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Edle Tropfen aus Kiesdorf

René und Silke Burkhardt produzieren seit rund einem Jahr Liköre hauptsächlich aus frischen Früchten. Die ersten Fans haben sie schon - auch wegen ihrer Kreativität.

René und Silke Burkhardt mit einigen ihrer selbst hergestellten Liköre. Einige Früchte ernten sie teilweise direkt von den eigenen Bäumen.
René und Silke Burkhardt mit einigen ihrer selbst hergestellten Liköre. Einige Früchte ernten sie teilweise direkt von den eigenen Bäumen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Auf dem Fensterbrett in der früheren Küche des Kiesdorfer Hauses stehen große Glasballons. Rote Früchte schwimmen darin. René Burkhardt schmunzelt. Er und seine Frau Silke tüfteln an Rezepten für neue Liköre. Zunächst in Probiergrößen. Dann aber durchaus in größeren Mengen und zum Verkauf. Vor rund einem Jahr haben die Burkhardts mit Herstellung und Verkauf eigener Liköre begonnen. Sogar auf der Google-Karte kann man die Burkhardt GbR Edelliköre bereits finden.

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Noch aber ist die kleine Manufaktur ein Geheimtipp, auch wenn die Zahl der Käufer und Fans wächst. "Im Österreich-Urlaub im vergangenen Jahr haben wir uns entschlossen, es mit der Likörproduktion im Nebenerwerb zu versuchen", erzählt Frau Burkhardt. Liköre oder einen Rumtopf anzusetzen, war in der Familie ihres Mannes von jeher üblich. Im Urlaub aber erlebten sie, dass man das auch ausbauen kann und es viele Fans gibt.

Heimische Früchte veredeln

Mit der Lebensmittelüberwachung des Landkreises waren die nötigen Dinge schnell geklärt. Danach besorgte sich das Paar die nötigen Behältnisse und schon ging es ans Testen. Burkhardts war dabei von Anfang an klar, dass sie keine Extrakte, sondern frische und aus der Region stammende Früchte verwenden wollten: "Wir haben beispielsweise selbst Apfelbäume auf dem Hof, bekommen aber auch welche von der Streuobstwiese in Leuba", sagt René Burkhardt. Mit Brombeeren, Pflaumen, Sauerkirschen, Birnen oder Quitten beliefern sie Nachbarn und Bekannte. Erdbeeren haben sie bei Möse in Zittau, Rhabarber von Ahr in Hagenwerder eingekauft. "Wichtig ist, dass es nichts Gespritztes ist", sagt er.

In Edelstahlgefäßen lassen sie die meisten ihrer Liköre reifen. Im Schnitt dauert das drei bis sechs Monate. Abgefüllt wird in 350-Milliliter-Flaschen.
In Edelstahlgefäßen lassen sie die meisten ihrer Liköre reifen. Im Schnitt dauert das drei bis sechs Monate. Abgefüllt wird in 350-Milliliter-Flaschen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Um die Liköre vermarkten zu können, haben Burkhardts eine eigene Firma gegründet, die sie im Nebenerwerb führen.
Um die Liköre vermarkten zu können, haben Burkhardts eine eigene Firma gegründet, die sie im Nebenerwerb führen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Auch ein eigenes Firmenschild sowie Etiketten gehören bei den Kiesdorfern zur Unverwechselbarkeit dazu. Sie verkaufen direkt ab Haus und bei einigen Händlern.
Auch ein eigenes Firmenschild sowie Etiketten gehören bei den Kiesdorfern zur Unverwechselbarkeit dazu. Sie verkaufen direkt ab Haus und bei einigen Händlern. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dass vor dem edlen Tröpfchen mitunter recht viel Arbeit steht, davon können die beiden inzwischen ein Lied singen: Äpfel waschen und schnippeln, Erdbeeren abklauben - das braucht Zeit, die sich das Ehepaar meist an Wochenenden nimmt. Beruflich haben beide eher weniger mit Lebensmitteln zu tun: Sie sind beide im Finanzamt tätig - in Löbau und Görlitz.

Liköre, die auch Männern schmecken

Womit die Kiesdorfer Liköre überzeugen, ist ihre dezente Süße. "Es ist gar nicht nötig, viel Zucker hinzuzufügen", sagt Silke Burkhardt. Daher komme nur das Nötigste hinein, was die Kunden schätzen: "Vor allem Männer sind gerade deswegen erstaunt, aber auch begeistert", schildert sie. Auch bei der Frage nach der besten Frucht-Alkohol-Kombination testen die beiden einiges aus: "Der Quitten-Whiskey war der Renner", erzählt René Burkhardt mit zufriedenem Lächeln. Rhabarber und Weingeist fänden auch gut zueinander. Bei der einzigen exotischen Frucht - der Ananas - testen die Likör-Macher die Mischung mit Rum. Zudem gibt es inzwischen einen Schwarzbierlikör - der aber keineswegs nach Bier schmeckt.

Drei bis sechs Monate lassen sie ihre Liköre im Schnitt reifen - dann werden sie abgerundet. Manchmal muss selbst das nicht sein: "Den Apfel haben wir so abgefüllt, wie er war - er war perfekt", sagt René Burkhardt. Sogar eine naturtrübe Variante habe man im Angebot - und auch sie wurde von den Kunden für gut befunden, freut sich seine Frau. Kunden finden die beiden bisher bei den Marktschwärmer-Tagen in Görlitz und Zittau. Zu haben sind die Kiesdorfer Tröpfchen - außer in Kiesdorf selbst - auch im Strahwalder Hofladen von Landwirt Hartmann und im Görlitzer Fass. "Wir suchen noch nach weiteren Partnern und sind auch auf Märkten unterwegs", erklärt Burkhardt.

Eine Flasche - mit passendem, eigens entworfenem Etikett - kostet zwischen 10 und 15 Euro im Hausverkauf. Auch einen Internet-Shop auf ihrer Internetseite bauen sich die beiden nach und nach auf. 14 Sorten haben die Kiesdorfer derzeit im Angebot. Und Möglichkeiten gibt es noch viele - auch mit Gewürzen wie Vanille oder Zimt. "Gerade fertig geworden sind Erdbeer- und Holunder- sowie ein Kräuterlikör - natürlich alle sehr lecker", erklärt René Burkhardt begeistert. Der 39-Jährige hofft, dass das auch die Kunden so sehen und die Kiesdorfer Liköre bald nicht mehr nur ein Geheimtipp sind.

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