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Diese Leistungen stehen Diabetikern zu

Die Behandlung von Diabetes bei Spezialisten ist gesetzlich geregelt. Manche Krankenkassen bieten aber noch mehr.

Einige Krankenkassen übernehmen mehr Leistungen für Diabetes-Patienten als andere.
Einige Krankenkassen übernehmen mehr Leistungen für Diabetes-Patienten als andere. © Alexander Heinl/dpa

Fast eine halbe Million Menschen in Sachsen leben mit der Diagnose Diabetes mellitus. Und die Mehrzahl profitiert von einer intensiven Betreuung. Grundlage dafür sind sogenannte Disease-Management-Programme, kurz DMP. Das Ziel: die Zuckerkrankheit unter Kontrolle behalten und Folgeerkrankungen vermeiden. Wer bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, wird in der Regel von seinem behandelnden Arzt darauf angesprochen und unterschreibt eine Teilnahmeerklärung. DMPs gibt es für verschiedene chronische Krankheiten und haben je nach Kasse spezielle Namen. Bei der IKK heißt es Promed, bei der AOK Curaplan und bei der Barmer Besser-Leben-Programm.

Weil es sich um eine gesetzliche Leistung handelt, sind die Programme weitgehend identisch. Dazu gehören ein Behandlungsplan, regelmäßige Kontrolluntersuchungen und – bei Bedarf – die Überweisung zu anderen Fachärzten. In einem Diabetespass werden alle relevanten Daten erfasst: Blutzuckerwerte, Laborergebnisse, Medikamentenplan, Gewicht, ärztliche Befunde und Anzeichen von Folgeerkrankungen. Die behandelnden Ärzte bekommen die zusätzlichen Leistungen extra vergütet und informieren die Kassen regelmäßig über den Verlauf der Behandlung. Damit können auch die Kassen ihren Versicherten gegebenenfalls weitere Informationen und Angebote unterbreiten.

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„Das Programm ist so gestaltet, dass die Patienten selbst viel dazu beitragen können, besser mit ihrer Erkrankung zurechtzukommen“, sagt Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus. Deshalb sind Schulungen und Kurse fester Bestandteil. Mediziner und geschulte Berater erklären, wie man den eigenen Stoffwechsel kontrolliert und Blutzuckerwerte richtig interpretiert. Die Patienten erhalten Zugang zum aktuellen Stand der Forschung und können sich mit anderen Betroffenen austauschen.

Was Patienten schnell lernen: Schon ein paar Kilo weniger auf der Waage können Wunder bewirken. „In Ernährungskursen erfahren sie, wie sie Schritt für Schritt abnehmen und ihr neues Gewicht halten können“, erklärt Christine Enenkel, Leiterin der DAK in Sachsen.

Messsystem auf Kosten der Krankenkasse

Etwa 12.000 Menschen in Sachsen leiden unter Diabetes Typ 1. Die Autoimmunkrankheit tritt häufig bereits im Kindes- und Jugendalter auf, was letztlich auch die Eltern vor große Herausforderungen stellt. Die strukturierten Behandlungsprogramme ähneln im Wesentlichen denen für Typ-2-Patienten, richten sich hier aber an die ganze Familie. Bei allen Maßnahmen geht es darum, dass die Erkrankung die geistige und körperliche Entwicklung sowie die soziale Integration der jungen Patienten so wenig wie möglich beeinträchtigt. Besonderer Wert wird daher auf die psychotherapeutische Unterstützung gelegt.

In Sachsen konnten Diabetiker diese zusätzlichen Leistungen übrigens bereits nutzen, als diese noch keine gesetzliche Leistung waren. Dann wurden die DMP für alle gesetzlichen Kassen zur Pflicht – allerdings nur für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 und 2. Deshalb schlossen die Kassen im Jahr 2012 mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen eine gesonderte Vereinbarung für die anderen Diabetesdiagnosen, etwa den Gestations-(Schwangerschafts-)Diabetes und pankreopriven (sekundären) Diabetes, der die Folge einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse sein kann. Eine Einschreibung ist dafür nicht notwendig, die Behandlung und Betreuung erfolgt nach Überweisung durch einen Facharzt zu einer diabetologischen Schwerpunktpraxis.

