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Gefährliche Hitze: So erkennen Sie Hitzschlag und Sonnenstich

Hitze belastet unsere Körper extrem. Für einige Personengruppen kann das lebensgefährlich sein. Wie sie sich schützen und anderen helfen können.

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Auch junge Leute sollten die Kraft der Sonne nicht unterschätzen - darum gilt: Lieber im Schatten ausruhen und viel trinken. Sonst droht ein Sonnenstich.
Auch junge Leute sollten die Kraft der Sonne nicht unterschätzen - darum gilt: Lieber im Schatten ausruhen und viel trinken. Sonst droht ein Sonnenstich. © Christin Klose/dpa (Symbolbild)

Sachsen steht eine erneute Hitzewelle bevor. Die kommenden Tage werden trocken und vor allem heiß. Mit mindestens 30 Grad wird gerechnet. In einigen Teilen Deutschlands könnten die Temperaturen sogar die 40-Grad-Marke erreichen.

Während das Hochsommerwetter den eine Freude bereitet, macht es anderen ziemlich zu schaffen - bis hin zu ernstzunehmenden gesundheitlichen Beschweren. Dazu die wichtigsten Antworten.

Für wen ist Hitze besonders gefährlich?

Als besonders von Hitze gefährdet gelten nach übereinstimmender Einschätzung von Medizinern ältere Menschen, vor allem, wenn sie nicht ausreichend trinken.

Ihr Durstempfinden sei vermindert, manchmal vergäßen sie das Trinken ganz, warnt die Bundesärztekammer. Aber die Hitzetoleranz kann auch bei Jüngeren erheblich variieren, heißt es in einer vom Ärzteblatt veröffentlichten Übersicht.

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Vor allem ältere Menschen vergessen bei Hitze oft ausreichend zu trinken.
Vor allem ältere Menschen vergessen bei Hitze oft ausreichend zu trinken. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Archivbild)

Akute Infekte und Erkrankungen machen empfindlicher, Flüssigkeitsmangel und Störungen im Elektrolythaushalt können zu Beschwerden führen. Und auch Übereifer, unzureichende Gewöhnung und Medikamenteneinnahme begünstigen Erkrankungen wie Sonnenstich, Hitzekollaps oder -schlag.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) sind folgende Menschen besonders gefährdet:

  • Menschen ab 65 Jahre
  • Ältere alleinlebende Menschen, die Probleme mit ihrer Mobilität haben
  • Pflegebedürftige Menschen
  • Säuglinge und Kleinkinder
  • Menschen mit Vorerkrankungen
  • Menschen mit akuten Erkrankungen
  • Menschen, die im Freien arbeiten und die körperlich schwer arbeiten
  • Menschen in besonderen Lebenslagen (z. B. Obdachlose, Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen)

Wie schützt sich der Körper bei hohen Außentemperaturen?

Das Zauberwort ist "Verdunstungskühle". Sie entsteht, wenn bei Hitze Schweiß auf der Haut verdampft und diese so abkühlt. Doch die Schweißproduktion kann bei kranken oder alten Menschen erheblich eingeschränkt sein.

Medikamente können dafür sorgen, das nach der Einnahme zu wenig geschwitzt wird.
Medikamente können dafür sorgen, das nach der Einnahme zu wenig geschwitzt wird. © Friso Gentsch/dpa (Symbolfoto)

Auch Medikamente können dazu beitragen, dass jemand weniger schwitzt, als nötig wäre. Zudem ist die Hautdurchblutung im Alter geringer, es kann deshalb weniger Wärme über die Haut abgegeben werden.

Was passiert, wenn der Selbstschutz versagt?

Der Selbsthilfemechanismus des Körpers kann an Grenzen stoßen: Wenn bei sehr hohen Temperaturen oder langanhaltender Hitze eine Abkühlung durch Schwitzen nicht mehr möglich ist, droht ein Wärmestau. Blutgefäße in Armen und Beinen erweitern sich, der Blutdruck fällt ab. Die verminderte Gehirndurchblutung kann zur Bewusstlosigkeit führen.

Wann wird die Hitze lebensbedrohlich?

Wer sich länger ohne Kopfbedeckung der Sonne aussetzt, riskiert einen Wärmestau im Gehirn. Es kann dabei auch zu einer Reizung der Hirnhäute kommen, wodurch das Hirngewebe anschwellen kann. Die Folgen: Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Erbrechen.

Im Extremfall kann es auch zu einem Hirnödem kommen, das zur Bewusstlosigkeit führen und sogar tödlich enden kann, warnt der Notfallfallmediziner Peter Sefrin. Als besonders gefährdet gelten Kinder und ältere Männer – die einen, weil sie noch nicht, die anderen, weil sie oft nicht mehr von einer dichten Haarbedeckung geschützt sind.

Wenn der gesamte Körper überhitzt - die Temperatur kann dann innerhalb kurzer Zeit auf über 40 Grad ansteigen – droht ebenfalls eine Gehirnschwellung. Auch so ein "Hitzschlag" kann tödlich enden.

Wie erkenne ich einen Hitzschlag?

