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Klinikum Pirna: Neues Leben für einen kleinen Jungen

Der achtjährige Otabek hatte sich bei einem Unfall schwer verbrannt. Dank der Pirnaer Ärzte kann er nun wieder laufen und greifen.

Chefarzt Dr. Jens-Peter Sieber, Otabek und Daniel Stadthaus, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin (v.l.): Dem Jungen wieder ein unbeschwertes Leben ermöglicht.
Chefarzt Dr. Jens-Peter Sieber, Otabek und Daniel Stadthaus, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin (v.l.): Dem Jungen wieder ein unbeschwertes Leben ermöglicht. © Helios Klinikum Pirna

­Otabek* hüpft noch schnell auf sein Bett, um den kleinen Fernseher auszuschalten. Dann schnappt er sich das Tablett mit dem leergegessenen Teller und trägt es zum Geschirrwagen. Nach getaner Arbeit hüpft er beschwingt wieder zurück in sein vorübergehendes Quartier, ein Zimmer im Klinikum Pirna.

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Was auf den ersten Blick so banal und selbstverständlich aussieht, kommt für den achtjährigen Jungen einem Wunder gleich. In seinem noch jungen Leben hat er schon viel durchgemacht. Und noch vor drei Jahren war undenkbar, dass er jemals wieder so ausgelassen und fröhlich toben kann.

Der Junge hatte sich 2018 in seinem Heimatland Usbekistan bei einem Unfall mit siedendem Öl schwer verbrannt. Er wurde zwar notoperiert und überlebte – jedoch mit schwersten körperlichen Einschränkungen. Die Hitze hatte Muskelstränge und Haut miteinander verschmelzen lassen. Großflächige Narben verursachten derart schwere Fehlstellungen, dass Otabek weder gehen noch greifen konnte. Um die Zukunft des Jungen stand es denkbar schlecht.

In Usbekistan konnte niemand helfen

Nur eine komplexe medizinische Behandlung, so viel stand fest, konnte dem Jungen helfen. Doch eine solche war in Usbekistan unmöglich. Beinahe schien es so, als sei Otabeks Schicksal damit besiegelt.

Doch dann kam die Rettung – in Gestalt der Hilfsorganisation "Friedensdorf International". Der in Oberhausen ansässige Verein, 1967 gegründet, kümmert sich um Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten, die er zur medizinischen Versorgung nach Deutschland holt. Nach Abschluss der Behandlung kehren die Kinder zu ihren Familien zurück. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden.

Und so kam Otabek ins Pirnaer Klinikum, das schon seit Jahren mit dem Friedensdorf-Verein kooperiert. Auf dem Sonnenstein fand Otabek alles, was er benötigte: eine Klinik für plastische und rekonstruktive Chirurgie sowie eine Kinderklinik, wo er fachübergreifend behandelt werden kann. "Otabek war nun erneut für zahlreiche Operationen bei uns", sagt Dr. Jens-Peter Sieber, Chefarzt der Plastischen, Ästhetischen und Rekonstruktiven Chirurgie. Bereits 2019 war der Junge Patient im Pirnaer Krankenhaus. Dazwischen wurde er im Friedensdorf Oberhausen mit Reha-Maßnahmen, beispielsweise eine Physiotherapie, weiterbehandelt.

Die Finger mit Drähten richten

Während seines ersten Aufenthaltes in Pirna ging es vor allem darum, die Fehlstellungen an linken Bein und an der linken Hand aufzulösen. Die starken Verbrennungen hatten zu Narbensträngen geführt, die die Mediziner aufschneiden und an den Fingern mit Drähten richten mussten, um die Beweglichkeit wieder herzustellen.

Zusätzlich schlossen die Ärzte mit mehreren Hautplastiken Wunden an der Hand, am Rumpf, am Unterbauch, an der Hüfte, am Gesäß und am Rücken. Um Otabek auf diese Operationen vorzubereiten, zeichneten die Mediziner die betroffenen Stellen am Körper mit einem Stift an.

Wie gut der Jungen, der mit den Ärzten wegen der Sprachbarriere fast ausschließlich per Hand- oder Fußbewegungen kommunizierte, erfasste, was mit ihm geschah, zeigte er den Fachleuten an seiner Plüschmaus. Das Kuscheltier hatte Otabek kurzerhand mit einem Stift genauso bemalt wie die Ärzte seinen Körper. Die Fachleute staunten nicht schlecht.

Haut vom Kopf transplantiert

Nach einer Therapie in der Klinik ging es für Otabek dann zunächst zurück nach Oberhausen, nun kehrte er nach Pirna zurück. Dieser Aufenthalt und die Behandlung wurden jetzt von einem weiteren Verein unterstützt: "Interplast Germany", eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Bad Kreuznach, die Patienten mit angeborenen oder erworbenen Defekten durch plastische Operationen in Entwicklungsländern hilft.

Dafür engagieren sich Ärzte, Pfleger Schwestern ehrenamtlich weltweit. Sie behandeln, operieren und betreuen weltweit Menschen mit schwersten Entstellungen nach Unfällen, Verbrennungen oder Krieg. Dr. Jens-Peter Sieber engagiert sich schon seit Jahrzehnten in dem Verein und war bereits zu zahlreichen Hilfseinsätzen im Ausland unterwegs.

Nun hat er quasi im Inlandseinsatz den usbekischen Jungen behandelt. "Dieses Mal haben wir wieder an der linken Hand Narbenstränge lösen müssen, die durch das Wachstum von Otabek in den letzten zwei Jahren entstanden sind", sagt der Chefarzt. Die Finger dieser Hand hätten ja bereits mit Drähten gerichtet werden müssen, um die Beweglichkeit wiederherzustellen. Zusätzlich entfernten oder durchtrennten die Mediziner weitere Narbenplatten mit Hautplastiken und transplantierter Haut aus dem Kopfbereich.

Nadeln machen die vernarbte Haut weicher

Inzwischen ist alles gut verheilt, auch die medizinische Nadeltherapie der Narben hat der Junge gut überstanden. "Wir haben seine Narbenplatten mit dem sogenannten Medical Needling behandelt", sagt Sieber. Dadurch werde die vernarbte Haut weicher. So könne Otabek weiterwachsen, ohne dass es erneut zu solchen Fehlstellungen komme.

Otabek kann nun wieder zu seiner Familie zurückkehren. Den Chefarzt freut es, dass er dem usbekischen Jungen wieder ein unbeschwertes Leben in seiner Heimat ermöglichen kann. "Insbesondere bei Kindern mit so schweren Verletzungen funktionieren wir fachübergreifend sehr gut als Team. Sowohl Schwestern und Ärzte der Plastischen Chirurgie, aber auch der Kinderklinik, haben entscheidend zum Endergebnis beigetragen", sagt Sieber.

Nähere Informationen zu den Hilfsorganisationen finden sich im Internet unter www.friedensdorf.de und www.interplast-germany.de.

*Name von der Redaktion geändert

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