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Influenza in Dresden: "Da wird was kommen"

Die Gesundheitsbürgermeisterin und Ärzte werben für einen baldigen Piks gegen die Influenza. Was Sie jetzt zur Grippeschutzimpfung wissen müssen.

Von Dominique Bielmeier & Sandro Rahrisch
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Dresdens Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann hat sich am Freitagvormittag in der Betriebsambulanz des Klinikums Friedrichstadt gegen Grippe impfen lassen.
Dresdens Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann hat sich am Freitagvormittag in der Betriebsambulanz des Klinikums Friedrichstadt gegen Grippe impfen lassen. © Städtisches Klinikum Dresden/Anja Witthauer

Dresden. "Ich habe überhaupt nichts gespürt", sagt Kristin Kaufmann beinahe schon überrascht, als die dünne Nadel endlich geräuschvoll in einem kleinen gelben Abfalleimer auf dem Tischchen neben ihr landet. Geschätzt eine Minute lang steckte sie zuvor im Oberarm der Gesundheitsbürgermeisterin, nicht, weil Assistenzärztin Dana Ziegenhagen die Politikerin bei ihrer Grippeschutzimpfung in der Betriebsambulanz des Klinikums Friedrichstadt besonders quälen wollte, sondern, weil von dieser natürlich Fotos für die Öffentlichkeit entstehen sollten.

Mit dem Termin wollen Bürgermeisterin und Klinikum die Dresdner daran erinnern, sich gegen Influenza zu schützen, besonders wenn sie einer Risikogruppe angehören. Auch mit Hinblick auf die wieder zunehmenden Corona-Infektionszahlen sei eine Impfung gegen die saisonale Grippe jetzt wichtig, "damit nicht auch noch eine Influenzawelle auf uns zurollt", wie Kaufmann sagt.

Wer zur Risikogruppe zählt und wie sich Grippe- und Coronaschutzimpfung vertragen - die wichtigsten Fragen und Antworten zur Impfung lesen Sie hier im Überblick.

Sollte ich mich jetzt schon gegen Grippe impfen lassen?

"Ab Oktober ist die beste Jahreszeit für die Impfung", sagt Assistenzärztin Ziegenhagen. Auch, wenn draußen ein besonders goldener Herbst an diesem Tag die Gedanken an Viruserkrankungen wohl eher im Zaum halten dürfte. Aber es dauert auch zwei Wochen, bis nach einer Impfung der volle Immunschutz aufgebaut ist, nach drei bis vier Monaten lässt die Wirkung schließlich nach.

Mit dem Frühjahr und seinen höheren Temperaturen haben die Grippeviren, die nicht wärmebeständig sind, dann keine Chance mehr, erklärt die Ärztin. "Wir haben aber auch im Januar noch Leute geimpft." Gespritzt wird ein Vierfach-Impfstoff mit je zwei Stämmen der A- und B-Varianten des Virus, die zuvor auf der Südhalbkugel grassierten. Selbst wenn diese, wie teilweise in früheren Jahren, mit dem Wirkstoff nicht genau getroffen sein sollten, seien die Verläufe der Influenza nach einer Impfung wesentlich weniger schlimm als ohne Schutz.

Wer sollte sich überhaupt gegen Grippe impfen lassen?

Ärztin Dana Ziegenhagen würde - wie auch die Sächsische Impfkommission - prinzipiell jedem zur Impfung raten, verweist aber auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut. Diese empfiehlt die Influenza-Impfung allen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem zweiten Trimester (bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung schon ab dem ersten), Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie chronischen Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder anderen Stoffwechselkrankheiten sowie Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen und allen, die mit Risikopersonen in einem Haushalt leben. Auch wer aufgrund seines Berufs gefährdeter ist, sich anzustecken, zum Beispiel medizinisches Personal, oder in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr arbeitet, sollte sich impfen lassen.

Antje Nordwig, Leitende Oberärztin und Kinder-Pneumologin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Dresden, sagte vor Kurzem gegenüber der SZ: "Ich würde in diesem Jahr eine großzügige Impfung gegen Grippe empfehlen." Ähnlich wie beim RS-Virus sei eine größere Verbreitung zu erwarten, "und Kinder bringen die Viren aus Schule und Kita mit."

Entsprechend der Empfehlungen des RKI sollten Kinder ab sechs Monaten mit kardiologischen, pneumologischen und neurologischen Vorerkrankungen sowie Kinder, die als Kontaktpersonen im selben Haushalt lebende Risikopersonen gefährden können, gegen die saisonale Grippe geimpft werden.

Damit Menschen ab 60 Jahren noch besser vor einer Infektion geschützt sind, empfiehlt die Stiko ihnen seit diesem Jahr die Impfung mit sogenannten Hochdosisimpfstoffen. Diese unterscheiden sich von den normalen Influenzaimpfstoffen entweder durch bestimmte Wirkverstärker oder eine höhere Menge von enthaltenen Antigenen. Sie haben laut RKI eine etwas höhere Wirksamkeit bei Älteren.

Muss ich nach einer Coronaschutzimpfung mit dem Impfen warten?

