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Monatelanges Warten auf einen Augenarzt-Termin

Besonders kritisch ist die Situation in Südwestsachsen. Nun sollen auch Kliniken mit Sprechstunden aushelfen.

In Sachsen gibt es derzeit 333 ambulant tätige Augenärzte und damit mehr als doppelt so viele wie 1991.
In Sachsen gibt es derzeit 333 ambulant tätige Augenärzte und damit mehr als doppelt so viele wie 1991. © Matthias Rietschel

Dresden. In Sachsen gibt es derzeit 333 ambulant tätige Augenärzte und damit mehr als doppelt so viele wie 1991. Dennoch hätten einige Regionen Versorgungsprobleme, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) auf Anfrage der SZ mit. Zwölf Augenärzte könnten sofort eine Zulassung erhalten. Auch in den angrenzenden Bundesländern Brandenburg und Thüringen gebe es im Vergleich zu anderen Fachgebieten auffällig viele Zulassungsmöglichkeiten.

Die Folge: „Wer keine Beschwerden hat, kann schon mal drei Monate auf einen Termin warten“, sagt Dr. Matthias Müller-Holz, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte in Sachsen. Akute Fälle würden selbstverständlich umgehend behandelt. Eine weitere Möglichkeit biete die Terminservicestelle der Kassenärzte. Allerdings ist auch da Geduld gefragt. Mitte des Jahres warteten noch rund 1.700 Patienten auf eine Vermittlung. „Die Patienten müssen unter Umständen einige Kilometer fahren“, sagt der Dresdner Augenarzt. „Dazu sind nicht alle bereit oder in der Lage.“

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Die KVS erklärt den Facharztmangel unter anderem mit der Altersstruktur der Ärzte. Gleichzeitig sinke die Bereitschaft, eine Praxis zu übernehmen. Die Anzahl der Augenärzte mit eigener Niederlassung ging in den vergangenen zehn Jahren von 245 auf 204 zurück. Im Gegenzug suchten immer mehr Augenärzte eine Anstellung – in Praxen sind das gegenwärtig 58, in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) 69.

Lokale Lücken befürchtet

Anfang August gab es in Sachsen 21 MVZ, in denen Augenärzte tätig sind. Die Zentren würden von vielen Ärzten kritisch gesehen, sagt Verbandsvize Müller-Holz. Er selbst nennt sie „Fluch und Segen zugleich.“ Immerhin stellten die MVZ die Versorgung in Regionen sicher, wo sonst gar kein Augenarzt mehr hinkäme.

Der Vorsitzende der KVS, Dr. Klaus Heckemann, befürchtet durch die Konzentration dagegen andernorts lokale Lücken. Außerdem würden in den Zentren durchschnittlich weniger Fälle je Arzt behandelt als in Niederlassungen.

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Zusätzlichen lokalen Versorgungsbedarf bei Augenärzten hat die KVS zurzeit für acht Regionen festgestellt, darunter in Niesky, Kamenz und Großenhain. Besonders kritisch ist die Situation in Südwestsachsen. Deshalb werden dort ab Januar Mediziner in vier Augenkliniken auch ambulante Sprechstunden anbieten und Berufsnachwuchs ausbilden. Der Bedarf dürfte in Zukunft weiter steigen, weil Augenkrankheiten vermehrt im Alter auftreten.

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