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So gut ging es unserem Festtagsbraten

Wer Fleisch aus besseren Haltungsstandards auftischen will, muss in Supermärkten lange suchen – so das Ergebnis einer Verbraucherstudie.

Mehr als die Hälfte der Fleischprodukte in Deutschland entspricht dem gesetzlichen Standard oder liegt etwas darüber.
Mehr als die Hälfte der Fleischprodukte in Deutschland entspricht dem gesetzlichen Standard oder liegt etwas darüber. © Caroline Seidel/dpa

Wer seinen Weihnachtsbraten aus besserer Haltung auftischen möchte, hat es schwer. Auch anderthalb Jahre nach Einführung des Haltungsform-Labels bieten Supermärkte und Discounter nur ein geringes Angebot an Fleisch mit höheren Standards. Das zeigt ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen mit mehr als 1.700 verpackten Fleischprodukten, darunter 79 aus Sachsen, in rund 30 Geschäften.

Im aktuellen Marktcheck gingen die Verbraucherschützer der Frage nach, wie sich das Fleischangebot der einzelnen Stufen im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Ergebnis: Es gibt nur wenige Veränderungen. Mehr als die Hälfte der Fleischprodukte stammt nach wie vor aus der Haltungsform 1 und gut ein Drittel aus der Haltungsform 2. Das entspricht dem gesetzlichen Standard oder liegt etwas darüber. Fleisch aus Haltungsform 3 ist mit einem Anteil von drei Prozent dagegen so gut wie gar nicht im Handel erhältlich. Immerhin: Fleisch aus der Haltungsform 4 – dies ist vor allem Biofleisch – macht etwa ein Zehntel des Angebots aus.

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Wer Wert auf höhere Standards legt, hat allerdings ein Problem: Das Angebot variiert je nach Fleischsorte sehr stark. „Das schränkt die Auswahl beim Einkauf erheblich ein“, sagt Uta Viertel von der Verbraucherzentrale Sachsen. 88 Prozent des Fleisches aus Haltungsform 2 war Geflügelfleisch und zwölf Prozent Schweinefleisch. Nur ein Drittel der Geschäfte bot überhaupt Fleisch aus der Haltungsform 3 an – darunter nur ein Rindfleischprodukt. Der Rest entfiel je zur Hälfte auf Schweine- und Geflügelfleisch.

Aussagekräftigere Kennzeichnung gefordert

Und noch etwas macht den Kauf höherwertiger Fleischprodukte offenbar schwierig: Händler müssten die Haltungsform auch an Bedientheken und auf Wurstwaren kenntlich machen und besser über die Kriterien des Labels informieren, fordern die Verbraucherschützer.

Seit April 2019 kennzeichnen acht Handelsunternehmen ihre Fleischprodukte einheitlich mit dem Label „Haltungsform“. Dieses vierstufige, freiwillige Label zeigt, wie die Tiere gehalten wurden. Aus Sicht der Verbraucherzentralen kann dies aber nur eine Übergangslösung sein. „Für verlässliche Aussagen müssen darüber hinaus verhaltens- und gesundheitsbezogene Parameter wie Lahmen, Bissverletzungen, Organbefunde usw. in der Tierhaltung und am Schlachthof systematisch erhoben und ausgewertet werden“, heißt es zur Begründung. Deshalb müsse „schnellstmöglich die aussagekräftigere staatliche Tierwohlkennzeichnung“ eingeführt werden.

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