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Erste Lieferengpässe beim Grippe-Impfstoff

In einigen Arztpraxen wird der Grippe-Impfstoff schon knapp. Warum das auch Anlass zur Freude ist, erklärt Sachsens Chef der Impfkommission.

Hat sie am Mittwoch medienwirksam bekommen: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ließ sich von Arzt Harald Bias in der Charité gegen Grippe impfen.
Hat sie am Mittwoch medienwirksam bekommen: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ließ sich von Arzt Harald Bias in der Charité gegen Grippe impfen. © dpa

Von Jörg Ratzsch und Kornelia Noack

Wer derzeit zu seinem Hausarzt geht, um sich gegen Grippe impfen zu lassen, muss damit rechnen, abgewiesen zu werden. In einigen Arztpraxen wird der Impfstoff knapp. Mehrere Ärzte in Mittelsachsen berichten von Versorgungsengpässen und müssen ihre Patienten auf November vertrösten. Dabei sollen sich in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie deutlich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen – auch um eine Überlastung der Praxen und Kliniken wegen Influenza-Patienten zu vermeiden. „Die aktuelle Nachfrage nach Grippeschutz ist größer als in den Vorjahren zu Beginn der Impfsaison“, sagt Dr. Dietmar Beier, Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission (SIKO). Es sei daher durchaus möglich, dass einzelne Arztpraxen ihre Dosen bereits aufgebraucht haben und auf neue warten müssten. Von einem Engpass könne aber keine Rede sein.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) weist Befürchtungen vor Versorgungsengpässen beim Grippeimpfstoff zurück und ruft besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen dazu auf, sich impfen zu lassen. Es könne momentan lokal und zeitlich zu Lieferengpässen kommen, sagte er am Mittwoch in Berlin. „Das heißt aber nicht, dass wir Versorgungsengpässe bei diesem Grippeimpfstoff haben.“ Ärztevertreter riefen die Politik unterdessen dazu auf, für schnellen Nachschub zu sorgen.

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Das Bundesgesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben für diese Saison 26 Millionen Dosen bestellt – das sind rund vier Millionen mehr als im vergangenen Jahr. „So viele Impfdosen standen noch nie zuvor in Deutschland für die Grippeimpfung zur Verfügung“, sagte Spahn. Der Impfstoff werde aber nicht an einem Tag ausgeliefert, sondern stehe nach und nach zur Verfügung. Es sei sinnvoll, sich auch noch im November oder Dezember impfen zu lassen. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts sind bereits 19,1 Millionen Impfdosen freigegeben worden.

Händeringend Nachschub gesucht

„Die Nachfrage ist in vielen Regionen, sicherlich auch aufgrund der medienwirksamen Aufrufe aus der Politik, sehr früh in diesem Jahr sehr hoch“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, am Mittwoch. Das gebe eigentlich Anlass zur Freude. Allerdings seien in einigen Hausarztpraxen die ersten Impfdosen bereits verimpft, und die Mediziner suchten händeringend Nachschub. „Es darf nicht sein, dass einerseits zum Impfen aufgerufen wird, dann aber die Impfstoffe nicht nachkommen!“ In Sachsen würden derzeit noch die Anfang 2020 eingegangenen Bestellungen abgearbeitet, sagt Dr. Kathrin Quellmalz vom Sächsischen Apothekerverband.

Spahn zufolge sind in den vergangenen Jahren jeweils vier bis sechs Millionen Impfdosen vernichtet worden, weil sie nicht eingesetzt wurden. Er appellierte an diejenigen, sich impfen zu lassen, „für die die Ständige Impfkommission eine Impfung empfiehlt“. „Schützen Sie sich, schützen Sie andere, schützen Sie unser Gesundheitssystem.“ Laut SIKO-Chef Beier sei auch in Sachsen der zur Verfügung stehende Impfstoff noch nie aufgebraucht worden.

„Wenn wir 26 Millionen Grippedosen verimpft haben sollten irgendwann im Januar, Februar (...), wäre ich ein sehr glücklicher Gesundheitsminister“, sagte Spahn. Seiner Ansicht wäre dann zusammen mit den AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske – ziemlich sicher, dass die Grippe für diese Saison „ein überschaubares Problem“ bleibt. Der CDU-Politiker ließ sich am Mittwoch in der Berliner Charité auch selbst gegen Grippe impfen.

Vermeiden von Superinfektionen

Die Grippeimpfung wird in der Corona-Pandemie vor allem Risikogruppen wie Senioren und chronisch Kranken empfohlen. Dabei geht es etwa darum, Superinfektionen mit anderen gefährlichen Erregern zu vermeiden, aber auch darum, die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Grippe möglichst gering zu halten. Empfohlen wird eine Grippeimpfung außerdem für medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen und im Gesundheitswesen, dazu für Schwangere und Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen.

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach bezweifelte in der „Augsburger Allgemeinen“, dass die 26 Millionen bestellten Dosen ausreichen werden. Er sprach sich zudem auch für Impfungen bei Kindern und Jugendlichen aus. „Denn wir wissen, dass die Kinder das sogenannte Feuer der Influenza sind“, sagte er. Sie erkrankten erst und steckten dann die anderen an. „Anders als bei Corona übrigens.“

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Auch die Sächsische Impfkommission plädiert dafür, dass sich alle Menschen gegen Influenza impfen lassen sollten. „Ab dem siebten Lebensmonat ist das möglich“, sagt Beier. Für Kinder zwischen dem zweiten und dem 18. Lebensjahr geht das auch nadelfrei – denn für diese Altersklasse ist neben der Spritze auch ein Nasenspray als Grippeimpfung zugelassen. (dpa/rnw)

Fragen und Antworten des Robert Koch-Instituts zur Grippeimpfung

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