merken
PLUS Löbau

Die Marmeladen-Frau von Rosenhain

Annegret Knieß trägt die Früchte ihres riesigen Gartens als Frühstücks-Aufstrich zu Markte. Ihre Sorten haben ein süßes Geheimnis.

Annegret Knieß erntet in ihrem riesigen Rosenhainer Garten die Früchte für ihre Marmeladen.
Annegret Knieß erntet in ihrem riesigen Rosenhainer Garten die Früchte für ihre Marmeladen. © Matthias Weber/photoweber.de

Das fruchtig bunte Reich von Annegret Knieß misst gut 7.500 Quadratmeter. Auf den Wiesen ihres historischen Gehöfts am Rande von Rosenhain stehen etliche Obstbäume: Äpfel, Pflaumen, Pfirsiche, Birnen, Quitten, Mirabellen - was für eine Vielfalt. In einem kleinen Bauerngarten kultiviert sie dazu noch Erdbeeren und Tomaten. Und es ist nicht übertrieben, diesen Ort einen Garten Eden zu nennen. Denn die Ernte landet immer öfter als süße Versuchung auf Oberlausitzer Frühstückstischen. Annegret Knieß ist die "Marmeladen-Frau".

Die süß-klebrige Karriere war der 58-Jährigen weiß Gott nicht in die Wiege gelegt. Einst träumte sie davon, Meissener Porzellan zu formen - und landete dann auf dem Bau. "Ich wollte Töpferin werden und ausgebildet hat damals nur Meißen", erzählt sie. Dies allerdings geschah damals im jährlichen Wechsel mit der Ausbildung zum Porzellanmaler. "Als ich dann aus der Schule kam, wurden nur Maler ausgebildet, das wollte ich nicht", sagt Knieß. Die pragmatische Berufswahl fällte dann gewissermaßen ihre Mutter. "Die hat gesagt, wenn Du schon rummatschen willst, kannst Du auch zum Bau gehen." Sie wurde dann Baufacharbeiterin, hängte in Cottbus ein Hochbaustudium dran und war dann lange beim Bauamt der Stadt Löbau beschäftigt.

Anzeige
Nicht verpassen: Die SZ-Auktion startet bald
Nicht verpassen: Die SZ-Auktion startet bald

Ab 6. November warten bei der SZ-Auktion wieder tolle Schnäppchen, ob als Geschenk oder für einen selbst. Gleichzeitig wird damit der regionale Handel unterstützt.

Regionale Erzeugnisse finden immer mehr Anhänger

Heute arbeitet Annegret Knieß mit in der Pizzeria ihres Lebenspartners in Bautzen. "So lange wollte ich das eigentlich gar nicht machen", sagt sie - aber es muss ja nicht ewig so bleiben. Denn der langsame Wechsel ins Marmeladen-Metier begann, als sie vor sieben Jahren mit ihrem Partner einen Flügel des alten Gutshofes in Rosenhain erwarb - mit dem riesigen Garten bis hinunter zum Rosenhainer Wasser. "Dann habe ich gleich mal angefangen Marmelade einzukochen", erzählt sie. Zunächst verteilte sie die süßen Sorten nur an Freunde und in der Familie. Aber die schwenkte alsbald die weiße Fahne. "Die Familie hat dann irgendwann geächzt unter der schieren Masse", erzählt Annegret Knieß lachend - ein echtes Vermarktungs-Konzept musste her.

"Beim Blumenstraßen-Fest in Löbau habe ich dann erstmals meine Marmeladen verkauft und bin auch gleich mit Menschen ins Gespräch gekommen", erzählt sie. Das Netzwerk "Sohland lebt" kam schnell als regelmäßiger Marktplatz hinzu. Und seit neuestem ist Annegret Knieß auch bei "Marktschwärmer" im Salzhaus Zittau dabei. "Marktschwärmer" ist ein europaweites Netzwerk zur Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Das Konzept bringt regionale Erzeuger und Verbraucher direkt zusammen. "Das Schöne daran ist, dass nichts weggeworfen wird, weil wir zu den Markttagen nur mitbringen, was die Kunden vorher online bestellt haben", erklärt Annegret Knieß das ökologisch nachhaltige Prinzip, das immer mehr Anhänger findet.

