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Sachsens Kinder holen jetzt viele Krankheiten nach

Der neue Report der Barmer zeigt Nachholeffekte durch die Corona-Pandemie. Es gibt aber auch eine erfreuliche Tendenz.

Von Sylvia Miskowiec
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Trotz momentanem Hoch: Kinderkrankheiten werden seltener.
Trotz momentanem Hoch: Kinderkrankheiten werden seltener. ©  Pixabay

Auf den ersten Blick sind die Zahlen alarmierend: Kinderärzte in Sachsen verzeichnen so viele Scharlachfälle wie lange nicht. Bis Mitte April wurden der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen 1.880 Infektionen gemeldet, während es vor einem Jahr um diese Zeit nur 60 waren. Auch die Windpocken verbreiteten sich mit 639 Fällen mehr als vier Mal so stark wie im Vorjahreszeitraum.

„Schuld an den bereits seit Ende 2021 wieder steigenden Zahlen ist die Pandemie“, sagt Monika Welfens, Landesgeschäftsführerin der Barmer Ersatzkasse in Sachsen. Die Barmer hat in ihrem aktuellen Arztreport ein besonderes Augenmerk auf die Gesundheit von Kindern bis 14 Jahren gelegt und die Zahlen ihrer Versicherten auf die sächsische Bevölkerung hochgerechnet. Das Fazit: Sachsens Nachwuchs hat während der Corona-Zeit unter vielen Entbehrungen gelitten – und nun mit den gesundheitlichen Konsequenzen zu kämpfen. „Viele sonst übliche Infektionen sind während der Pandemie ausgeblieben, weswegen nun heftige Krankheitswellen drohen oder bereits im Gange sind“, sagt Welfens.

Der Arztreport zeigt etwa, dass während der Pandemie Kitakindern kaum unter Scharlach gelitten haben, der eigentlich im ersten Quartal eines Jahres seine Hochzeit habe. Infizierten sich in Sachsen im Jahr 2019 noch rund 10.900 Kinder mit Scharlach, waren es im Jahr 2021 laut Arztreport nur noch rund 1.400. Das entspricht einem Rückgang von 89 Prozent. Auch weitere klassische Kinderkrankheiten wie Ringelröteln, Windpocken und das Pfeiffersche Drüsenfieber traten in der Pandemie seltener auf als zuvor.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit trotzt Pandemie

Einen Ausreißer gibt es aber: die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Sie wird durch Viren ausgelöst. Typische Anzeichen sind Fieber und ein Ausschlag im Mund sowie an den Handflächen und Fußsohlen. Nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2020 auf weniger als 3.200 kranke Kinder wurde Hand-Fuß-Mund in Sachsen im vierten Quartal 2021 rund 11.600 Mal diagnostiziert. Damit lagen die Zahlen beinahe auf Vor-Corona-Niveau von 2019 mit 14.800 kleinen Patienten. Im bundesweiten Vergleich rangiert Sachsen damit im oberen Mittelfeld.

Kinderkrankheiten langfristig auf dem Rückzug

Betrachtet man die Entwicklung der Kinderkrankheiten über einen längeren Zeitraum, so zeigt sich allerdings: Es gibt keinen Grund zur übermäßigen Aufregung. Seit Beginn der Auswertungen sind Windpocken, Ringelröteln, Dreitagefieber und Co. auf dem Rückzug. Für diese langfristige Entwicklung macht Welfens vor allem zwei Dinge verantwortlich. So habe Sachsen für viele Infektionen eine Meldepflicht eingeführt. Diese trage dazu bei, dass Ansteckungsherde schnell eingegrenzt und damit eine Ausbreitung rechtzeitig eingedämmt werden könnten. „Ein besonderes Augenmerk gilt auch den Schutzimpfungen“, betont Welfens und verweist auf Erfolge bei der Bekämpfung der Windpocken. Vor der Einführung der Impfung im Jahr 2004 hätten sich noch mehr als 90 Prozent aller Kinder mit dem für die Windpocken verantwortlichen Varizella-Zoster-Virus infiziert. „Auch ohne die corona-bedingte Pause sehen wir einen enormen Rückgang dieser Krankheit. Von 2005 bis 2019 sind 84 Prozent weniger Windpocken-Diagnosen gestellt worden“, so die Barmer-Chefin. Welfens riet daher, während der Pandemie versäumte Impftermine nachzuholen, genauso wie bestimmte Vorsorgeuntersuchungen. In den Jahren vor der Pandemie seien relativ konstant 95 bis 96 Prozent der Kinder ärztlich betreut worden. 2021 wurden dagegen laut Barmer nur gut 93 Prozent der Kinder in einer Arztpraxis behandelt.

Häufigste Diagnosen von Kinderkrankheiten

Kindern bis 14 Jahren wurden laut dem Barmer Arztreport 2021 vor allem diese Leiden diagnostiziert:

  • 62 Prozent: Krankheiten des Atmungssystems wie Grippe, Pneumonie, chronische Krankheiten
  • 36 Prozent: Hauterkrankungen, Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte
  • 35 Prozent: infektiöse und parasitäre Krankheiten wie RS-Virus, Noro-oder Rotavirus