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So isst Deutschland

Mehr Gemüse, weniger Schweinefleisch: Trotzdem sind immer mehr Deutsche fettleibig, zeigt der neue Ernährungsbericht.

Gemüse ist lecker. Je eher man das weiß, desto besser.
Gemüse ist lecker. Je eher man das weiß, desto besser. © 123rf

Sauerkraut oder Spargel – welches Gemüse essen die Deutschen am liebsten? Es sind Tomaten. Etwa 28 Kilogramm davon werden hierzulande jedes Jahr pro Kopf verspeist, roh, im Salat, als Soße oder Suppe. Darauf folgen Möhren, Kohl und Zwiebelgemüse. Generell wird zwischen Aachen und Zittau mehr Gemüse gegessen, als Ernährungswissenschaftler vermutet haben, etwa 104 Kilogramm pro Kopf. Das ist eine der wenigen positiven Erkenntnisse des aktuellen Ernährungsberichtes. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihn am Dienstag online vorgestellt. Auf knapp 500 Seiten präsentiert die DGE darin Daten und Forschungsergebnisse aus den vergangenen vier Jahren zur Ernährungssituation in Deutschland.

„Es werden mehr Mineralwasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees getrunken. Das ist sehr erfreulich“, sagte Professor Kurt Gedrich. Um das Essverhalten zu analysieren, hat der Ernährungswissenschaftler der Technischen Universität München die Agrarstatistik ausgewertet. Die zeigte auch, dass weniger Bier, Schaumwein und Spirituosen getrunken wurden. Weniger heißt aber nicht wenig: Immerhin liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier bei rund 100 Litern pro Jahr. Weiterer Grund zur Freude für den Ernährungswissenschaftler: Pro Kopf und Jahr wurden rund 340 Gramm weniger Schweinefleisch gegessen – etwa drei Schnitzel. Weil gleichzeitig aber der Verbrauch an Kalb-, Rinds- und Geflügelfleisch leicht stieg, hat sich der jährliche Fleischkonsum stabil bei etwa 60 Kilogramm pro Person gehalten. Die Analysen zeigen zudem, dass Obst, frische Kartoffeln und Vollkornprodukte wie Brot und Brötchen seltener auf den Tellern landen. „Das steht im Widerspruch zu einer pflanzenbetonten Ernährung, wie sie die DGE für eine vollwertige Ernährung empfiehlt“, sagte Gedrich.

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Der Trend, zu viele stark verarbeitete, energiereiche Lebensmittel zu essen und sich zu wenig zu bewegen, ist ungebrochen. Deshalb steige die Zahl der Übergewichtigen und Fettleibigen weiter an. Alle Altersgruppen sind davon betroffen, manchmal schon, bevor der Mensch überhaupt auf der Welt ist. Denn immer mehr Schwangere sind bei der Erstuntersuchung übergewichtig, wie Daten des Mikrozensus zeigen. 2007 traf das auf 34,1 Prozent der werdenden Mütter zu, zehn Jahre später auf 39,3 Prozent. „Das hat Folgen für Mutter und Kind“, sagte Professor Helmut Heseker von der DGE. Fettleibigkeit lässt das Risiko für Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes steigen. Weil die Mutter ihr ungeborenes Kind mit Nährstoffen überversorgt, besteht gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby zur Geburt übergroß und übergewichtig ist. Dazu zählen alle Neugeborenen, die mehr als 4.350 Gramm wiegen. Das kann den Geburtsvorgang verlängern und für Komplikationen sorgen. „Eine zu hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht auch das Risiko des Kindes für Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und das Metabolische Syndrom“, sagte Heseker.

Viele übergewichtige Kinder auch später dick

Schwangere sollten nicht mehr als zehn bis 16 Kilogramm zunehmen, Übergewichtige zehn Kilogramm. Ihr Energiebedarf werde häufig überschätzt und steigt erst ab dem 7. Monat um 500 Kilokalorien – allerdings nur bei Normalgewichtigen, die weiterhin körperlich aktiv sind.

Bei Kindern und Jugendlichen bleibt Übergewicht ein ernsthaftes Problem, wobei Kinder aus sozial schwächeren Elternhäusern viermal so häufig darunter leiden wie ihre Altersgenossen. 15,4 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen waren 2017 übergewichtig oder adipös. Das ist jeder Siebente. Auswertungen der Schuleingangsuntersuchungen und der KIGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts belegen zudem, dass aus den meisten übergewichtigen Kindern auch übergewichtige Jugendliche und Erwachsene werden. So blieben in der Langzeitstudie von 100 betroffenen Kindern 65 adipös, elf hatten Übergewicht, 24 erreichten ein Normalgewicht.

Je älter die Deutschen werden, desto dicker werden sie auch. Insbesondere Männer seien in allen Altersgruppen häufiger betroffen als Frauen. Zwischen 18 und 54 Jahren sind knapp 60 Prozent von ihnen übergewichtig, bei den Frauen sind das 37 Prozent. „Männer nehmen pro Jahr ein bis anderthalb Kilogramm zu“, so Heseker. Ab einem Alter von 35 Jahren sind die Normalgewichtigen in der Minderheit. Frauen achten mehr auf ihre Statur. Aber auch sie werden dicker. Ab 60 Jahren, so der Ernährungswissenschaftler, gebe es mehr Über- als Normalgewichtige. Auch immer mehr Hochbetagte seien adipös, was Probleme bei der Pflege und Betreuung nach sich zöge. „Übergewichtig zu werden, ist fast als normal anzusehen“, sagte er und fordert viel mehr Präventionsmaßnahmen im Bereich der Ernährung, körperliche Aktivität und Lebensstiländerung.

Das steht auf den Einkaufslisten ganz weit vorn

Kein Getränk wird mehr getrunken als Kaffee: Rund 165 Liter pro Jahr und Person. Mineralwasser (150 l), Erfrischungsgetränke (125 l) und Bier (100 l) folgen.
Kein Getränk wird mehr getrunken als Kaffee: Rund 165 Liter pro Jahr und Person. Mineralwasser (150 l), Erfrischungsgetränke (125 l) und Bier (100 l) folgen. © dpa
Schweinebraten bleibt für viele unverzichtbar. 37 Kilo Schwein, 13 Kilo Geflügel, 10 Kilo Kalb- und Rind sowie rund 15 Kilo Fisch isst jeder im Durchschnitt pro Jahr.
Schweinebraten bleibt für viele unverzichtbar. 37 Kilo Schwein, 13 Kilo Geflügel, 10 Kilo Kalb- und Rind sowie rund 15 Kilo Fisch isst jeder im Durchschnitt pro Jahr. © Gräfe und Unzer Verlag
Äpfel sind immer noch das liebste Obst der Deutschen, auch wenn ihr Verbrauch von 35 auf 22 Kilo pro Jahr gesunken ist – seit 2017. Pfirsiche, Birnen, Kirschen folgen.
Äpfel sind immer noch das liebste Obst der Deutschen, auch wenn ihr Verbrauch von 35 auf 22 Kilo pro Jahr gesunken ist – seit 2017. Pfirsiche, Birnen, Kirschen folgen. © dpa
Auch auf Süßes verzichten die Deutschen ungern. Neun Kilo Schokolade, acht Kilo Speiseeis, 5,5 Kilo Zuckerwaren und ein Kilo Honig nascht jeder pro Jahr.
Auch auf Süßes verzichten die Deutschen ungern. Neun Kilo Schokolade, acht Kilo Speiseeis, 5,5 Kilo Zuckerwaren und ein Kilo Honig nascht jeder pro Jahr. © dpa

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