Die Stiko betont, dass ihre Impf-Empfehlung auch während der Corona-Pandemie gültig ist, die Impfung gegen Influenza bleibe ein wesentlicher Schutz vor schweren Verläufen. Die Grippeschutzimpfung könne sogar gleichzeitig mit einer Covid-Impfung verabreicht werden. Dann solle die Injektion jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen.

Auch Ärztin Ziegenhagen bestätigt, dass es keinen Grund gibt, nach einer Coronaschutzimpfung mit der Grippeimpfung zu warten, sondern beide Impfungen problemlos gleichzeitig verabreicht werden können. Bei Booster-Impfungen älterer Menschen werde das sogar empfohlen, auch weil diese sich dann nicht zweimal auf den Weg in eine Klinik beziehungsweise zum Arzt machen müssen. Einziger Nachteil: "Dann tun einem eben beide Arme weh."

Ist 2021 eine größere Grippewelle in Dresden zu erwarten?

Die Grippesaison 2020/2021 stellte aufgrund des Corona-Lockdowns inklusive Maskenpflicht eine absolute Ausnahme dar. Kristin Kaufmann: "Es gab nur neun Fälle in der ganzen Stadt, das ist unglaublich." Kein einziger Mensch ist an der Grippe verstorben. Zum Vergleich: In der vorhergehenden Saison gab es 2.574 Erkrankungsfälle und elf Todesfälle. Genau so viele Todesfälle auf 2.143 Erkrankungen gab es 2018/2019. Im Jahr zuvor grassierte die Grippe in Dresden besonders stark: Von 4.804 nachweislich Erkrankten starben 22.

Aktuell meldet die Stadt auf ihrem Grippe-Dashboard null Infektionen für die aktuelle Saison. So wenige Fälle wie im ersten Coronajahr erwarten sowohl die Bürgermeisterin als auch ihre Impfärztin jedoch nicht. "Das wird dieses Jahr nicht passieren", sagt Kaufmann mit Blick auf 3G- und 2G-Regelungen, die Menschen wieder mehr Kontakte erlauben als im Jahr zuvor. Dana Ziegenhagen pflichtet ihr bei: "Da wird was kommen."

Schon jetzt sind wieder mehr Atemwegserkrankungen zu verzeichnen, wie ein Hausarzt aus Langebrück kürzlich der SZ bestätigt hat, nicht nur im Vergleich zu 2020. "Auch gegenüber den Jahren zuvor ist eine leichte Zunahme zu verzeichnen", sagte Dr. Klaus Lorenzen. Neu sei in diesem Herbst die vergleichsweise starke Ausbreitung des RS-Virus. "Die Symptome gleichen einer starken Erkältung mit Naselaufen, Fieber, Husten und in manchen Fällen mit starken Atembeschwerden. Ein Arzt sollte da auf jeden Fall aufgesucht werden."

Wie kann man Influenza von Erkältung und Corona unterscheiden?

Die Symptome der Influenza lassen sich gut von denen einer Erkältung unterscheiden, die Symptomatik von Influenza und Covid-19 ähnele sich dagegen stark, so das Gesundheitsamt.

Influenza zeichnet sich über eine Infektion der unteren Atemwege aus. Bronchitis und Lungenentzündung sind möglich. Darüber hinaus gehört hohes Fieber zu den häufigsten Symptomen. Oft beginnt eine Influenza sehr plötzlich mit einem starken Abgeschlagenheitsgefühl, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Fieber. "Es handelt sich um eine ernsthafte, mitunter auch eine lebensbedrohliche Erkrankung", so das Gesundheitsamt weiter.

Erkältungen würden dagegen von anderen Erregern verursacht. Der Verlauf sei milder, oftmals ohne Fieber und allgemeinem Schwächegefühl. Die Symptome treten weniger plötzlich auf als bei der echten Grippe. Niesen und eine laufende oder verstopfte Nase seien typisch. Der grippale Infekt erfordere keine Einweisung ins Krankenhaus. Gegen eine Erkältung kann nicht geimpft werden.

Fieber und andere Symptome treten bei Covid-19 weniger plötzlich auf als bei Influenza, können aber auch zu den Krankheitszeichen gehören, genauso wie allgemeine Schwäche. Niesen und eine laufende Nase seien seltener als bei einer Erkältung. Typisch für eine Corona-Infektion sei dagegen ein Geruchs- und Geschmacksverlust.

Wie wird die Influenza übertragen?

"Influenza ist sehr ansteckend. Beim Niesen, Husten oder Sprechen gelangen kleinste, virushaltige Tröpfchen des Nasen-Rachen-Sekrets von Erkrankten in die Luft und können von anderen Menschen in der Nähe eingeatmet werden", erklärt das Dresdner Gesundheitsamt. Auch über die Hände würden die Viren weitergereicht, wenn diese mit virushaltigen Sekreten in Kontakt gekommen sind. Werden anschließend Mund, Nase oder Augen berührt, können die Viren über die Schleimhäute in den Körper eindringen. (mit SZ/sw)