Das Marmeladen-Sortiment von Annegret Knieß umfasst ein gutes Dutzend Sorten - alle im eigenen Garten angebaut.
Das Marmeladen-Sortiment von Annegret Knieß umfasst ein gutes Dutzend Sorten - alle im eigenen Garten angebaut. © Matthias Weber/photoweber.de

Annegret verspricht den puren Fruchtgeschmack

Mittlerweile fragen Kunden Annegret Knieß auch, ob sie nicht bestimmte Marmeladen-Mix-Sorten herstellen könnte - aber da macht sie nicht mit. "Mischen von verschiedenen Früchten ist ja heute in. Alles wird zusammengematscht. Aber ich will den puren Fruchtgeschmack liefern", sagt sie. Eine Ausnahme gibt's dann doch im Sortiment - aber die ist auch wirklich eine exklusive Eigenkreation von Annegret Knieß: Kürbis-Orangen-Marmelade. "Die ist ein bisschen herber, hat aber dennoch einen marmeladigen Geschmack. Das kennen viele gar nicht", erklärt sie. Ihr Bestseller ist aber ein Klassiker: "Am meisten verkaufe ich von meiner Brombeer-Marmelade."

Und ein "Geheimnis" haben die Rezepte der Marmeladenfrau auch. "Eigentlich koche ich sie stinknormal ein, aber jede Sorte bekommt beim Kochen ein kleines Sprüchlein mit auf den Weg", sagt sie. Besprochene Marmeladen gewissermaßen. "Aber halten Sie mich jetzt bloß nicht für eine Esoterikerin, das ist aus einem Flachs entstanden", erzählt Annegret Knieß lachend - bloß so als Gewissheit, dass die Marmelade wirklich mit Liebe gemacht ist.

Ein Garten Eden auch für Hühner und Ziegen

Annegret Knieß ist auch durchaus experimentierfreudig und erweitert nach und nach ihr Sortiment. "Aus den Tomaten mache ich Ketchup, ohne Zucker, sondern gesüßt mit Honig", erzählt sie. Verkostungen bei Kindern waren bereits ein voller Erfolg. "Und mein Sohn hat mir jetzt eine kleine Ölmühle geschenkt. Damit habe ich nun erstmals Walnuss-Öl von den Nüssen aus meinem Garten hergestellt. Erstaunlich, wie viel Öl man aus einer Handvoll Nüsse gewinnt", sagt sie. Und in ihrem Garten Eden leben auch glückliche Tiere. Ziegen, Kamerun-Schafe und natürlich eine Schar Hühner. "Bis vor Kurzem waren es 13, eines hat der Habicht geholt", erzählt Knieß. Auch die Eier verkauft sie nur verarbeitet. "Die brauche ich für den Eierlikör", sagt sie.

Demnächst wird sie die Fichten auf ihrem Grundstück fällen müssen. "Die sind vom Borkenkäfer total zerstört", sagt sie. Die schaffen dann Platz für neue Marmelade. "Ich überlege, Kirsche und Sauerkirsche zu pflanzen", sagt Knieß. Und auch die Romantik ihres alten Gehöfts möchte sie Kunden zukünftig zugänglich machen. "In der Scheune habe ich schon Adventsmärkte gemacht und aus dem ehemaligen Stall soll mal ein Bauernladen werden", erklärt sie ihre Pläne. Die Zeichen stehen auf Expansion. Vom Bau zu einem kleinen Imperium des guten Geschmacks? Wer weiß?

Der Phlox blüht in Annegret Knieß' kleinem Bauerngarten.
Der Phlox blüht in Annegret Knieß' kleinem Bauerngarten. © Matthias Weber/photoweber.de
Die Ziegen müssen nichts erzeugen - sie "mähen" die großen Wiesenflächen.
Die Ziegen müssen nichts erzeugen - sie "mähen" die großen Wiesenflächen. © Matthias Weber/photoweber.de
Der Gockel ist Chef der Eierlikör-Brigade.
Der Gockel ist Chef der Eierlikör-Brigade. © Matthias Weber/photoweber.de

Mehr Nachrichten aus Löbau und dem Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau und dem Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Löbau