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Hier werden Arbeit und Ernte geteilt

Bei der Solawi in Neustadt steht die Kartoffelernte an. Die Helfer kommen aus den eigenen Reihen. Bei ihnen geht es aber noch um viel mehr.

Jörg Häntzschel unterstützt die Idee von Susann Jande aus Oberottendorf.
Jörg Häntzschel unterstützt die Idee von Susann Jande aus Oberottendorf. © Daniel Schäfer

Nur für das Foto hat sich Jörg Häntzschel das T-Shirt noch darüber gezogen. Ansonsten arbeitet er an der frischen Luft lieber mit freiem Oberkörper und ohne Schuhe. Wobei, frisch ist die Luft in diesen Tagen auf dem Kartoffelacker des Projektes Solidarische Landwirtschaft (Solawi) von Susann Jande im Neustädter Ortsteil Oberottendorf nun wahrlich nicht. Trotzdem haben sich einige der Mitglieder, die aus der gesamten Region kommen, mit Hacken und Körben hier versammelt, um Kartoffeln zu ernten. Frisch vom Feld. Jeder bekommt dann seinen Anteil. Das ist das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft von Susann Jande. Und für Jörg Häntzschel ist es schon eine philosophische Frage, eine Lebenseinstellung. Deshalb ist er auch mit dabei. 

Seiner Meinung nach werden Landwirtschaft und Handwerk sowieso vernachlässigt. Das werde ganz einfach nicht mehr geschätzt, werde vergessen. Und deshalb fand er die Idee von Susann Jande gut, eine Solawi zu gründen, auf den Feldern kurz vor Oberottendorf, direkt an der Umgehungsstraße nach Bischofswerda. Ihm gehe es darum, dass die Menschen die Natur viel mehr wahrnehmen und auch die Produkte von ihr. Man solle doch endlich verstehen lernen, wie sich die Kreisläufe auch bei der Nahrungskette schließen, sagt Jörg Häntzschel und stampft mit bloßen Füßen durch den staubigen Boden, um weiter mit den Händen die Kartoffeln aus dem Boden zu holen.

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Ganz nah an und mitten in der Natur sein will er. Und das eint ihn mit den derzeit neun Mitgliedern des Solawi Projektes. Immer mehr Menschen hätten sich in den letzten Jahren dafür entschieden, ihre Nahrungsmittelquelle wieder näher an den eigenen Tisch zu holen und dabei Landwirte zu unterstützen, die sich die Mühe machen, gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel anzubauen und zu produzieren. Schon seit Längerem gibt es ein ähnliches Projekt auf dem Schellehof in Struppen. Diese wird dort in größerem Format als bei Susann Jande geführt. Aber gerade das Übersichtliche und das Miteinander reizt ihre Mitglieder offenbar.

Handarbeit mit Leidenschaft

"Alles ist hier klein und fein.  Und da lernt man die Nahrung die auf den Tisch kommt, auch mehr wertschätzen", sagt Jörg Häntzschel. Das Wissen, woher es kommt, hat auch eine Rentnerin aus Langburkersdorf überzeugt, sich der Solawi-Idee anzuschließen. Und das Ganze mache dann auch noch Spaß, wenn man sich in der Gemeinschaft treffe und wie jetzt Kartoffeln erntet. Das ist eine mühevolle Arbeit und die Knollen scheinen immer mehr zu werden. Etwa zehn Tonnen werden es wohl sein, zuviel für die Gemeinschaft. Deshalb verkauft Susann Jande den Rest. "Fast parallel dazu müssen noch die Möhren aus dem Acker", sagt sie.    

Susann Jande aus Oberottendorf hat reichlich Gemüse angebaut. Nicht für sich, sondern für die Mitglieder ihres Landwirtschaftsprojektes.
Susann Jande aus Oberottendorf hat reichlich Gemüse angebaut. Nicht für sich, sondern für die Mitglieder ihres Landwirtschaftsprojektes. © Tom Weber

Sie macht aber nicht nur im Herbst den Rücken krumm. Denn Sinn des Projektes ist es, die Mitglieder das ganze Jahr über mit frischen Produkten zu versorgen. Natürlich möchten die auch jede Woche zum Abholtag in ihrer Kiste Gemüse haben, welches sie dann am Wochenende verarbeiten können. Persönliche Wünsche können allerdings nicht erfüllt werden. Alles wird gleichmäßig verteilt.  "Man bekommt so eine ganz andere Verbindung zum Essen. In den Supermarkt kann jeder gehen. Hier weiß man, was in den Kochtopf kommt", sagt Anne, deren Familie ebenfalls Mitglied ist. So eine wöchentliche  "Überraschungskiste" stellt dann so manchen vor eine große Herausforderung in der Küche. In diesem Jahr gab es zum Beispiel reichlich Tomaten. Was mit dem Überfluss tun? Der Rentnerin aus Langburkersdorf kam die Idee. "Ich habe die Tomaten als Suppe verarbeitet und eingekocht", sagt sie. Und wer partout nicht weiter weiß, dem hilft Susan Jande auch schon mal mit einem Rezept aus.

Und so geht solidarische Landwirtschaft in Oberottendorf: Jeder Mitstreiter bezahlt einen Monatsbeitrag von 70 Euro. Dafür bekommt er jeden Donnerstag eine Kiste mit frischem Gemüse, welches vor wenigen Minuten auf dem Feld geerntet wurde.

Vor dem Buß- und Bettag findet eine Mitgliederversammlung statt mit einem kleinen Erntefest. Da kann man sich austauschen, was gut gelaufen ist, was nicht. Dann wird auch besprochen, was im kommenden Jahr alles angebaut werden soll. Neue Mitstreiter sind willkommen. Allerdings sollten die erst im neuen Jahr mit einsteigen. Aber anmelden kann man sich schon jetzt unter der E-Mail-Adresse: [email protected] oder per Telefon unter 0160 2788660.

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