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Wo bekommt man Fleisch aus besserer Tierhaltung her?

Ein Ehepaar aus Olbersdorf achtet auf die Fleisch-Herkunft und will regional und artgerecht kaufen. Warum das zwischen Löbau und Zittau besonders schwierig ist.

Von Anja Beutler
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Fleischermeister Henry Engemann im Gespräch mit Monika Wenzel, die mehr über die Herkunft des Fleisches wissen will.
Fleischermeister Henry Engemann im Gespräch mit Monika Wenzel, die mehr über die Herkunft des Fleisches wissen will. © Matthias Weber/photoweber.de

Monika Wenzel isst gern einmal ein gutes Stück Fleisch. Und "gut" ist Fleisch für sie vor allem dann, wenn die Tiere zuvor unter akzeptablen Haltungsbedingungen gelebt haben. Fleisch von Tieren aus reiner Stallhaltung mit eher wenig Platz kommt für sie und ihren Mann Andreas eigentlich nicht mehr in die Einkaufstasche, seit sie im Süden des Kreises einmal zufällig einen Kuhstall gesehen haben, der sie persönlich sprachlos machte. Manche sagen "Kuh-KZ" dazu. Somit fällt alles, was im Supermarkt mit Haltungsform 1 oder 2 gekennzeichnet ist, für die Olbersdorferin aus der Wertung. Das Problem dabei: "Es gibt in den Supermärkten und Discountern kaum Fleisch aus besserer Haltung - wo also bekomme ich das zu kaufen?", fragt sie sich.

Als Alternative hat sie persönlich die Fleischerei Engemanns aus Hirschfelde entdeckt. Engemanns haben Kontakte zu Bauern in der Nähe. Schlachten lassen sie in Bautzen bei einem Fleischer, der ebenfalls noch Fleisch von ihm bekannten Höfen anbietet. "Wir kennen einen Großteil der Bauern direkt und wissen immer, woher das Fleisch kommt", sagt Rosemarie Engemann. Für Monika Wenzel ist das wichtig. Die Tiere sollen zudem keinen unnötigen Transportstress haben. "Aber ich würde schon gern wissen, wo das Fleisch aus besserer Haltung hier aus der Region eigentlich ist? Wird das alles in andere Bundesländer verkauft, dass hier so wenig in den Einkaufsmärkten zu finden ist?", fragt sie sich.

Eric Krems, Geschäftsführer des Bauernverbandes Oberlausitz, kann diese Frage sofort beantworten: "Es gibt hier in der Region schlicht nicht so viele Betriebe, die noch Rinder für die Schlachtung züchten", erklärt er. Der Bauernhof Sell in Waltersdorf fällt ihm spontan ein, oder der Öko-Hof Wobst in Mittelherwigsdorf. Die allermeisten Kühe, die man in der Oberlausitz in den Ställen oder gelegentlich auf der Weide stehen sehe, seien Milchkühe - oder eben Mutterkuhherden. "Züchten und Mästen für die Fleischproduktion lohnt sich hier oft nicht", sagt er mit Blick auf Rinder und verweist auf Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern, wo es viel mehr Grünflächen gebe. Spontan fallen ihm im Landkreis Görlitz nur wenige Landwirte ein, die auf Fleischrinder setzen. Bei der Schweinezucht sieht es in Sachen bessere Haltungsbedingungen nicht besser aus.

Beste Chance beim Fleischer

Wer wie die Wenzels Fleisch aus besserer Tierhaltung sucht, sollte es deshalb statt im Supermarkt beim Fleischer probieren. Das sagt Uwe Uhlmann, Geschäftsführer des Sächsischen Fleischerinnungsverbandes. Denn Fleischer legten viel Wert auf Regionalität und höherwertige Haltungsformen. Das sei ja ihr Qualitätsmerkmal. Allerdings räumt auch Uhlmann ein, dass man nicht verallgemeinern könne und nicht alle Fleischer regionale Schlachtung und höhere Qualitätsstufen bevorzugten oder umsetzen könnten. Hinzu komme das Problem, dass es in Sachsen selbst keinen großen Schlachthof mehr gebe.

Das kann Eric Krems vom Bauernverband nur bestätigen: "Es gibt viele Fleischereien, die beim Großhandel bestellen und die somit nicht sagen können, woher die Tiere stammen und wie die Tiere dort gehalten werden", schildert er seine Erfahrungen. Wer als Landwirt nicht direkt an Fleischer verkauft oder über einen Hofladen selbst vermarktet, dessen Tiere gehen entweder zum Mäster oder gleich über Zwischenhändler zu einem zentralen Schlachthof und dann in den Großhandel. "Man muss also auch beim Fleischer nachfragen oder gleich in einen Hofladen gehen", sagt Krems.

Zum Beispiel in den Hofladen von Clemens Göbel. Der Landwirt hält in Ruppersdorf rund 50 Kühe, schlachtet und vermarktet das Fleisch selbst. "Im Winter sind meine Tiere im Laufstall, der groß und luftig ist, und im Sommer stehen sie auf der Weide", sagt er. Ein Bio- oder Öko-Label habe er bislang nicht angestrebt. "Meine Kunden sehen ja, wie ich die Tiere halte, es ist alles transparent", sagt er. Göbel hat Käufer von Görlitz bis Bautzen, die für sein Fleisch weite Wege in Kauf nehmen. "Meine Kunden wissen, wenn das Fleisch alle ist, ist es alle. Viele lassen sich deshalb vormerken, wenn sie Tafelspitz oder falsches Filet haben wollen", schildert er. Wieder mehr bewusst zu machen, dass ein gutes Stück Fleisch etwas Besonderes ist, sei ihm wichtig, erklärt Göbel. Und doch sei es schwierig, die Balance beim Preis-Leistungs-Verhältnis zu halten. Göbel selbst liegt nach eigenen Angaben mit seinem Kilopreis zwischen dem Premium-Fleischer und dem Discounter, sagt er. Aber das sei eigentlich schon grenzwertig.

Verbraucherzentrale: Kein regionales Problem

Ist es also ein regionales Problem, dass Fleischprodukte aus besseren Tierhaltungsbedingungen beim Einkaufen Mangelware sind? Nein, denn dieses Dilemma beklagt die Verbraucherzentrale bundesweit: Bei Marktchecks im Sommer 2019 und im Herbst 2020 ermittelte der Verband, dass 51 Prozent der Produkte aus der niedrigsten Haltungsart 1 stammen, 36 Prozent aus Stufe 2, was sich vor allem bei Geflügel niederschlägt. Die hohen Stufen 3 und 4, bei denen die Tiere in großzügigeren Ställen mit der Möglichkeit zum Auslauf und ohne gentechnisch verändertes Futter gehalten werden, machten nur knapp 13 Prozent aus. Und vor allem beim Rindfleisch gab es oft nur hopp oder topp: Haltungsform 1 oder 4.

Für Monika Wenzel ist diese Lage unbefriedigend, bedeutet es doch, dass man Fleisch aus artgerechterer Tierhaltung nach wie vor suchen muss. Eine Faustregel oder Übersicht für die Region gibt es nicht.