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Ärzte aus Honduras sehen ihre Zukunft im Kreis Görlitz

Fünf angehende Mediziner waren jetzt auf Kennenlern-Tour in den Kliniken im Landkreis. Ihr Fazit fällt positiv aus.

Diese fünf jungen Mediziner aus Honduras besuchen zusammen mit Medizin-Studentin Franziska Goschütz (weiße Bluse) das Emmaus-Krankenhaus Niesky. Es ist eine der medizinischen Einrichtungen im Landkreis, in der ihre Facharztausbildung erfolgen kann.
Diese fünf jungen Mediziner aus Honduras besuchen zusammen mit Medizin-Studentin Franziska Goschütz (weiße Bluse) das Emmaus-Krankenhaus Niesky. Es ist eine der medizinischen Einrichtungen im Landkreis, in der ihre Facharztausbildung erfolgen kann. © SZ/Steffen Gerhardt

Sie können es sich gut vorstellen, hier im Landkreis Görlitz als Arzt sesshaft zu werden. Das sagen fünf junge Ärzte, deren Heimat die Republik Honduras ist. Dieser Tage sind sie zusammen mit Vertretern des Gesundheitsamtes des Landkreises und dem Ärzte-Netz Ostsachsen auf Erkundungstour zwischen Zittau und Weißwasser unterwegs gewesen. Umgeschaut haben sich die jungen Leute in den Krankenhäusern der Region.

Leonardo Zelaya, der in seiner Heimat bereits als Betriebsarzt tätig war, zeigt sich beeindruckt von dem hohen Standard in den Krankenhäusern für die Landbevölkerung. "Das ist bei uns nicht so, richtig gute Krankenhäuser sind nur in den Großstädten zu finden", sagt der 31-Jährige. Und noch etwas reizt den jungen Familienvater hier zu arbeiten: Die hiesigen Krankenhäuser sind nicht so groß und vor allem überschaubar. "Hier kennt jeder jeden, und das ist wichtig für eine gute Zusammenarbeit." 

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Leipzig ist die erste Wahl

Nach Deutschland gekommen ist Leonardo zusammen mit Luis Morazan, Walter Leiva, Eshley Lagos sowie der einzigen Frau unter ihnen, Jamila Maximum, im vergangenen Jahr. Dass die Wahl auf Deutschland und damit auf Leipzig fiel, haben die Fünf Walters Bruder zu verdanken, der in Leipzig an der Hochschule Musik studiert und für diese Stadt schwärmt. Doch sich einfach in den Flieger setzen und nach Deutschland reisen, ist so nicht möglich gewesen. Dazu braucht es die Unterstützung von Deutschland aus. Das Ärzte-Netz mit seinem Weiterbildungsverbund schaltete sich ein und die Fachkräfteallianz Landkreis Görlitz, über die das Vorhaben gefördert wird. Beiden liegt daran, junge Ärzte in die Neißeregion zu holen.

Bei den fünf Ärzten aus Honduras stehen die Chancen gut. Von der Besichtigunsgtour sind alle fünf angetan. Dabei waren sie nicht allein. In ihrer Mitte dabei ist Franziska Goschütz aus Niesky gewesen. Sie studiert im dritten Semester Medizin in Nürnberg. "Ich möchte gern in meine Heimat zurückkehren und hier als Ärztin arbeiten", sagt die 25-Jährige. Nach dem zwölften Semester steht auch für die Nieskyerin die Weiterbildung zum Facharzt über zwei Jahre an. "Dass ich sie in Niesky mache, kann ich mir gut vorstellen", sagt sie.  

Keine Not an Ärzten in Honduras

In Honduras braucht es länger, um ein niedergelassener Arzt zu werden, erzählt Eshley Lagos. Zwar dauert das Arztstudium ebenfalls sechs Jahre, aber danach müssen die Absolventen sich für zwei Jahre in der Praxis erproben. "Da kommst du dorthin, wo du gebraucht wirst." Eshley war in dieser Zeit der einzige Arzt in einer Stadt mit 12.000 Einwohnern. Erst nach den zwei Jahren Praxiserfahrung gehen die Ärzte in die fachliche Weiterbildung. Deshalb besteht in Honduras kaum Fachkräftemangel, weil neue Pflegekräfte und Mediziner nach Abschluss des Studiums für zwei Jahre verpflichtend im Land arbeiten müssen. Für Eshley und seine Mitstreiter kommt nun in Deutschland noch ein Jahr medizinischer Deutschkurs dazu.  

Für die fünf jungen Menschen ist es doch eine Umstellung. Leonardo Zelaya möchte gern seine Frau und den vierjährigen Sohn nach Deutschland holen. Aber im Angesicht der weltweiten Pandemie gestaltet sich das derzeit schwierig. Jamila Maximum vermisst ihre Familie ebenso, zumal bei der 30-Jährigen das Interesse am Arztberuf durch die Tätigkeit ihres Vaters als Kinderarzt geweckt wurde. Aber auf eines sind die fünf Honduraner besonders stolz: Als junge Ärzte haben sie bisher rund 200 Babys zur Welt gebracht, wie Leonardo Zelaya mit Freude erzählt. Das zeigt, dass die Ärzte in Honduras nicht so fachspezifisch arbeiten wie in Deutschland. Da leitet man als Betriebsarzt eben auch mal eine Geburt ein.     

Geförderte Studienplätze für Hausärzte

Nicht allein mit ausländischen Ärzten können die Versorgungslöcher vor allem im ländlichen Raum gestopft werden. Das hat die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) erkannt. Seit sieben Jahren läuft das Modellprojekt "Studieren in Europa - Zukunft in Sachsen". Mit diesem werden 20 Studierende pro Jahrgang gefördert, die das Medizinstudium im deutschsprachigen Studiengang Humanmedizin an der Universität im ungarischen Pécs aufnehmen. Wie die Landesgeschäftsstelle der KVS informiert, erklärte sich der Freistaat bereit, die nächsten zwei Studiengänge mit jeweils 20 Stipendien auf 40 Plätze pro Jahrgang aufzustocken. Im Gegenzug verpflichten sich die geförderten Studenten, die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Sachsen zu absolvieren und für mindestens fünf Jahre als Hausarzt im Freistaat tätig zu sein.   

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