleichbare Gerichte, die unter identischen Bedingungen aufbereitet wurden und gaben in einem Bewertungsbogen ein Votum über Optik, Menüzusammenstellung, Geruch, Geschmack, Konsistenz und den Gesamteindruck ab. Insgesamt haben sich drei Anbieter an der Blindverkostung beteiligt. Ob der bisherige Partner aus den Niederlanden dabei war, war nicht zu erfahren. Um gleiche Bedingungen zu schaffen, hatten auch alle drei Anbieter die gleichen Gerichte mitgebracht.

Verkostet wurden Schollenfilet mit Spinat und einem Kartoffelprodukt, Rinderroulade mit Rotkohl und Kartoffeln, Tortellini mit Gemüse, Hühnercurry mit Reis, Hackbraten sowie Linseneintopf. Schon optisch unterschieden sich die Gerichte. Und offenbar auch im Geschmack. Das daraus entstandene Ranking erlaubte dem Notar, der Asklepios-Geschäftsführung ein eindeutiges Ergebnis zur Verfügung zu stellen. Dazu hatte Nadine Crenze alle Fragenbögen ausgewertet.

Ab dem 1. Oktober wird demnach ein neuer Anbieter die Hohwaldklinik und die Sächsische Schweiz Klinik in Sebnitz mit Mittagessen versorgen. Die Mitarbeiter haben sich für die Menü-Manufaktur Hofmann entschieden. Diese wurde im Jahr 1960 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Boxberg-Schweigern im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Dem eigenen Bekunden nach werden täglich an die 200.000 Menüportionen frisch gekocht, schockgefrostet und dann ausgeliefert. Rund ein Viertel der Kunden sollen Krankenhäuser sein. Dazu kommen Kindertageseinrichtungen, Schulen und Seniorenheime. 

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