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Veganer, Vegetarier, Alles: Wer is(s)t gesünder?

Eine Studie hat Essverhalten und Nährstoffversorgung bei Kindern untersucht. Die Ergebnisse überraschen.

Hamburger ist lecker. Damit ich ihn essen kann, musste ein Tier sterben. Will ich das? Was esse ich?
Hamburger ist lecker. Damit ich ihn essen kann, musste ein Tier sterben. Will ich das? Was esse ich? © 123rf

Blutarm, untergewichtig, leistungsschwach: Für Menschen, die auf tierische Lebensmittel verzichten, gibt es unzählige Vorurteile. Je nach Sichtweise gibt es die aber auch für Fleischesser. Die seien übergewichtig, träge und herzkrank. Es ist ein Glaubenskrieg, der besonders heftig wird, wenn es um die Ernährungsweise von Kindern und Jugendlichen geht.

Viele lebenswichtigen Vitamine, Mineralien und Nährstoffe kommen gehäuft, manche ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Eltern, die ihre Kinder fleischlos aufwachsen lassen, sehen sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt, verantwortungslos zu handeln. Denn Kinder haben wachstumsbedingt einen höheren Nährstoffbedarf. In Deutschland sind 3,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen Vegetarier – sie verzichten auf Fleisch, essen dafür aber Milch, Käse, Butter und Eier. 0,1 Prozent sind Veganer, die alle tierischen Lebensmittel meiden und meist noch nicht einmal Honig essen. Die übergroße Mehrheit, 95,5 Prozent, lebt von Mischkost.

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Die Datenlage ist dürftig

Doch obwohl die Anzahl der minderjährigen Vegetarier und Veganer steigt, gab es bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen, welche Ernährungsweise die Bessere ist. Niemand konnte valide Aussagen über die gesundheitlichen Vor- und Nachteile einer pflanzenbasierten Nahrung im Vergleich zur Mischkost treffen. „Die Forschungslage ist schlecht. Wir kennen nur drei Publikationen zu veganen Kindern“, sagt Dr. Markus Keller vom Institut für alternative und nachhaltige Ernährung in Biebertal bei Wetzlar. Zusammen mit Dr. Ute Alexy von der Universität Bonn hat er das nun geändert.

Die beiden Wissenschaftler haben im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) untersucht, wie sich die Ernährungsformen auf die Nährstoffversorgung Minderjähriger auswirkt. „Wir haben damit Neuland betreten“, sagt Keller. Für die Querschnittsstudie hat das Forscherteam Körpermaße, Essverhalten und Nährstoffzufuhr bei 401 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren verglichen. 150 von ihnen sind Vegetarier, 114 Veganer und 137 omnivor, also Mischkostesser. Die Ergebnisse ihrer VeChi-Youth-Studie haben die Wissenschaftler jetzt im aktuellen Ernährungsbericht der DGE vorgestellt.

Wer kein Fleisch isst, isst mehr Gemüse

Egal, welche Ernährungsform, so ihr Fazit, „die Versorgung mit den Hauptnährstoffen sowie den meisten Vitaminen und Mineralstoffen ist bei der überwiegenden Zahl der Studienteilnehmer ausreichend“, sagt Ute Alexy. Die Kinder sind altersgemäß entwickelt. Signifikante Unterschiede gibt es weder bei ihrer Größe noch ihrem Gewicht. „Vegane und vegetarische Kostformen sind offenbar auch im Kindes- und Jugendalter geeignet, ein altersgemäßes Wachstum sowie eine ausreichende Versorgung mit Makronährstoffen sowie den meisten Mikronährstoffen sicherzustellen“, schlussfolgert die DGE. Weil die Studienteilnehmer nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung sind, seien die Ergebnisse zwar nur eingeschränkt aussagekräftig, lieferten aber trotzdem wichtige Erkenntnisse.

Unterschiede sind dennoch deutlich geworden. Wer sich fleischlos ernährt, verzehrt automatisch wesentlich mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse als ein Mischkostesser. Diese Lebensmittelgruppen gelten als gesundheitsfördernd und präventiv – und sollten auch bei Fleischessern den Großteil der Nahrung ausmachen. Die Veganer unter den Studienteilnehmern essen zudem weniger Süßes, Knabbereien und Fertiggerichte als ihre Altersgenossen. Daher nehmen sie weniger Zucker und gesättigte Fettsäuren zu sich, dafür mehr Ballaststoffe und ungesättigte Fettsäuren. Das hat sich in den Analysen der Blut- und Urinproben und in den Essensprotokollen niedergeschlagen.

Höheres Risiko eines Nährstoffmangels

Bei Veganern ist die Qualität der Kohlenhydrate und Fette am höchsten. Allerdings ist ihre Eiweißzufuhr niedriger als bei vegetarischer oder omnivorer Ernährung. Auch ihre Eisenversorgung ist deutlich schlechter als bei Mischkostessern. Das gilt genauso für die Vegetarier. Die Energie- und Nährstoffzufuhr war dennoch bei allen getesteten Kindern und Jugendlichen ungefähr gleich gut. Es gab nur wenige übergewichtige und adipöse Teilnehmer.

Veganer und Vegetarier haben ein erhöhtes Risiko, unter Nährstoffmangel zu leiden. Das gilt vor allem für die Stoffe, die in pflanzlichen Lebensmitteln entweder gar nicht oder nur in relativ niedrigen Konzentrationen vorkommen, insbesondere Vitamin B12. Es ist hauptsächlich in Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern enthalten. Der Körper braucht es für Blutbildung, Zellteilung und Nerven. 88 Prozent der Veganer nehmen Nahrungsergänzungsmittel und beugen so dem Mangel vor. Vegetarier tun das viel seltener und sind schlechter mit dem Vitamin versorgt.

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Ein Problem haben alle – unabhängig von der Ernährungsform – mit Vitamin B2, Jod und Calcium, die unter anderem wichtig für Stoffwechselvorgänge, Wachstum, Muskeln und Immunabwehr sind. „Die Versorgung damit ist bei allen drei Gruppen kritisch und sollte verbessert werden“, empfiehlt Keller den Eltern.

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