Laut dem Deutschen Roten Kreuz macht sich ein Hitzschlag durch die folgenden Symptome bemerkbar:

  • Erhöhung der Körpertemperatur
  • Heiße und trockene Haut
  • Beschleunigter Pulsschlag
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Krämpfe und Erbrechen
  • Schwindelgefühl, Verwirrtheit, Halluzinationen

Wie kann ich anderen Personen mit Hitzschlag helfen?

Wer bemerkt, dass eine andere Person eventuell einen Hitzschlag erlitten hat, sollte erste Hilfe leisten. Das DRK empfiehlt in einem solchen Fall die folgenden Maßnahmen:

  • Betroffene sofort in den Schatten bringen. Dort den Oberkörper der Person hochlagern. Wenn kein Schatten zu finden ist, kann auch eine Rettungsdecke als Schutz vor den Sonnenstrahlen genutzt werden.
  • Helfer sollten Wasser oder Getränke wie Fruchtsaftschorle oder Früchtetees zum Trinken anbieten. Das geht aber nur, wenn der Betroffene bei vollem Bewusstsein ist.
  • Sollte die Person benommen sein, Beine hochlagern.
  • Wenn der Betroffene bewusstlos wird, muss er in die stabile Seitenlage gelegt werden.
  • Den Notruf 112 informieren und Hilfe anfordern.
  • Bewusstsein und Atmung des Betroffenen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes kontrollieren.
  • Den Körper des Betroffenen mit feuchten Tüchern kühlen. Diese sind vor allem im Kopf und Nackenbereich aufzulegen. (Kein Eis direkt auf den Körper geben.)

Wie erkenne ich einen Sonnenstich?

Ein Sonnenstich macht sich zum Beispiel durch Kopfschmerzen und Schwindel, aber auch durch einen hochroten, heißen Kopf bemerkbar. Auch Übelkeit und Erbrechen sind oft Symptome. Die Beschwerden können auch auftreten, wenn man längst nicht mehr in der Sonne ist.

Starke Kopfschmerzen und Schwindel? Das kann auf einen Sonnenstich hindeuten. Auch ein hochroter, heißer Kopf ist ein Anzeichen.
Starke Kopfschmerzen und Schwindel? Das kann auf einen Sonnenstich hindeuten. Auch ein hochroter, heißer Kopf ist ein Anzeichen. © Christin Klose/dpa (Symbolbild)

Wie kann ich einer Person mit einem Sonnenstich helfen?

Auch hier gilt: Helfer sollten Betroffene so schnell wie möglich in den Schatten bringen. Kopf und Oberkörper lagert man am besten leicht erhöht. Und natürlich: Viel trinken. Verliert die betroffene Person das Bewusstsein, wählt man den Notruf 112.

Was ist Hitzeerschöpfung?

Bemerkt man bei sich starken Durst und fühlt sich schwach und abgeschlagen, kann eine Hitzeerschöpfung dahinterstecken. Ist die Haut kalt und feucht und die Atmung flach und schnell, sind das laut der BZgA weitere Symptome. Aus einer Hitzeerschöpfung kann sich auch ein Hitzschlag entwickeln.

Benommenheit und Schwäche sind Anzeichen, auf die man unbedingt reagieren sollte. Auch bei einer Hitzeerschöpfung begibt man sich am besten rasch an einen kühleren Ort und trinkt reichlich. Bessert sich der Zustand nach einer Stunde nicht oder steigt die Körpertemperatur über 38 Grad, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, so die BZgA.

Was ist über Hitzetote in Deutschland bekannt?

Für die besonders heißen Sommer 2018 bis 2020 errechneten Experten kürzlich eine signifikant gestiegene hitzebedingte Sterblichkeit: "Insbesondere das Jahr 2018 liegt mit einer geschätzten Anzahl von etwa 8.700 hitzebedingten Sterbefällen in einer ähnlichen Größenordnung wie die historischen Hitzejahre 1994 und 2003 (jeweils rund 10.000 Sterbefälle)", schrieben Forschende von Robert Koch-Institut (RKI), Umweltbundesamt (Uba) und Deutschem Wetterdienst (DWD) jüngst im "Deutschen Ärzteblatt". Für 2019 schätzen die Forschenden 6.900 hitzebedingte Sterbefälle, für 2020 sind es 3.700.

Was belastet neben der Hitze?

Hohe Lufttemperaturen und intensive Sonneneinstrahlung begünstigen nach Aussage des Umweltbundesamtes (UBA) die Bildung des Reizgases Ozon in Bodennähe. An solchen Tagen litten viele Menschen an Tränenreiz, Husten und Kopfschmerzen – und zwar unabhängig von der körperlichen Aktivität.

Eine mit den Beschwerden einhergehende verminderte Lungenfunktion bilde sich zwar meist nach Ende der Hitzeperiode vollständig zurück, sagen die UBA-Experten.

Bei körperlicher Anstrengung könne das Ozon aber tief in das Lungengewebe vordringen und dort Gewebe schädigen und Entzündungen hervorrufen. Solche Reaktionen des Lungengewebes bilden sich dann nur teilweise zurück, es drohten Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (SZ/dpa)