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Versteckte Preiserhöhungen bei vielen Chips-Sorten

Verbraucherschützer küren Funny Frisch-Produkte zur Mogelpackung des Monats. Doch auch andere Marken tricksen mit weniger Inhalt zum gleichen Preis.

Von Katrin Saft
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Vorher und nachher mit weniger Inhalt.
Vorher und nachher mit weniger Inhalt. © Verbraucherzentrale Hamburg

Nicht nur bei der Fußball-WM gehören Chips, Tortillas oder Erdnüsse für viele zum Fernseherlebnis dazu. Doch die Verbraucherzentrale Hamburg hat jetzt bei mehr als 30 Produkten von Hersteller Intersnack versteckte Preiserhöhungen entdeckt – nach dem Prinzip „weniger Inhalt, gleicher Preis“.

Zum Konzern gehören so bekannte Marken wie Funny-Frisch, Ültje und Chio. „Bei Funny-Frisch Chipsfrisch zum Beispiel wurde die Füllmenge von 175 auf 150 Gramm reduziert“, sagt Ernährungsexperte Armin Valet. „Weil der Preis am Regal unverändert geblieben ist, merken viele Kunden gar nicht, dass die Chips dadurch unterm Strich 17 Prozent teurer geworden sind.“

Auch andere Sorten der Marke seien geschrumpft – die Großpackung „ungarisch“ von 250 auf 215 Gramm (versteckte Preiserhöhung von 16 Prozent) und die Kleinpackung von 50 auf 40 Gramm (Preisanstieg von 25 Prozent).

Weniger Inhalt (rechts), gleicher Preis.
Weniger Inhalt (rechts), gleicher Preis. © Verbraucherzentrale Hamburg

„Auch alle uns bekannten Chio Chips-Sorten werden jetzt mit weniger Inhalt verkauft“, sagt Valet. Pro Packung seien es nur noch 150 statt früher 175 Gramm . Bei gleichem Preis entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von 17 Prozent. In Chio Tortillas-Tüten seien nun nur noch 110 statt 125 Gramm drin. Ein Preisanstieg von 14 Prozent. Und auch bei Ültje wurden die Erdnüsse in der Packung reduziert.

Rechtfertigung mit höheren Kosten

Auf Anfragen der Verbraucherschützer verweist Intersnack auf enorme Kostensteigerungen – zum Beispiel für Rohstoffe, Verpackungen, Logistik und Energie. Letzteres treffe Hersteller energieintensiver, frittierter und gebackener Produkte besonders.

„Leider erklärt die Firma nicht konkret, wie hoch die Kostensteigerungen in welchen Bereichen tatsächlich sind“, kritisiert Valet. Normalerweise würden Industrieunternehmen längerfristige Verträge mit festen Preisen vereinbaren. Um Kosten zu senken, habe Intersnack schon vor einiger Zeit bei etlichen Produkten teilweise Sonnenblumenöl durch Rapsöl ersetzt. Valet: „Dabei ist es nach unserem Kenntnisstand bis heute geblieben, obwohl Sonnenblumenöl inzwischen wieder preisgünstiger ist.“

Die Großpackung kostet jetzt unterm Strich 16 Prozent mehr.
Die Großpackung kostet jetzt unterm Strich 16 Prozent mehr. © Verbraucherzentrale Hamburg

Das Schrumpfen von Inhalten bei gleichem Preis ist zur beliebten Masche geworden – Shrinkflation genannt. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt eine Liste mit den dreistesten versteckten Preiserhöhungen. Die Funny-Frisch-Chips landen diesmal als Mogelpackung des Monats darauf.

Wer noch alles Inhalt schrumpft

Für Kunden besonders ärgerlich ist der Dominoeffekt: Ein Unternehmen beginnt mit dem Schrumpfen, andere folgen. „So macht auch Lorenz Snack-World mit seiner Marke Crunchips mit. Im April waren zunächst die Crunchips Roasted dran, dann die Nicnac’s und nun folgen weitere Sorten wie Cheese & Onion“, sagt Valet.

Der Inhalt sei bei unverändertem Preis von 175 auf 150 Gramm gesunken. Für den Verbraucherschützer würden Kunden auf diese Weise hinters Licht geführt. Daran ändere weder der Hinweis „New Size“ auf der Packung etwas noch eine minimale Verkleinerung mancher Chipstüten.

Bereits im Frühjahr hat die Verbraucherzentrale mit Pringles von Kellogg die erste Chipsmarke mit versteckten Preiserhöhungen veröffentlicht, es folgten Pepsico mit Lay’s und den Doritos Maischips. Valet: „Wir kommen auf mindestens 63 Snack-Artikel im letzten halben Jahr. Und die Händler, die sich vermeintlich gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen einsetzen, machen mit und profitieren davon.“