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Mehr Komplimente, bitte!

Über Komplimente freut sich jeder. Also machen Sie bitte anderen welche – und vor allem sich selbst. Die Wirkung ist groß.

Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin in Dresden und u. a. als Coach und Autorin tätig.
Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin in Dresden und u. a. als Coach und Autorin tätig. © Matthias Rietschel

Von Ilona Bürgel

Wann wurde Ihnen das letzte Mal ein Kompliment gemacht? Ich hatte eine schöne Begegnung vor dem Lockdown. Ich war italienisch essen und wurde zu meiner großen Freude vom Chef des Hauses mit „Ciao, wunderschöne Signora“ angesprochen. Ich fühlte mich gut und trug ein breites Lächeln zum Tisch. Das hielt so lange an, bis ich hörte, wie eine weitere Frau ebenso angesprochen wurde.

Ich war direkt ein bisschen enttäuscht und begann, über Komplimente nachzudenken. Was ist schöner, sie zu bekommen oder sie zu machen? Wann glauben wir sie und wann nicht? Grundsätzlich liegt es mir am Herzen, zu sagen, dass wir nie genug Gutes zu uns und anderen sagen können.

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Bekommen wir ein Kompliment, wiegeln wir gern ab oder verharmlosen unsere Leistung. Wir haben gelernt, nur nicht zu gut über uns zu denken. „Hochmut kommt vor dem Fall“ ist einer unserer Leitsätze. Als Erwachsene besuchen wir dann aber Coachings, weil wir viel zu kritisch über uns denken – und uns damit schaden. Wir bewundern etwa Südländer dafür, dass sie so herzlich und so überschwänglich sind.

Ein ungutes Gefühl

Natürlich wissen wir, dass ein guter Wirt zu jedem Gast etwas Freundliches sagt. Das wusste auch ich und doch fühlte es sich gut an. Stellen wir uns vor, den gleichen Satz hätte eine Freundin oder Schwester gesagt. Dann wäre er immer noch angenehm gewesen. Doch dann wäre ich um Ausgleich bemüht gewesen. „Du auch“ oder Ähnliches sagen in der Regel Frauen untereinander, weil wir es gewohnt sind, stets für eine gute Atmosphäre zu sorgen.

Ich mache gerne große Komplimente, weil ich von der Freude des Empfängers auch etwas habe. Kritisch wird es, wenn man es nicht so meint oder sich nur einschmeicheln will. Von Letzterem kommt das ungute Gefühl, was viele Menschen bei netten Worten haben. Es entsteht der Verdacht: Da will jemand etwas.

Etwas Freundliches zu sagen und es nicht 100 Prozent zu meinen, finde ich nicht ganz so schlimm. Ich empfinde ein freundliches Wort als Teil von Service oder einer grundsätzlich guten Absicht besser, als sich grimmig, aber dafür ehrlich, anzuschweigen. Vielmehr denke ich, dass wir den Menschen, die uns Gutes tun oder uns nah sind, dies viel zu selten sagen. Einfach so im Alltag. Einem Kassierer, der uns immer anlächelt, der Reinigungskraft, die für uns die Treppe fröhlich kehrt oder unserer Familie, die uns mit ihrer Liebe durch gute und schlechte Zeiten trägt. Falls Sie beim Lesen gerade mit jemandem zusammen sind, den Sie mögen, könnten Sie ihm das doch gleich mal sagen.

Gut über sich und andere denken

Wie hätte der Satz vom Restaurantchef gewirkt, wenn ich ihn mir selbst gesagt hätte? Nach einem Glas Sekt und in Feierlaune hätte ich ihn mir durchaus mit einem Lächeln zugerufen. Doch an einem normalen Tag? Da sehe ich sofort, dass ich schlecht geschlafen und zu viel Kuchen gegessen habe. Ich schaue vielleicht ernster, als ich möchte, oder bin gerade traurig.

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Mir ist mit Erstaunen aufgefallen, dass ich dem, was andere über mich sagen, mehr Bedeutung beimesse, als dem, was ich zu mir sage. Letzteres könnte „gemacht“ sein, ich könnte mir etwas vormachen. Ach, und wenn schon? Ich bin schließlich die Einzige, die Tag und Nacht mit mir lebt, warum sollte ich mir da nicht etwas Schönes sagen und auch mal übertreiben? Wenn ich öfter mal besonders gut über mich denke, schadet das niemandem – im Gegenteil. Wenn es mir gut geht, stecke ich andere damit an, bin kreativer und produktiver. Und gut über sich und andere und das Leben zu denken, gibt uns auch mehr Schönheit als vieles andere.

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