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SOE: Wartezimmer der Ärzte sind voll

Corona, Erkältung, Grippe: Es sind mehr Menschen krank als sonst. Ist es schon eine Welle und sind zwei Impfungen ratsam?

Von Heike Sabel
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Es geht schon wieder los: Husten, Schnupfen, Fieber. Doch nicht jede Erkältung ist eine Grippe.
Es geht schon wieder los: Husten, Schnupfen, Fieber. Doch nicht jede Erkältung ist eine Grippe. © CLARK/CLARK/obs

Es schnieft und hustet, kratzt und fiebert. Gefühlt so viele wie lange nicht sind krank. Das Erste beim Gang zum Arzt ist oft ein PCR-Test, ob es Corona ist. Wenn nicht, ist es dennoch nicht leichter. Droht uns in diesem Herbst und Winter eine Welle der Infekte? Und verträgt sich eine Corona-Schutzimpfung mit der Grippeimpfung?

Eine Erkältungswelle ist noch keine Grippewelle, sagt die Dürrröhrsdorfer Ärztin Antje Herbst. Auch bei ihr ist das Wartezimmer jetzt voll mit den Schniefenden und Hustenden und der Anteil der Corona-Kranken steigt. Sie testet vorsichtshalber jeden mit entsprechenden Symptomen. Die Kette der Ansteckungen ist sonst unaufhaltsam, sagt sie. Das Gesundheitsamt des Kreises kommt schon jetzt kaum mit der Nachverfolgung bzw. den Anrufen hinterher, sagt ein Corona-Erkrankter aus Heidenau. Ist es Corona oder nicht, das ist für jeden die Frage und bis zur Antwort sind es oft bange Tage, in denen jeder Kontakte vermeiden sollte. Was für den Fall von Corona die Quarantäne zur Folge hat, hilft auch bei anderen Infekten, nicht noch mehr Leute anzustecken.

70 Grippeimpfungen in drei Stunden

Die Grippeimpfung vermeidet keine Erkältung so wie die Corona-Impfung nicht in jedem Fall eine Infektion. Das Entscheidende sind die Verläufe. Das haben zumindest für die Grippe schon viele verstanden, auch dass es für nichts eine hundertprozentige Sicherheit gibt, sagt Antje Herbst. Sie impft seit Mitte September gegen die Grippe und stellt von Jahr zu Jahr eine größere Nachfrage fest. Im Unterschied zur Corona-Impfung kann die Grippeimpfung in der Sprechstunde unabhängig von der Zahl der Interessenten erfolgen. Bei Corona müssen aufgrund der sechs Impfdosen pro Fläschchen immer sechs Personen hintereinander bestellt werden, für die dann auch der zweite Termin zu vereinbaren ist. Das bedeutet viel organisatorischen Aufwand, sagt Antje Herbst. Bei der Grippeimpfung hat sie jetzt 70 in drei Stunden geschafft.

Der Heidenauer Hausarzt Sebastian Denzin verzeichnet aktuell eine ähnliche Nachfrage nach der Grippeimpfungen wie im vorigen Jahr. Schon damals folgten bei ihm deutlich mehr Patienten als 2019 der Empfehlung, sich impfen zu lassen. Angesichts der Bedrohung durch Sars-Covid2 wollten sich viele wenigstens vor der Influenza schützen bzw. einen Verlauf verhindern, sagt er.

Nachfrage nach Impfungen aller Art wächst

Dass es dieses Jahr eine besonders schlimme Grippewelle geben soll, dafür sieht Denzin keine Belege. Es gab in allen Jahren unterschiedliche Ausbreitungen, abhängig von den gerade zirkulierenden Grippestämmen, sagt er. Klar ist aber, dass es voriges Jahr durch den Lockdown ab Ende Oktober viel weniger Kontakte und damit Möglichkeiten zur Ansteckung gab.

Aktuell ist ausreichend Vierfachimpfstoff vorhanden. "Es kann anders als 2020 jeder infrage kommende Patient ohne größere Probleme die Grippeimpfung bekommen", sagt Denzin. Anders ist es mit dem neuen Hochdosisimpfstoff, der für Menschen ab 60 Jahre empfohlen wird. Damit sollten eigentlich alle Senioren geimpft werden, doch es gibt in Deutschland nur einen verfügbaren Impfstoff.

Auffällig sei, dass seit diesem Frühjahr die Nachfrage nach Impfungen aller Art gestiegen ist, sagt Denzin. Er nennt zum Beispiel Pneumokokken, Zecken (FSME) und Gürtelrose. "Das hat sicher damit zu tun, dass das Wissen über die fantastische Errungenschaft des Impfens mehr Menschen erreicht hat", sagt er. Viele Hausarztpraxen im Landkreis wollen sich zur aktuellen Situation in ihren Wartezimmern nicht äußern. Manche, weil sie keine Zeit haben, andere nennen keine Gründe.

Grippeschutzimpfung: Wo und wie

  • Grippeimpfungen sind bei vielen Haus- und Fachärzten möglich. Das Gesundheitsamt des Landkreises bietet diese Impfung ebenfalls an.
  • Im Landratsamt Pirna wird immer dienstags, 13 bis 17.30 Uhr, geimpft. Am 4. November gibt es auch in der Außenstelle Freital auf der Deubener Straße 6 zwischen 14 und 17.30 Uhr eine Impfsprechstunde.
  • Termine für das Impfen im Landratsamt müssen vorab telefonisch unter 03501 5152307 oder 03501 5152302 vereinbart werden.
  • Für gesetzlich Versicherte ist die Impfung überall kostenfrei.
  • Das Landratsamt plant, bis Ende November gegen Grippe zu impfen. Bei entsprechender Nachfrage sind weitere Termine möglich.
  • Die Sächsische Impfkommission empfiehlt einen Abstand zwischen der Grippe- und der Corona-Impfung von zwei Wochen.

Warten auf den Totimpfstoff

Die positive Einstellung zur Grippeimpfung führt Antje Herbst auf die schon lange bekannten und erprobten Impfstoffe zurück. Die Zurückhaltung bei der Corona-Impfung wird oft mit dem Fehlen dieser langjährigen Erfahrungen begründet. "Eine junge Frau hat mir jetzt gesagt, sie warte jetzt auf den Totimpfstoff", sagt Antje Herbst. "Doch mit einer Zulassung ist erst im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen." Totimpfstoffe enthalten im Gegensatz zu den bisher in Deutschland verwendeten Impfstoffen abgetötete Erreger.

Antje Herbst hat ihre Patienten oft gefragt, ob sie eine Corona-Impfung wollen. Jetzt fragt sie nicht mehr. "Die, die wollten, sind inzwischen geimpft." Bei der Grippeimpfung muss sie nicht fragen. Da wird sie gefragt.