Noch vor wenigen Jahren mussten sich Diabetiker mehrere Male am Tag in die Fingerkuppe stechen, um ihren Blutzuckerwert zu ermitteln. Das geht inzwischen deutlich einfacher und vor allem schmerzfreier mithilfe des Messsystems FreeStyle Libre. Ein Sensor am Oberarm misst fortlaufend die Glukosewerte im Gewebe, der Patient kann den aktuellen Wert per Lesegerät scannen. Die AOK Plus gehörte nach eigener Aussage zu den ersten Krankenkassen, die die Kosten als zusätzliche Satzungsleistung übernahm. Inzwischen ist das System eine Regelleistung aller gesetzlichen Kassen. „Bei der AOK Plus wird es derzeit von mehr als 17.000 Diabetikern genutzt“, sagt Sprecherin Strobel. Die Patienten hätten weniger Angst vor nächtlichen Entgleisungen und könnten ihren Langzeit-Blutzuckerwert besser regulieren: „Die Lebensqualität der Versicherten hat sich damit verbessert.“

Betreuung vom Teledoktor

Gibt es darüber hinaus Leistungen, die nur eine oder wenige Kassen ihren Versicherten bieten? Um diese Frage zu beantworten, haben wir die großen Krankenkassen in Sachsen – AOK Plus, IKK classic, TK, Barmer und DAK – um detaillierte Auskunft gebeten. Das Ergebnis: Tatsächlich bieten die Kassen über den gesetzlichen Auftrag hinaus weitere Zusatzleistungen an.

Die DAK hat für Betroffene ein spezielles Vorsorgeangebot aufgelegt, um Diabetes-Komplikationen frühzeitig zu erkennen. In zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen prüfen Spezialisten zum Beispiel mögliche Schädigungen der Nerven, Gefäße, Leber und Nieren. Enenkel: „Damit können viele Folgeschäden vermieden werden.“ Das Angebot gibt es inzwischen auch für TK-Versicherte.

Die AOK Plus hat spezielle Verträge geschlossen, um Diabetikern mit Risiko einer Fußläsion eine intensive und abgestimmte Behandlung bei Spezialisten zu ermöglichen. Auch hier geht es um die Vermeidung schwerer Folgen, die bis zur Amputation des Fußes reichen können.

Darüber hinaus gibt es immer mehr telemedizinische Angebote. Typ-2-Diabetiker, die bei der IKK classic versichert sind, können mit ihrem behandelnden Arzt auch über ein Onlineportal kommunizieren. Das Portal ermöglicht außerdem die Übermittlung von Daten von Waage, Schrittzähler und Blutzuckermessgerät. So kann der Arzt bei Bedarf schnell reagieren.

Kostenlose Früherkennung von Diabetes

Der Trend zu digitalen Anwendungen ist bei allen befragten Kassen spürbar. Sogenannte Online-Coaches geben Tipps zur gesunden Lebensweise, Onlinekurse und Apps helfen bei der Umstellung der Ernährung und sollen zu mehr Bewegung motivieren. Die meisten dieser Serviceleistungen richten sich nicht nur an Diabetiker, sondern an alle Versicherten. „Bei Menschen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko können eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung die Diagnose um einige Jahre aufschieben“, sagt Barmer-Landeschef Fabian Magerl.

Denn wenn ein Diabetes verhindert werden kann, ist das immer die beste Variante – sowohl für die Versicherten als auch für die Kassen. Aus diesem Grund können Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren die Früherkennungsuntersuchung J2, in der unter anderem die Diabetes-Vorsorge im Fokus steht, kostenlos nutzen – bei allen der befragten Kassen.

Die Serie Diabetes: Vorbeugen, erkennen, heilen

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